Podiumsdiskussion "Vielfalt oder Verwirrung - Zur Begrifflichkeit des Ehrenamts"
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15. Januar 1999, Bonn-Bad Godesberg Begrüßung: Meine sehr geehrten Damen und Herren, ich darf Sie herzlich begrüßen zur Podiumsdiskussion Vielfalt oder Verwirrung Zur Begrifflichkeit des Ehrenamts". Die Stiftung "Bürger für Bürger" will heute Vormittag ein Forum bieten, die Kontroverse über scheinbar verfeindete Begriffe, die das freiwillige und unbezahlte Engagement von Menschen beschreiben, auszutragen. Wer sich dem freiwilligen ehrenamtlichen und bürgerschaftlichen Engagement ohne Vorbehalte und analytisch nähert, steht in Deutschland des öfteren staunend vor den Scheingefechten um die Lufthoheit über das Thema. Da wird gedonnert gegen das alte, scheinbar überkommene Ehrenamt, das in traditionellen Verbänden von der aussterbenden Spezies Aufopferungswilliger" abgeleistet wird, da werden andererseits Initiativen zur Gewinnung noch nicht Engagierter für neue Betätigungsfelder kritisch beäugt, unter vorgehaltener Hand diskreditiert und womöglich behindert aus Konkurrenzdenken. Und das ganze gipfelt dann in Aussagen bei europäischen Tagungen, Deutschland sei ein Entwicklungsland in Sachen Freiwilligkeit. Verzeihen Sie mir den polemischen Unterton, doch er liegt sehr nahe an der Realität. Diese in großen Teilen wenig konstruktive Auseinandersetzung schadet insgesamt allen Initiativen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für das freiwillige Engagement und stärkt sicherlich nicht das öffentliche Ansehen und den politischen Einflüssen. Die Stiftung "Bürger für Bürger" will deshalb mit dazu beitragen, ein versöhnendes Miteinander" in der Vielfalt unterschiedlicher Konzepte/Begriffe und Tätigkeitsmöglichkeiten zu erreichen ohne Wertehierarchie. Dem freien Engagement von vielen Bürgerinnen und Bürger unterschiedlichen Alters ist gemeinsam, den Zwängen des Erwerbslebens und Alltags selbstbestimmendes Tun entgegenzusetzen. Dies gilt es zu ermöglichen und zu unterstützen in vielfältiger Weise.
Einleitungsstatement: Einen schönen guten Morgen. Ich soll kurz etwas sagen. Das sei das allerwichtigste, der Inhalt sei nicht so wichtig. Das versteht sich aber für jeden Veranstalter, wenn er Zeit plant, dass das Timing das wichtigste ist. Ich will auch keine großen Vorbemerkungen machen, möchte aber doch gewissermaßen als Selbstschutz Sie darauf hinweisen, dass ich nur eine ganz, ganz kleine und ganz selektive Facette dessen, was man zu diesem Thema alles sagen müsste und könnte, sagen kann. Und ich soll ja auch gar nichts abschließend klären. Ich soll vielleicht ein paar Fragen aufwerfen oder Sie zum Fragen anregen, damit wir nachher diskutieren können. Und der Gegenstand ist eben in diesem Fall die Frage nach dem Begriff, wobei ich ich nehme es gleich vorweg erstens die Begriffe nicht klären werde, dazu ist vielleicht die Diskussion nachher viel sinnvoller, und zweitens keinen Begriff favorisiere und auch, das wird aber vielleicht aus meinen Ausführungen noch deutlich, nach wie vor nicht der Meinung bin, dass es einen Optimalbegriff gibt. Ehrenamt und neues Ehrenamt, ehrenamtliches Engagement oder ehrenamtliche Arbeit, soziales Engagement, Bürgerengagement oder bürgerschaftliches Engagement, gesellschaftliches, zivilgesellschaftliches oder gemeinwohlorientiertes Engagement, freiwilliges Engagement, Freiwilligenarbeit oder Bürgerarbeit: das sind nur einige Begriffe, die im Umfeld der hier anstehenden Thematik immer wieder zu hören sind. Und vermutlich wären unserer Phantasie mit dieser Aufzählung noch keine Grenzen gesetzt, wenn es darum ginge, weitere Assoziationsfelder und Wortkombinationen ausfindig zu machen. Die Frage, die sich jedoch im Horizont dieser Begriffsinflation unweigerlich stellt, ist die: Verbirgt sich hinter diesen Variationen des gleichen Themas lediglich der Versuch, in Analogie zu Werbestrategen mit permanent neuen Wortkreationen das allmählich müde werdende Publikum wach zu halten oder steckt mehr dahinter? Geht es also um alten Wein in neuen Schläuchen, um des Kaisers neue Kleider, geht es mithin bestenfalls um geringfügige Nuancen, die allenfalls noch Insidern zugänglich sind, oder geht es bei dieser kleinen babylonischen Sprachverwirrung doch auch um grundsätzliche Differenzen? Zunächst einmal fällt auf: Je länger über das hier anstehende Themengebiet im Schnittfeld von Wissenschaft, Politik und Öffentlichkeit debattiert wird, je mehr Diskutanten und Redner sich an diesem Disput mit unterschiedlichen Interessen, Motiven und Bezugspunkten beteiligen, um so länger wird die Liste der Begriffe und Bezugspunkte, die in dieses Themenfeld einbezogen werden. Auf einmal gehört alles und jeder dazu. Diese Entwicklung mag nachvollziehbare Gründe haben, sie hat aber auch erschwerende Folgen für den Umgang mit der Thematik, die wir hier hilfsweise mit dem Codewort Ehrenamt" umschreiben. Solange wir jedoch nicht zweifelsfrei davon ausgehen können, dass es sich beim Gebrauch der unterschiedlichen Begriffe um einen Wettbewerb handelt, bei dem lediglich ein identischer Sachverhalt besser, moderner, publikumswirksamer oder einfach sachangemessener zum Ausdruck gebracht werden soll, müssen wir uns zumindest auf die Suche nach möglichen Gründen für die Differenzen begeben. Dies will ich nachfolgend tun. Was also könnten Gründe dafür sein, dass in den letzten Jahren immer mehr Begriffe in die Arenen der Debatten geworfen wurden? Ich will hierzu drei Aspekte ins Blickfeld rücken, die mit dieser Frage nach den möglichen Gründen für eine begriffliche Vielfalt zusammenhängen könnten, (1) die möglichen Differenzen in der Sache selbst bzw. im Zuschnitt des Gegenstandsbereichs, (2) der Kampf um die semantische Lufthoheit", wie ich das nennen will, sowie schließlich (3) der Strukturwandel des Ehrenamtes" als Folie und Auslöser für begriffliche Veränderungen. Ich werde also nicht so sehr die Begriffe selbst in den Mittelpunkt rücken, sondern eben die Hintergründe, warum überhaupt diese Begriffsdiskussion aufkommt. Zunächst zu Aspekt (1) Differenzen im Zuschnitt des Gegenstandsbereichs und zum ungeklärten kategorialen Gehalt des Ehrenamts: Bei diesem Gesichtspunkt geht es um mögliche Differenzierungen in zwei Blickrichtungen, zum einen mit Blick nach außen", an die Ränder, und der damit verknüpften Frage, was denn überhaupt alles zum Themenfeld Ehrenamt dazugehört; zum anderen mit dem differenzierenden Blick nach innen", verbunden mit Absicht, die feinen Unterschiede und die sinnvollen Binnendifferenzen innerhalb der Formen des Engagements auch sprachlich sichtbar zu machen. Es geht also in dieser Frage, wenn man so will, um die Markierung der inneren und äußeren Grenzen des Ehrenamtes, die Hinweise geben, warum es von Vorteil sein kann, den einen oder anderen Begriff zu gebrauchen. Was soll demzufolge, so wäre zu fragen, alles enthalten sein, wenn wir von Ehrenamt", Bürgerengagement" oder Freiwilligenarbeit" sprechen: nur" das in Vereinen, Verbänden und Initiativen organisierte, unbezahlte Engagement? Tatsächlich nur Wahlämter? Oder jede Form des Engagements jenseits von Lohnarbeit und jenseits der sogenannten Eigenarbeit in den häuslichen vier Wänden? Ist also die von Eltern selbstorganisierte Krabbelgruppe für ihre 0-3jährigen Kinder ein ehrenamtliches Engagement, wenn Eltern in unterschiedlicher Intensität die Durchführung eigenverantwortlich, ohne Personal und finanzielle Unterstützung organisieren? Oder, um ein vielleicht etwas delikateres Beispiel zu verwenden: Ist beispielsweise das Engagement in einer Bürgerinitiative zur Verhinderung einer stationären Einrichtung für Geistigbehinderte im unmittelbaren Wohnumfeld dem hier anstehenden Sachverhalt Ehrenamt zuzurechnen jenseits der Frage, ob uns der Inhalt dieses Engagements nun gefällt oder nicht? Oder: Soll die regelmäßige Teilnahme eines Betroffenen an einer anonymen Selbsthilfegruppe noch dem ehrenamtlichen Engagement zugerechnet werden? Ist die regelmäßige, kostenlose Bereitschaft einer netten, verwitweten Nachbarin, zweimal pro Woche nachmittags auf die dreijährige Tochter einer alleinerziehenden Mutter aufzupassen, als ehrenamtliches Engagement zu bezeichnen? Oder: Wäre nicht auch ein Freiwilliges Soziales Jahr im Kern ein zwar befristetes, dafür aber um so zeitaufwendigeres Ehrenamt? Ist die intensive und aktive Teilnahme an einer Jugendgruppe, die ein Jugendlicher zwar nicht leitet, bei der er aber doch engagiert mithilft, weil es ihm ungemeinen Spaß macht, ein ehrenamtliches Engagement? Gehört hierzu auch die gelegentliche Bereitschaft eines Vaters, seinen im Verein Handball spielenden Sohn zusammen mit seinen gleichaltrigen Mitspielern zu einem Auswärtsspiel zu fahren? Sie sehen, es gibt viele Aspekte dieses Themenfeldes, die noch kontrovers sein können, wenn man versucht, das zu sortieren und sich darüber zu verständigen, was alles dazu gerechnet wird. Wo also, so ist zu fragen, fangen die Formen des ehrenamtlichen Engagements an, wo hören sie auf? Und dies in mehrfacher Hinsicht:
Sie sehen, dass es hier eine ganze Reihe von klärungsbedürftigen Sachverhalten gibt, deren Differenz durch unterschiedliche Begriffe zum Ausdruck gebracht werden soll. Zumindest für die Wissenschaft müsste dieses Defizit eines ungeklärten kategorialen Gehalts eigentlich eine Herausforderung zur Ordnung und Systematisierung sein. Ich kann aber derzeit nirgends sehen, dass ein dementsprechender Vorschlag vorläge, der ebenso plausibel wie praktikabel ist. So klar nämlich das Thema Ehrenamt auf den ersten Blick auch sein mag, so vielschichtig und konturenlos ist es doch bei genauerer Betrachtung: Was meint und umfasst Ehrenamtlichkeit eigentlich genau? Ist das, was mit Ehrenamt" oder anderen Begriffen bezeichnet wird, synonym zu setzen mit sämtlichen Formen des unentgeltlichen, des qualifikationsarmen oder des selbstlosen Engagements, des Handelns aus Mitleid? Oder ist es gar identisch mit jenen Formen des Engagements, bei dem alle diese Faktoren zugleich zutreffen? Sind ehrenamtliches und bürgerschaftliches Engagement dasselbe, zwei Seiten derselben Medaille, oder sind es doch kategorial zu unterscheidende Sachverhalte? Sind die in den 80er Jahren so hoch gehaltenen Differenzen von Ehrenamt und Selbsthilfe auf einmal kategorial überwunden, Formen der Fremd- und Selbsthilfe so ineinander verwoben, dass eine Unterscheidung zwischen Ehrenamt und Selbsthilfe fachlich keinen Sinn mehr macht? Oder: Lassen sich die Sachverhalte Ehrenamt", neues Ehrenamt" und Freiwilligenarbeit" substantiell und forschungsrelevant wirklich sinnvoll voneinander unterscheiden? Fragen dieser Art zielen auf den expliziten oder impliziten kategorialen Gehalt des theoretisch nach wie vor unbestimmten Begriffs des Ehrenamts, der zwar Gegenstand vielfältiger empirischer Forschungsaktivitäten ist getreu dem Motto ran ans Material, auch wenn wir nicht so genau wissen, was dieses alles umfasst" (und manche empirische Studien deshalb das Problem einfach auf die zu Befragenden verlagern, indem sie diese schlicht und einfach fragen sind sie ehrenamtlich tätig?"). Gleichwohl sehe ich bislang keine intensive sachorientierte Debatte über Begriffe und ihre Bedeutung, die hier wirklich weiterführend wäre. Und ich muss auch sagen, ich habe bestimmt schon über 50 Veranstaltungen zum Ehrenamt mitgemacht. Es ist noch nie eigentlich eine systematische Diskussion über die Frage der Begriffe gemacht worden. Insofern ist diese Veranstaltung meiner Kenntnis nach die erste, die sich wirklich mal um das vielleicht eher dröge Thema des Begriffes wirklich kümmert. Ich komme damit zu meinem Aspekt (2) Der Wettbewerb um Schlüsselbegriffe und die semantische Lufthoheit: Auch wenn wir, wenn ich es richtig sehe, bislang keine theoretischen und systematischen Arbeiten vorliegen haben, die in dieser Hinsicht Klärung schaffen und weiterführend sind (weil bislang fast ausschließlich empirische Forschung zum Thema Ehrenamt gefördert worden ist), so deuten sich bei diesem Thema dennoch mehrere Assoziationshorizonte und Kampfeslinien im Wettstreit um die besten Begrifflichkeiten an. Fach- und publikationsstrategisch kann man die begriffliche Ausweitung der Thematik, die in den letzten fünf Jahren unter dem Etikett Ehrenamt" oder in dessen Umfeld mit einer neuen Intensität und Dynamik zu beobachten ist, als ein typisches Folgeproblem und einen Mitnahmeeffekt eines wissenschaftlich wie politisch relevanten, öffentlichen Konjunkturthemas interpretieren: Jeder, der irgendwo einen Anknüpfungspunkt findet und davon gibt es viele , meldet sich zu Wort, behauptet oder erzeugt Anschlussfähigkeit. Alles, was thematisch irgendwie dazu passt, wird einfach hinzugefügt; jeder, der sich schon irgendwann einmal jenseits von Familie und Lohnarbeit engagiert hat, wird in immer breiter gefassten Forschungsoperationalisierungen als Ehrenamtlicher" oder bürgerschaftlich Engagierter" entdeckt" und mitgezählt. Im Wettbewerb um die semantische Lufthoheit hat sich infolgedessen gerade in den 90er Jahren das Volumen der Debatten, der empirischen Studien und der thematischen Horizonte vervielfacht, hat sich auch die Zahl der neben dem klassischen Ehrenamtsbegriff ins Gespräch gebrachten Schlüsselbegriffe wie z.B. neues Ehrenamt", Freiwilligenarbeit", Bürgerengagement" oder zivilgesellschaftliches Engagement" vielleicht auch noch Bürgerarbeit" erkennbar erhöht, während als diesbezügliche semantische Codierungen in den 70er und vor allem 80er Jahren neben dem Ehrenamt lediglich die beiden Begriffe Selbsthilfe" und soziale Bewegungen" eine prominente Rolle gespielt haben. Nicht zu vernachlässigen ist deshalb in dieser Hinsicht, dass es bei dem gegenwärtigen Wettbewerb um Begriffe zumindest indirekt auch um fachliche und gesellschaftspolitische Positionierungen geht, da Begriffe vielfach zugleich Codierungen und Symbole für thematisch und konzeptionell unterschiedliche Bezugspunkte und damit intendierte Schwerpunktverlagerungen sind. Nur als Beispiele:
Das heißt: Bei dem Wettbewerb um zentrale Begrifflichkeiten geht es
Auch wenn die derzeitige Form der Begriffsverwendung demnach nicht sehr strukturiert erscheint und es vermutlich auch nicht ist , so gehe ich dennoch von der These aus, dass damit unterschiedliche Milieus und Wertgemeinschaften angesprochen werden sollen, dass damit ein engerer oder weiterer politischer Horizont in der Gestaltung einer menschenwürdigen und lebenswerten Gesellschaft verbunden wird, dass damit alte Personengruppen gehalten oder aber neue erschlossen werden soll, dass damit vielleicht sogar davon abgelenkt werden soll, dass sich außer dem Begriff gar nicht so viel geändert hat (analog der Waschmittelwerbung das beste Persil, das es je gab" und das in jährlichen Steigerungsraten). Begriffe verändern zunächst nur den Blickwinkel oder die Sichtwiese. Sie können jedoch zugleich wenn sie denn geschickt gewählt sind auch im Kopf Bewegung freisetzen. Sie verkommen aber rasch zur reinen Propaganda, wenn sie sich bei genauerer Prüfung als ungedeckter Scheck erweisen. Und diesbezüglich das wäre meine ganz persönliche These sehe ich im Moment keinen alten oder neuen Begriff, der letztlich wirklich das hält, was er verspricht und deshalb zu einem neuen Zentralbegriff werden könnte, der alles umfasst und allen Ansprüchen gleichermaßen gerecht wird. Ich komme zu meinem Aspekt (3) Zum Strukturwandel des Ehrenamts: Eine dritte Lesart dieser Entwicklung schließlich und diese will ich nur noch kurz erwähnen legt ihr besonderes Augenmerk auf die Möglichkeit, dass der Beobachtungsgegenstand selbst in Bewegung geraten ist, sich also in seinen Konturen und seiner gesellschaftlichen Stellung, d.h. in der Realität verändert hat bzw. sich immer noch verändert. Demzufolge ginge es mithin vereinfacht formuliert nicht um ein klar konturiertes Thema, das lediglich definitorisch festgelegt und dann mit einem Begriff umfassend gekennzeichnet werden kann, sondern um einen Gegenstand, dessen Kontur sich in den letzten 10, 20, 30 oder auch 100 Jahren so stark verändert hat, dass inzwischen nicht ohne Grund von einem Strukturwandel des Ehrenamtes" gesprochen wird. Die Beobachtung der Begriffsvermehrung legt demzufolge bei diesem Gesichtspunkt den Akzent auf die tatsächlichen Veränderungen in dem anstehenden Themenfeld. Damit müssten gewissermaßen sowohl die historischen Veränderungen im Laufe der Zeit als auch die aktuellen Variationen im Rahmen des gegenwärtigen, tiefgreifenden sozialen Wandels als zentrale Erklärungsvariablen für die sich abzeichnende Vervielfältigung der Begriffe herangezogen werden. Vereinfacht gesagt ginge es in diesem Fall um behauptete, denkbare oder wünschbare Veränderungen im Umfeld des ehrenamtlichen Engagements. Insgesamt müssen in Anbetracht dieser Ausgangslage einer begrifflichen Diffusität und subjektiven Unklarheit, einer theoretisch-kategorialen Unterkomplexität sowie eines möglichen Strukturwandels des Phänomens Ehrenamt" die Unklarheiten und Ungereimtheiten jedoch zuallererst selbst zu einem Gegenstand der Debatte gemacht werden, müssen diese Dimensionen anstelle einer lästigen Randvariable zu einem gezielten Beobachtungsobjekt werden. Deshalb ist eine Veranstaltung wie diese hier zu begrüßen. Allerdings bleibt bei dieser Frage nach der Angemessenheit der Begriffe unter dem Strich festzuhalten, dass sich auch hier mehr im Fluss als auf gesichertem Boden befindet, sich momentan immer noch mehr ungeklärte Fragen als befriedigende Antworten abzeichnen. Ob diese Einschätzung richtig ist, ob sie in diesem Raum geteilt wird, können wir ja auf dem nun folgenden Podium feststellen.
Mike Corsa Herzlichen Dank, Thomas Rauschenbach. Ich denke, seine Linien durch das umfassende Thema werden in der folgenden Diskussion auf dem Podium aber auch mit Ihnen (Publikum) eine wesentliche Rolle spielen. Sie hörten von Thomas Rauschenbach, dass wir uns den Begriffen, die uns auch im politischen Leben immer wieder begegnen und gegeneinander ausgespielt werden, noch sehr wenig zugewandt haben. Nun darf ich in unserer Runde Dr. Thomas Leif vom Südwestrundfunk sehr herzlich begrüßen. Er übernimmt nun die Moderation.
Dr. Thomas Leif, Südwestrundfunk Moderation Vielen Dank. Wir haben heute ein komplexes Thema, das hat uns Herr Prof. Rauschenbach schon erklärt. Das ist offenbar die Frucht, wenn man so viele Tagungen mitmacht - 50 Tagungen! -, dass man die Begriffe hart attackiert, wie wir eben gehört haben. Jetzt lastet eine große Last auf den Diskutanten. Die müssen nämlich die Antworten auf die Fragen finden, die der Herr Professor uns offeriert hat. Trotzdem möchte ich mich bedanken für diesen kreativen Unruhezustand, den Sie uns hier verpasst haben mit einer ganzen Menge kritischer Fragen, die wir hoffentlich lösen können. Und vielleicht, wenn Sie auf dem Podium bleiben, werden Sie ja neben den vielen Fragen, mit denen Sie uns bombardiert haben, auch die passenden Antworten liefern. Nach 50 Tagungen muss ja etwas herauskommen an Wissensbestand. Am Anfang, als ich eingeladen worden bin, zum Thema Vielfalt oder Verwirrung zur Begrifflichkeit des Ehrenamtes hier dabei zu sein, war ich ehrlich gesagt etwas erstaunt und habe mich gefragt: Haben die keine anderen Probleme, als über Begriffe zu reden? Aber dann sagte der Professor: Endlich mal eine Tagung zum Begriff!" Denn im Begriff steckt schon die Komplexität der Probleme. Eigentlich geht es ja gar nicht um die Begriffe selbst, sondern um das, was hinter diesen Begriffen steht. Die CDU, die sich in der Krise befand, hat von Herrn Kofler, dem Chef von Pro7 ja auch mitgeteilt bekommen, dass es um ihre Marke geht, um ihren Namen. Aber sie kann allerhand erfinden lassen von PR-Agenturen, wenn der Inhalt dazu nicht stimmt, führt das auch nicht weiter. So ähnlich ist es wahrscheinlich auch mit dem Ehrenamt. Und alle, die sich mit den Begrifflichkeiten beschäftigen, landen immer in einer Sackgasse. Die letzte Sackgasse hat Dieter Schöffmann von der Agentur vis-à-vis betreten, als er den Begriff des Aktivbürgers einführte. Spannend fand ich dabei nur, dass die Presseresonanz auf seinen Artikel in einer Caritasfachzeitschrift so groß war. Also ist doch was dran am Thema, so dass wir nicht allzu langweilig heute diskutieren müssen, sondern etwas herausziehen können aus dieser Debatte. Wir sollten aber versuchen - vielleicht auch mit Ihrer Mithilfe im Plenum, weil hier eine Menge Sachverstand versammelt ist - hinter die Kulissen des Begriffs zu schauen und zu analysieren, wo die systematischen Probleme dieses Zukunftsbegriffs Ehrenamt sind und was politisch geschehen muss, um das Potential, das in der Gesellschaft angelegt ist, zu aktivieren. Deshalb möchte ich zu Anfang, weil Statements vorgesehen sind, die Vertreterin von den Freiwilligen-Agenturen bitten, doch mal die Begriffsalternativen zu nennen, weil die Freiwilligen-Agenturen ja vielleicht so was sind wie die Robin Hoods, die die alten Ehrenamtler angreifen und im Grunde den Mehltau wegblasen wollen, der auf dem Ehrenamt liegt.
Ingrid Kautz, Freiwilligen-Agentur Südostniedersachsen Ich heiße Ingrid Kautz und komme von der Freiwilligen-Agentur Südostniedersachsen. Ich möchte mich kurz vorstellen, damit sie wissen, wie ich zu diesem Aufgabenbereich gekommen bin und mit wem sie es zu tun haben. Ich habe in meinem Berufsleben viel von der Palette des Ehrenamtes im Zusammenwirken mit Hauptamtlichkeit kennen gelernt. Im Arbeitsalltag gestalten sich solche Verknüpfungen nicht immer einfach. Da gehen schon mal die Konkurrenzlämpchen an. Neben meiner Berufstätigkeit war ich auch ehrenamtlich engagiert, aber außerhalb meines Berufsbereiches. Dabei trifft man interessante Leute, kann Neues ausprobieren, findet neue Ideen und bekommt Anregungen, wenn man mal im eigenen Leben auf der Stelle tritt". Später habe ich dann in einer Neu-Orientierungsphase zeitweise Ehrenamt pur kennen gelernt. Das war wieder eine andere Sichtweise und ein neuer Blick auf ein altes Thema. Dass man da einiges verbessern könnte, damit man die Lust nicht verliert, ist mir in dieser Zeit durchaus aufgefallen. Entstanden ist daraus die hauptamtliche Mitarbeit in der Freiwilligen-Agentur. Die Ideen sind seitdem nicht ausgegangen. Man bleibt mit guten Ideen auch nicht alleine. Sie tragen Früchte. Inzwischen sind bundesweit viele Freiwilligen-Agenturen entstanden, die sich untereinander vernetzt haben, um sich fachlich auszutauschen. Im Herbst 1997 hat sich aus diesem Kreis heraus die Bundesarbeitsgemeinschaft Freiwilligen-Agenturen BAGFA- gegründet. Damit ist auch die politische Bedeutung dieser Bewegung dokumentiert worden. Die Vielfalt bleibt dadurch trotzdem erhalten, aber wir wollen einen roten Faden, eine Qualitätsleitlinie knüpfen und das Spannungsfeld zwischen Theorie und Praxis nicht aus den Augen lassen, immer wieder neu überprüfen. Und jetzt Anmerkungen zu unserem Tagesthema: Wir kennen die Begriffe und auch die Zahlen dazu. Freiwilliges Engagement, bürgerschaftliches oder auch bürgerliches Engagement, Ehrenamt, Zivilcourage usw. kaum ein Thema hat in der letzten Zeit so viele Schlagzeilen gemacht. Ich möchte nun zu diesen bereits vorhandenen Definitionen der Begriffe keine weiteren hinzufügen, neu abgrenzen oder trennen. Das können andere besser. In der Alltagsarbeit habe ich gemerkt, dass es wichtig ist, die Gemeinsamkeiten im Auge zu haben, mit kritischem Blick. Es gibt einen Grundbestand an verbindenden Werten, Ideen und Visionen, den ich zur Diskussion stellen möchte. Was haben nun fast alle Erscheinungsformen gemeinsam? Zunächst einmal die vermeintliche Kostenneutralität. Die Arbeit wird nämlich nicht bezahlt. Sie taucht in keinen Tarifverträgen auf. Lediglich in einigen Fällen gibt es Aufwandsentschädigung. Dann das zweite Gemeinsame die Arbeit ist freiwillig. Man entscheidet sich selbst dafür. Drittens, sie findet in einem organisierten Rahmen statt, also nicht zufällig oder planlos. Ein weiteres, man trifft auf Menschen mit gleichen Interessen, hat Gemeinsamkeiten. Interesse an Geselligkeit oder an Kommunikation bei Wahrung der Distanz ist auch etwas, was bei all diesen Formen gemeinsam ist. Auf eine kurze Formel gebracht, gibt es folgende Kriterien oder Mindeststandards im Begriffsdschungel: Erstens, es ist freiwillig, zweitens unentgeltlich, drittens, es ist für andere, und viertens findet es in einem organisierten Rahmen statt, also nicht nach dem Prinzip Zufall. Große Reglementierung oder Bürokratisierung gehen damit aber nicht einher, denn zu viel Professionalisierung und Verberuflichung kann im Grunde genommen das Engagement und das Interesse eher behindern als ihm dienen. Wir achten in unserem Arbeitsalltag darauf, was wir tun oder wo wir uns nicht engagieren, wenn interessierte Projektpartner zu uns kommen. Trotz des Sockelbetrags an Gemeinsamkeiten grenzen wir uns auch ab. Nicht alles aus dem vorhin genannten Katalog (Begriffsprogramm: Freiwilliges Engagement, bürgerschaftliches oder bürgerliches Engagement, Ehrenamt, Zivilcourage...) gehört zum Geschäft" einer Freiwilligen-Agentur. Wir beschäftigen uns mit den Aufgabenbereichen, die nicht auf den Arbeitsmarkt gehören und wo es keine staatliche Verpflichtung gibt. Einiges machen wir nicht. Nicht dazu gehören z.B. die Bürgerpflichten. Dafür gibt es gesetzliche Handlungsweisen, eine Art Regie, wie die Aufgabe zu erfüllen ist. Es besteht auch eine Verpflichtung zur Übernahme. In der Regel wird man berufen, z.B. als Schöffe oder Wahlhelfer z.B., wozu es eben diese Bürgerpflichten gibt berufen. Man kann sich nicht wirklich frei entscheiden. Wir bedienen" bei uns auch keine unmoralischen oder staatsschädigenden Gruppierungen, obwohl möglicherweise gerade in diesen Gruppen bestimmte Formalvoraussetzungen wie sozialer Zusammenhalt, klare Gruppenstruktur und ähnliches gegeben sind. Darauf ist Professor Rauschenbach ja bereits eingegangen. Und als letztes wäre zu sagen: Um der Inflation des Begriffes vorzubeugen, nicht alles oder nicht jedes positive soziale Verhalten sehen wir gleich als ehrenamtliches Engagement oder als einen Aufgabenbereich für uns an. Es gibt ganz normales, freundliches humanitäres Alltagsverhalten, ohne dass es gleich als Ehrenamt stilisiert werden muss. In den Ausführungen von Prof. Rauschenbach zum Schluss der Ausblick auf das Besserwerden. Für uns gilt: Alles wird ständig besser, aber wir bleiben gut!
Dr. Thomas Leif Kann man aus Ihren Ausführungen ablesen, dass Ihnen der Begriff eigentlich ganz egal ist, weil Sie dazu so wenig gesagt haben?
Ingrid Kautz Der Begriff ist uns nicht egal, aber es hilft im Alltag nicht denjenigen, die zu uns kommen, wenn sie einsortiert werden als bürgerschaftlich Engagierter oder als Freiwilliger. Den Unterschied kommt im Alltag nicht in dieser Weise vor. Es kommt eher jemand, der sich dafür interessiert, ob die Zeit oder Aufgabe für ihn passen.
Dr. Thomas Leif Ich vermute aber, die Freiwilligen-Agenturen heißen nicht umsonst Freiwilligen-Agenturen und nicht Ehrenamts-Agenturen.
Ingrid Kautz Ja, weil man freiwillig zu uns kommt und nicht mit der Last und Bürde eines Amtes.
Dr. Thomas Leif Weil mit dem Begriff Freiwilligkeit etwas Positives verbunden ist. Ich erinnere mich an so eine Tagung der Stiftung Mitarbeit. Hier wurde sehr viel Wert drauf gelegt, den Begriff freiwillig" hervorzuheben und eben nicht das Ehrenamt. Wie wird das denn bei Ihnen diskutiert?
Ingrid Kautz Vielleicht bin ich nicht so ausführlich darauf eingegangen, weil wir Grabenkämpfe nicht anstreben oder führen, weil ich auch glaube, das erleichtert nicht die wirkliche Arbeit. Und auch bei einem Ehrenamt wünsche ich mir, dass da Freiwilligkeit als Element mit enthalten ist. Das haben wir immer als Prämisse, die Freiwilligkeit und keinen Handlungsdruck durch eine Verpflichtung von außen. Ich will noch mal an die vier Punkte erinnern, an die kurze Formel als Mindeststandard: dass es wirklich freiwillig, unentgeltlich, für andere und in einem organisierten Rahmen stattfindet Das wollen wir ermöglichen.
Dr. Thomas Leif Es kommt also auf die Sache an und weniger auf den Begriff. Mal hören, ob das bei dem Vertreter des Landesjugendrings Hessen genauso ausschaut. Die Jugendverbände, und die Dachverbände in der Jugendarbeit stehen ja ganz besonders unter dem Vorwurf der Altertümlichkeit", was vielleicht auch mit dem Begriff Ehrenamt verbunden ist. Wer hat schon Ehre? Was ist ein Amt? Wie stehen Sie selbst zu dem Begriff Ehrenamtlichkeit?
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Dr. Martin Nörber, Hessischer Jugendring Also auf die Jugendverbände bezogen, haben wir ein soziales Arbeitsfeld, das zu nahezu 100 % ehrenamtlich funktioniert. Bei uns lebt der Begriff Ehrenamt noch relativ stark. Es gibt einzelne Gruppierungen, die auch über Freiwilligkeit nachdenken. Aber insgesamt wird über Ehrenamt diskutiert. Wir haben vielleicht im Gegensatz zu anderen Institutionen eine hohe Fluktuation aufgrund des geringen Alters der bei uns engagierten Menschen. Und deswegen sind wir relativ stark auf dem Prüfstand, eigentlich dauernd auf dem Prüfstand, weil das Engagement relativ zeitlich begrenzt ist. Zu den Begriffen stehen wir im Prinzip so, dass wir es ablehnen, dass die Diskussion unter einem bewertenden Gesichtspunkt geführt wird. Wir nehmen wahr, dass sehr viele Verbände, Institutionen, Parteien oder auch Gruppierungen das ehrenamtliche Engagement plötzlich neu entdecken, vor ihren Karren spannen, neu benennen und für sich einnehmen. Das kann nicht Sinn der Sache sein, unserer Meinung nach. Es muss darum gehen, wie wir gemeinsam dieses Engagement fördern, das aus meiner Sicht gut definierbar ist, auch ohne einen Begriff zu nennen: Es ist unentgeltlich, in der Freizeit erbracht. Es geht um andere oder anderes. Und es ist nicht auf Gegenleistung aus. Zur Frage der Begrifflichkeit ist festzustellen, dass wir sicherlich auch alle mit daran beteiligt sind, dass dieses babylonische Sprachengewirr entstanden ist. Es gab eine Anhörung im Deutschen Bundestag zur Frage des freiwilligen sozialen Engagements und Ehrenamts. Und schade, dass die Robert-Bosch-Stiftung nicht da ist, weil diese rekordverdächtig in der Begrifflichkeitenwahl war. In der kurzen Stellungnahme wurden folgende Begriffe genannt, nur als Beispiel, wie wir das Chaos selbst erzeugen: Ehrenamt, Freiwilligenarbeit, freiwilliges Engagement, Ehrenamt, freiwillige Tätigkeit, ehrenamtliches Bürgerschaftsengagement, freiwilliges ehrenamtliches Engagement. Also, ich habe das Gefühl, man nimmt im Prinzip jede Mixed-Pickles-Begriffs-Wortschöpfung, damit man auf jeden Fall alle hat, niemanden vergisst, niemandem auf die Füße tritt und in der Diskussion sich gut verorten kann, wo man gerade stehen muss, wer gerade angefragt ist. Das kann es irgendwie nicht sein.
Dr. Thomas Leif Was gefällt Ihnen denn am besten? Wir müssen hier ein bisschen aufpassen, dass wir nicht ständig nur Fragen stellen. Ich will gerne auch mal ein paar Antworten hören. Also, wie sieht Ihre Haltung aus?
Dr. Martin Nörber Ich habe es schon gesagt. In Jugendverbänden lebt zum größten Teil der Begriff Ehrenamt. Auch in den Jugendverbänden wird in manchen kleinen Gruppierungen über Begrifflichkeiten diskutiert. Im Großen und Ganzen stehen wir zu dem Begriff Ehrenamt. Aber, wie gesagt, diese bewertende Diskussion ist etwas schwierig. Ein Beispiel: In Hessen gab es auch eine Diskussion, initiiert durch das Hessische Jugendministerium, das bekanntlich in grüner Hand war. Auch da ging es relativ schnell darum, dass festgestellt worden ist, wer eigentlich Zukunft und wer keine Zukunft mehr hat. Und die Zukunft war relativ klar verortet. "Die Rückläufigkeit der traditionellen Ehrenamtlichkeit wird von niemandem ernsthaft in Frage gestellt". Wenn man sich aber parallel dazu die Jugendhilfestatistik ansieht, kann festgestellt werden, dass z.B. in der Jugendarbeit die öffentliche Förderung der ehrenamtlich geleisteten Arbeit in den vergangenen Jahren deutlich rückläufig war. Erkennbar wird, dass hier ein Nebenkriegsschauplatz" eröffnet wird, bei dem es scheinbar um Begrifflichkeiten geht, in Wahrheit aber eine vorhandene Substanz quasi weggebrochen werden soll.
Einwurf Leif Das heißt doch eigentlich, die Begriffsdiskussion ist eine Alibidiskussion?
Dr. Martin Nörber Zum Teil ja. Ein verdeckter Kampf. Und zum Teil gibt es Gruppen, die diese Begriffe reinbringen, um alte" Gruppen zur Seite zu drängen. Es ist wie in der Arielwerbung: Wir haben das neue Waschmittel, also das bisher alte bringt überhaupt nichts, sie müssen unbedingt mit dem neuen waschen.
Einwurf Leif Ja, indirekter Kampf. Aber Sie sind ja auch ein Lobbyverband für die Jugendverbände, mit Fulltimern, die die Lobbyarbeit betreiben.
Dr. Martin Nörber Ja, ist doch klar.
Einwurf Leif Warum?
Dr. Martin Nörber Man muss doch ganz ehrlich sagen: dann sitze ich hier oben, eine gewisse Eitelkeit" kann man sicherlich anheim stellen. Man kann sich mit dieser neuen Begrifflichkeit, wie Sie auch selbst gesagt haben, gut profilieren.
Dr. Thomas Leif Das wird Ihnen heute nicht gelingen. Heute wollen wir einen Schritt weiter kommen. (Gelächter) Heute haben wir ein so kompetentes Podium hier oben. Mike Corsa, der vielleicht auch mit verantwortlich ist für diese Diskussion, muss dann auch mal beantworten, warum der Stiftung nichts anderes einfällt als über Begriffe zu diskutieren? Aber Sie sind noch nicht fertig. Über den Jugendverbänden liegt ja auch so ein bisschen Mehltau, wie über den großen Wohlfahrtsverbänden. Wäre Ihnen denn geholfen, wenn man so einen modernen Begriff benutzt, z.B. sozial engagierte Bürger oder so was?
Dr. Martin Nörber Ich muss gleich mal zurückfragen, woher Sie das wissen, dass über uns Mehltau liegt. Ich halte das für eine Aussage, die nicht die Wirklichkeit trifft. Sie haben diese Position schon öfter vertreten, Herr Leif. Ich halte diese Feststellung für nicht belegbar. Wenn man die Jugendhilfestatistiken nimmt, trifft es so nicht zu, was Sie sagen. Also unser Ehrenamt ist im Wandel wie alles anderen auch. Es gibt eine Veränderung. Es gibt aber kein Wegbrechen der Jugendverbände nach dem Motto, es gibt in fünf Jahren keine Jugendverbände mehr. Es gibt Verbände in diesem traditionellen Feld, die Probleme haben. Es gibt Verbände, die - bezogen auf Mitglieder - wachsen. Also, uns geht es darum, als Abschlusssatz festzuhalten, der Begriff Ehrenamt ist bei uns stehend. Wir wollen damit aber nicht sagen, dass alles Ehrenamt heißen muss. Die Begriffe sind nicht das wichtigste. Aber um was muss es uns wirklich gehen? Wichtig ist uns die Frage der Qualifikation von ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Die ist zu verbessern. Wir wollen hier keine unqualifizierte Randtätigkeit von irgendwelchen Menschen nach dem Motto ich habe Mitleid, ich mach mal was. Wir wollen eine Qualifikation. Wir wollen diese Qualifikation auch "zertifiziert", also anerkannt für andere Bereiche. Hier ein Beispiel: Wenn sich jemand 10 Jahre lang in der Jugendarbeit engagiert hat, wieso soll diese Person noch ein Anerkennungsjahr machen, wenn er/ sie Erzieher/ Erzieherin werden will. Ich weiß gar nicht, was er/ sie in einem Anerkennungsjahr noch lernen kann, wenn er/ sie sich bereits 10 Jahre engagiert hat.
Einwurf Leif Da ließe sich drüber reden.
Dr. Martin Nörber Das Zweite ist, wir wollen eine stärkere Beteiligung von Ehrenamtlichen in allen möglichen Bereichen: im Jugendverbandsbereich, aber auch im normalen gesellschaftlichen Bereich. Ich bin seit neuestem z.B. in den Elternausschuss einer Kindertagesstätte gewählt, ehrenamtlich. Ich habe keine Mitsprachemöglichkeiten. Ich darf beraten, anhören, mir da irgendwas vorerzählen lassen. Aber es ist uninteressant, was ich zu sagen habe, obwohl wir uns treffen, engagieren, Feste machen, Geld eintreiben etc. Es gibt keine Kindergartenkonferenz mit Beteiligungsrechten der Eltern etc. Und das nächste ist, wir müssen unbedingt die Anerkennung weiter vorantreiben. Die Anerkennung ist mehr als schlecht in unserem Land. Es ist sicher interessant, dass es in manchen Ländern, wie auch in Hessen, eine Ehrenamtsurkunde" gibt. Diese wird aber wahrgenommen, entschuldigen Sie, wenn ich das so sage, von überwiegend älteren Bürgerinnen und Bürgern, die diese Form der Anerkennung vielleicht ganz gut finden. Aber wir müssen insgesamt mehr Formen, vielfältige Formen der Anerkennung schaffen im gesellschaftlichen Bereich.
Einwurf Leif Jetzt haben Sie ja drei Schwerpunkte genannt, was eigentlich wichtig ist. Hat das irgendwas mit dem Begriff zu tun? Brauchen Sie dafür einen anderen Begriff?
Dr. Martin Nörber Eigentlich nicht.
Dr. Thomas Leif Okay. Frau Notz von der Friedrich-Ebert-Stiftung. Wie schaut Ihre Position aus, was die Begrifflichkeit ehrenamtlicher Arbeit angeht, aus der Sicht einer Stiftung?
Dr. Gisela Notz Friedrich-Ebert-Stiftung Ich möchte weniger aus der Sicht einer Stiftung, als aus der Sicht meiner Forschung, die ich seit 1983 immer wieder neu aufnehme, weil das Thema Ehrenamt immer wieder neu relevant wird, sprechen. Ich würde im Gegensatz zu Herrn Rauschenbach lieber über die Inhalte der Arbeit und die geschlechtsspezifischen Zuweisungen sprechen als über den Begriff. Aber da ich folgsam bin, habe ich mich auch auf die Diskussion um Begriffe eingelassen. Der Begriff ehrenamtliche Arbeit und ehrenamtliche Tätigkeit wurde und wird immer wieder in Frage gestellt, weil es sich letztlich mehrheitlich um eine Arbeit jenseits von Amt und Ehre handelt. Dies ist vor allem dort der Fall, wo sie im Sozial- und Gesundheitsbereich mit helfenden Funktionen verbunden ist. Ich denke, dass auch der Begriff freiwillige Arbeit nicht zutreffend ist, weil er verschleiert, dass, zumindest wenn es um ehrenamtlich arbeitende Frauen geht, Alternativen, zu dieser freiwilligen" unbezahlten Arbeit oft gar nicht zur Verfügung stehen. Der wohl noch treffendste Begriff ist unbezahlte soziale Arbeit, unbezahlte Arbeit im Gesundheitsbereich oder im Sozialbereich oder wo sie eben stattfindet. Er greift aber deshalb zu kurz, weil auch in den Familien solche Arbeiten geleistet werden, die aber, da sie zu den natürlichen" Pflichten der dort überwiegend arbeitenden Frauen gehören, nicht einmal als Ehrenamt in Erscheinung treten. Ich selbst werde den Begriff ehrenamtliche Arbeit so lange beibehalten, bis ein besserer gefunden worden ist. Das ist meiner Ansicht nach bis jetzt nicht der Fall. Das werde ich auch gleich noch ausführen. Ich bin auch der Meinung, dass eine bloß begriffliche Reform dieser Arbeit nicht ausreicht. Sie müsste einhergehen mit ihrer gründlichen Veränderung in Form, Zweck, Inhalt, Organisation und Arbeitsverteilung, die dann sicherlich auch Veränderungen im Bereich der professionellen Arbeit, in welchem Gebiet auch immer sie erbracht wird, vor allem aber im Sozial- und Gesundheitsbereich zur Folge hat. Für das unbezahlte Engagement in sozialen Einrichtungen benutze ich bewusst den Begriff Arbeit, weil es sich um gesellschaftlich notwendige, nützliche, meist unabdingbare Arbeit handelt, die wie jede andere Arbeit auch messbar, bezahlbar, abgrenzbar, teilbar und verteilbar ist. Ich unterscheide allerdings zwischen dem politischen und dem sozialen Ehrenamt, weil ich denke, dass in den politischen Ehrenämtern, die ja von Herrn Rauschenbach schon angeführt worden sind, in den Vorständen der Wohlfahrtsverbänden, in Aufsichtsräten, Rundfunk- und Fernsehräten usw., eine ganz andere Arbeitsstruktur herrscht, als in der unbezahlten fürsorgerischen Arbeit in helfenden Funktionen für Menschen, die sich nicht oder vorübergehend nicht selbst helfen können. Ohne diese Form der ehrenamtlichen Arbeit, und auf die habe ich meine Forschungen hauptsächlich gerichtet, würde das gesamte System im Sozial- und Gesundheitsbereich zusammenbrechen. Damit blieben viele der hilfsbedürftigen Menschen unversorgt. Diese Arbeitsform wird überwiegend durch Frauen geleistet. Wir müssen auch unterscheiden, auch darauf wurde schon hingewiesen, dass im Selbsthilfebereich wieder andere Arbeiten stattfinden. Dort geht es eher darum, gemeinsame Probleme mit gemeinsamer Kraft zu lösen nach dem Motto: Hilf dir selbst, dann hilft dir Göttin! Leider ist der ursprüngliche Anspruch des Selbsthilfebereiches, ein Stachel im Fleisch der etablierten Wohlfahrtsverbände und Sozialsysteme etwas ins Hintertreffen geraten. Ein weiterer Begriff, den ich benutze, ist bürgerschaftliches Engagement. Darunter verstehe ich vor allem Aktivitäten und das Engagement in unterschiedlichen selbstorganisierten Initiativen. Sie können im sozialen Bereich sein, aber auch im Umweltbereich, im Bereich des Internationalismus, der Soziokultur usw. Bürgerschaftliches Engagement fand bekanntlich seinen Höhepunkt in der westdeutschen Bürgerinitiativbewegung Ende der 60er Jahre, die sich in kommunale, staatliche und kommerzielle Planungsprozesse einmischte. Die kommunitaristische Debatte in den 80er Jahren hat Elemente dieser Diskussion wieder aufgenommen. Dass heute auch bürgerschaftliches Engagement ein situativ vieldeutiger Begriff ist, darauf wurde schon hingewiesen. Es gibt Bürgerinitiativen gegen Umweltzerstörung, gegen Autobahnbau, aber auch solche, die in ihrem Stadtteil dafür initiativ werden, dass dort kein Behindertenheim oder Asylantenwohnungen gebaut werden, und die damit diskriminierend und ausgrenzend wirken, was mit Sicherheit die Bürgerinitiativbewegung nicht wollte. In der jüngsten Zeit gibt es ganz vielfältige, scheinbar ganz neue Begriffe. All diese Begriffe, die ich nicht wieder aufzählen will, werden als soziale Erfindungen immer wieder neu gehandelt, als soziale Innovationen sind sie scheinbar befreit von Muff und Staub, die dem alten karitativen Ehrenamt, ausgeführt hauptsächlich von den ehrenwerten Damen", anhaften. Oft handelt es sich aber um nichts anderes als um neuen Wein in alten Schläuchen oder heißt es alten Wein in neuen Schläuchen?
Einwurf Leif Darf ich da auch noch mal einhaken und nachfragen, was Sie für Konsequenzen daraus ziehen? Ist es richtig verstanden, dass es eigentlich für jeden unterschiedlichen Arbeitsbereich einen anderen Begriff geben sollte?
Dr. Gisela Notz Ich habe versucht darzustellen, dass ich von diesem laufend neue Begriffe finden" nichts halte, dass ich es auch problematisch finde, wenn verschiedene Gruppen, die sich unter verschiedenen Bezeichnungen zusammenfinden gegeneinander ausgespielt werden. Weit verbreitet ist das Vorurteil, das traditionelle Ehrenamt wäre nur dort zu finden, wo ältere oder mittelalte Menschen, meist Frauen arbeiten, während die anderen sich dann im bürgerschaftlichen Engagement oder in Selbsthilfegruppen zusammenfinden. Ich habe im Laufe meiner Forschungsarbeiten Jugendgruppen kennen gelernt, die in ewig gestrigen Traditionen verharrten. Und ich habe aber auch Gruppen von aufmüpfigen Alten kennen gelernt, die sich gegen den Begriff Ehrenamt überhaupt nicht gewehrt haben, aber innovative Ideen und politisch sinnvolle Arbeit geleistet haben.
Einwurf Leif Was heißt das heruntergebrochen auf unsere politische Praxis, wenn man sagt, man will eine Gesellschaft, die auch ehrenamtlich unterfüttert ist, wo viel passiert, wo Leute sich engagieren. Was würden Sie empfehlen Als Ergebnis der Begriffsdiskussion? Ist es wichtig, einen Dachbegriff zu finden, oder sollte man sich wesentlichen Dingen widmen?
Dr. Gisela Notz Ich habe im Laufe meiner Forschungsarbeiten, in deren Rahmen ich mit drei Gruppen ehrenamtlich Arbeitender zusammengearbeitet habe, immer wieder nach passenderen Begriffen gesucht. Und wir sind dann bei dem alten Begriff geblieben, weil wir der Meinung waren, dass eine rein begriffliche Erneuerung nichts ändert. Verändert werden müsste vor allem und das ist ja im Sozialbereich und Gesundheitsbereich immer noch der Fall die einseitige Zuweisung an Frauen. Wenn das Konzept Bürgerarbeit" sich ausschließlich an Bürger" wendet, verschleiert es, dass die meisten Männer nach wie vor Pfadfinder, Feuerwehrleute, Übungsleiter im Sport oder Gemeinderäte werden. Wie selbstverständlich besetzen sie auch (weiterhin) die Führungspositionen der Wohlfahrtsverbände und kirchlichen Gremien. In den mit Sorge und Pflege verbundenen Bereichen sind sie kaum zu finden. Auch Bürgerarbeit wird ausdrücklich für Mütter nach der Familienphase, Teilzeiterwerbstätige oder vorübergehend aus der Erwerbsarbeit Ausgeschiedene -allesamt fast ausschließlich Frauen- als Zielgruppen vorgesehen, und ihnen wird sie als Ersatzarbeit angeboten. Daran müsste sich etwas ändern. Man kann nicht immer neue Begriffe finden, wo es doch längst notwendig ist, die Arbeit anders zu verteilen, und zwar sowohl die bezahlt geleistete Erwerbsarbeit als auch die unbezahlt geleistete Bürgerarbeit oder unter welchem Namen sie auch geleistet wird. Anders verteilt werden müssen auch die Haus- und Sorgearbeiten und die Verantwortung für die Mit- und Umwelt. Darüber, wie das zu erreichen ist, würde ich gern diskutieren.
Einwurf Leif Das heißt, Sie sehen die Agenda so ähnlich wie der Vertreter des Landesjugendringes. Sehen Sie die Notwendigkeit, dass der frauenspezifische Aspekt sehr stark diskutiert werden müsste?
Dr. Gisela Notz Ich finde es ganz gut, dass die neuen Begriffe - wie z.B. ja auch Bürger für Bürger" versuchen, das Thema Ehrenamt geschlechtsneutral anzusprechen, weil es dringend notwendig ist, dass sich etwas daran ändert, dass sich fast die Hälfte der Bevölkerung diesen unmittelbaren sozialen Arbeiten, von denen ich vor allem spreche, entziehen. Auch in der Broschüre, die für den Fotowettbewerb aufgelegt worden ist, sind die Feuerwehrleute und die Weihnachtsmänner und Nikoläuse Männer, und diejenigen, die Alte spazieren fahren, sind nicht Bürger sondern Bürgerinnen. Ich bin überhaupt keine militante Verfechterin der feministischen Sprachweise, weil sie oft auch verstellt. Aber Bürger für Bürger ist vielleicht doch ein bisschen zu kurz gegriffen. Und genauso das Konzept Bürgerarbeit, denn es richtet sich nicht ausschließlich an Männer. 80% der ehrenamtlichen Arbeiten im Sozial- und Gesundheitsbereich sind Frauenarbeiten. Das hat erhebliche Konsequenzen für die Arbeits- und Lebensplanung der Frauen.
Einwurf Leif Aber solche Namen entstehen nicht zufällig. Da wird man sich schon Gedanken gemacht haben, warum der Name so lautet und nicht anders.
Dr. Gisela Notz Ja, das nehme ich auch an, aber da bin ich nicht gefragt worden.
Dr. Thomas Leif Herr Rauschenbach, Sie haben ja gemerkt, dass die am Thema Interessierten ganz andere Probleme haben als nur den Begriff. Sie hatten ja in Ihrer These auch gesagt, dass eigentlich alles spezifisch benannt werden muss. Welche Erkenntnis ziehen Sie aus der ersten Runde?
Prof. Dr. Thomas Rauschenbach Also, möglicherweise habe ich mich ungeschickt ausgedrückt. Ich habe gesagt, ich finde es gut, dass wir über die Begriffe reden, nicht weil ich über die Begriffe reden will und denke, es gäbe diesbezüglich eine Lösung, sondern weil hinter den Begriffen Probleme stecken, die endlich öffentlich zur Sprache kommen müssen, damit sozusagen die Begriffe nicht eine Politik für sich machen. Deswegen finde ich es richtig, über diese Begriffsfrage zu reden, aber gleichzeitig zu sagen, es geht gar nicht um die Begriffe, sondern es geht um Milieus. Es geht um die Frage: Gelingt es uns überhaupt, einen Begriff zu finden, der in Maßen diese Vielfalt zum Ausdruck bringen kann, die wir erleben? Und mir geht es persönlich bei dieser Frage wie Frau Notz, wenn ich sage: Solange kein neuer Begriff am Horizont absehbar ist, der tatsächlich das sinnvoller zusammenfasst, worum es geht, und deshalb nicht die Probleme, die wir mit den alten Begriffen haben, wirklich löst, bleibe ich ganz pragmatisch beim alten Begriff. Ich habe mich an der Begriffsdiskussion bisher überhaupt nicht beteiligt, weil ich gar nicht sehe, wo sich tatsächlich neue Konturen abzeichnen. Bei den, ich sage mal, zwei Grundbegriffen, die mir sachlogisch im Moment noch am ehesten einleuchten würden, ist der eine ungeschickt zu formulieren, der andere fast schon wieder besetzt. Dennoch sehe ich den Kern dessen, um was es wirklich geht, einmal in dem Begriff gemeinwohlorientierte Arbeit bzw. gemeinwohlorientiertes Engagement. Da käme für mich noch am ehesten die Gesamtsubstanz dessen, was wir hier diskutieren, raus. Als wissenschaftlich-analytischen Begriff kann ich diesen Begriff gebrauchen. Alltagssprachlich ist er nicht sonderlich elegant. Der andere Begriff, der mir eigentlich das, um das es uns hier geht, vielleicht auf den Punkt bringen könnte mal abgesehen jetzt von dem Einwand, den Frau Notz sozusagen begriffssemantisch völlig zurecht macht wäre der Begriff der Bürger- oder Bürgerinnenarbeit. Aber ich muss sagen, der ist mir durch die Debatte mit Ulrich Beck bereits so besetzt, dass ich da schon wieder Schwierigkeiten habe, den Begriff einfach so zu verwenden. Aber er signalisiert etwas: Arbeit. Da würde ich nämlich ebenfalls Frau Notz zustimmen, dass der Begriff Arbeit selber mehr signalisiert als nur Engagement. Ansonsten, Herr Leif, würde ich Ihnen Recht geben. Ich glaube, es kommt darauf an - und diese Arbeit ist aber noch nicht so gemacht -, dass wir in Zukunft die unterschiedlichen gesellschaftlichen Felder und die unterschiedlichen Aufgaben tatsächlich versuchen mit Begriffen zu differenzieren. Also, mein Plädoyer geht dahin, nach innen zu differenzieren und nach außen mit einem Gesamtbegriff derzeit pragmatisch zu operieren und nicht zu glauben, wenn man den Begriff ehrenamtlich durch freiwillig ersetzte, dann wäre irgend etwas anders. Was Frau Kautz, finde ich, inhaltlich völlig richtig beschrieben hat, ist genau die Definition, die wir schon vor über 10 Jahren zum sozialen Ehrenamt gegeben haben. Das heißt, es gibt in der Sache nichts Neues, nichts Anderes, aber es gibt einen neuen Begriff. Wenn er tatsächlich gesellschaftliche Bewegungen erzeugt, dann hat er seine Funktion erfüllt. Sachlogisch, finde ich, trifft er es nicht besser als die alten. Und das ist unser Dilemma.
Dr. Thomas Leif Gut. Es gibt schon Wortmeldungen. Aber zuvor wollte ich noch einmal Mike Corsa zu Wort kommen lassen. Er ist ja von der früheren Ministerin in den Vorstand der Stiftung Bürger für Bürger berufen worden, die heute als Veranstalter auftritt. Was ist eigentlich der Sinn, jetzt diese Sprachdiskussion so intensiv zu führen von Seiten der Veranstalter? Vielleicht können Sie etwas dazu sagen, welche produktiven Anstöße Sie damit verbinden.
Mike Corsa Zum einen formuliert Thomas Rauschenbach, dass es eine unübersichtliche Vielzahl an Tagungen zum Ehrenamt, zum gemeinschaftsorientierten Engagement und Ähnlichem gibt, von Publikationen ganz zu schweigen. Sie können auf dem grauen Publikationsmarkt monatlich irgendein neues Heftchen dazu erhalten. Und auf der anderen Seite bemerken wir in der politischen Diskussion ein gewisses Hegemonialdenken hinsichtlich der Überlegenheit des eigenen Konzeptes. Begriffe, hinter denen scheinbar unterschiedliche Konzeptionen stehen, werden unsinnigerweise gegeneinander in Stellung gebracht. Und genau diese Diskrepanz will ich endlich einmal öffentlich und offensiv darlegen. Ein Beispiel: In Baden-Württemberg beschäftigt sich das Kultusministerium offensiv mit einem 45-Punkte-Programm, um die Situation ehrenamtlich Engagierter zu verbessern mit positiven Ergebnissen. Im gleichen Bundesland betreibt das Sozialministerium das sogenannte bürgerschaftliche Engagement in Konkurrenz zum ehrenamtlichen Engagement. Dort wird regelrecht eine Parallelstruktur entwickelt Bürgerbüros, Seniorengenossenschaften in Konkurrenz zum Ehrenamt. Es gibt eine ganz geringe Bereitschaft zu kooperieren. Im Vordergrund steht vor allem der politische Einfluss und natürlich der Zugang zu entsprechenden Fördermitteln.
Einwurf Leif Aber Konkurrenz belebt das Geschäft.
Mike Corsa Ja, Konkurrenz belebt das Geschäft, das finde ich auch. Konkurrenz sollte aber zum Ziel haben, dass die Möglichkeiten erweitert werden. Im Falle Baden-Württembergs geht es aber nicht um Erweiterung, sondern eher um eine gegenseitige Diskreditierung. Zweites Beispiel: das Thema Bürgerarbeit. Wir bekommen plötzlich im Zuge der Arbeitsmarktdiskussion eine fragwürdige Aufwertung des Themenfeldes gemeinnütziges Engagement. Man will Leuten, die keine Arbeit haben, arbeitslose Menschen - man lese die Ergebnisse der Sächsisch-Bayerische Zukunftskommission und Herrn Ulrich Beck - eine sinnvolle Arbeit ohne Bezahlung vermitteln. Statt eines umfassenden Konzeptes von Arbeit wird mit der Bürgerarbeit ein Modell vorgelegt, dass Arbeitslose ausreichend und produktiv versorgen" soll. Kein Gedanke an Aufteilung von Erwerbsarbeit, keine Bezugnahme auf eine notwendige Integration von Erwerbsarbeit, Familienleistungen und gemeinnützigen Engagement. Ja noch schlimmer: Das Konzept der Bürgerarbeit" berücksichtigt in keiner Weise das vorhandene vielfältige freiwillige Engagement. Noch ein Beispiel: Ich komme aus der Jugendarbeit. Wir haben dort mit jungen Menschen diskutiert, wie sie zum Begriff Ehrenamt" stehen. Sie sagen: "Das ist nicht nur freiwilliges Engagement. Denn freiwillig sind alle in der Jugendarbeit. Ehrenamt ist für uns ein Stückchen mehr, das Verbindlichere". Ich halte es da mit Warnfried Dettling, der in einer Ideenskizze für die Robert-Bosch-Stiftung sinngemäß ausführt: Lasst den Begriff Ehrenamt einfach mal stehen, wir haben keinen besseren. Er definiert ihn neu. Er sagt, unter Ehre könnte man heute eher Anerkennung verstehen, unter Amt: eher Verbindlichkeit, mehr Verantwortungsübernahme, auch mehr Pflichten. Hinter dem Gerangel um Begriffe verbirgt sich meines Erachtens eine heftige Konkurrenz um die Lufthoheit des ehrenamtlichen, freiwilligen und bürgerschaftlichen Engagements.
Einwurf Leif Ein letzter Satz zu dem Titel Bürger für Bürger. Ist das eine Eigenschöpfung von Frau Nolte gewesen, diese männliche Form?
Mike Corsa Sie wissen, dass Frau Nolte auch Frauenministerin war. Trotzdem kam es zu diesem umstrittenen Titel. Die Begründung ist eine ganz pragmatische. Sie glauben gar nicht, wie viele Begriffsvarianten schon belegt" sind. Die Namensvorschläge haben sich letztendlich reduziert auf diesen, weil andere Begriffe vergeben, geschützt waren.
Dr. Thomas Leif: Danke für die Information. Gleich kommen Sie in der Runde wieder zu Wort. Aber der Druck aus dem Plenum ist groß, auch einmal zu Wort zu kommen.
Christel Riedel, Bundesvorstand Deutscher Juristinnenbund Ich bin ehrenamtlich engagiert im Bundesvorstand des Deutschen Juristinnenbundes. Ich finde auch die Begriffsdiskussion schwierig, aber im Unterschied zu Ihnen, Herr Leif, wirklich nötig. Ich denke, man könnte sie eingrenzen. Man könnte vielleicht differenzieren nach zwei Arbeitsfeldern des Engagements: Einmal dem Arbeitsfeld, wo Beschäftigung ein überwiegendes oder ein hohes Maß auch an Eigennutz hat, ein freiwilliges unentgeltliches Engagement, das aber demjenigen oder derjenigen, die es betreibt, auch wirklich was bringt. Das wäre für mich das klassische Ehrenamt. Der Begriff ist ein bisschen verstaubt, aber in der Sache entspricht es dem amerikanischen Volunteering: Möglichkeiten der Qualifizierung und Profilierung gehören dazu. Ich habe in ehrenamtlicher Beschäftigung sozusagen Probebühnen, auf denen ich Sachen üben kann, erfahren kann, die ich sonst in meinem Berufsalltag vielleicht nicht habe, so dass ich mich damit auch weiterentwickeln kann, möglicherweise auch beruflich weiterentwickeln kann. Das ist der Eigennutzanteil, aus dem heraus auch ich mich ehrenamtlich in meinem Verband engagiert habe. Und ich denke, es wäre ganz hilfreich, wenn man in der Diskussion dieses anspricht und auch dazu steht. Das ist zwar nicht üblich, egoistische Motive anzuführen, wenn man sich für die Gemeinschaft engagiert. Aber beides schließt sich ja nicht aus, es ergänzt sich zum gemeinsamen Besten. Das andere Arbeitsfeld ist der Bereich, den Frau Notz angesprochen hat, der immer unter der Flagge soziales Ehrenamt gelaufen ist, wobei ich immer schon der Meinung war, dass da der Ehrenamtsbegriff einfach falsch verwendet wurde. Das ist soziale Arbeit. Dafür würde ich einen Begriff wie Bürgerarbeit, Bürgerengagement, Freiwilligenarbeit, wie auch immer, vorziehen. Und wenn wir uns überlegen, wie wir die Begriffe richtig setzen, dann ist damit schon eine gewisse Klarheit in die Diskussion gebracht. Es gibt natürlich darüber hinaus Berührungspunkte auch zur harten Welt der Erwerbsarbeit, insbesondere in dem Moment, wo Arbeitslose nicht mehr als vermittelbar gelten, wenn sie sich mehr als 15 Stunden in der Woche ehrenamtlich engagieren. Das ist nun genau das, was wir alle nicht brauchen, was aber die Praxis der Arbeitsverwaltung uns leider beschert. Die Leute können sich, wenn sie der Arbeitsvermittlung zur Verfügung stehen müssen, gar nicht zu ihrem ehrenamtlichen Engagement bekennen, und berauben sich damit möglicherweise auch einer Gelegenheit, ihre Qualifikation unter Beweis zu stellen in bestimmten Bereichen. Das ist schon alles ziemlich schwierig und wäre durch eine vernünftige Begriffsdefinition möglicherweise auch in den Griff zu kriegen.
Thomas Brauer, Jugendheim Habbelrath e.V. Ich bin beruflich in der Jugendarbeit tätig. Frau Notz, eine Frage an Sie: Würde es vielleicht weiterhelfen im Sinne Ihrer Ausführungen, wenn man von unbezahlter, von unterbezahlter, von bezahlter und entsprechend dann auch von überbezahlter sozialer Arbeit sprechen würde? Ich meine, dass das, wenn ich Sie richtig verstanden habe, dann auch eigentlich den Kern trifft. Wenn wir jemanden brauchen für eine unbezahlte Tätigkeit, dann sollten wir ganz deutlich sagen: Wir brauchen unbezahlte Arbeiterinnen und Arbeiter. Wer will das machen? Und dann sind die Verhältnisse klar. Und dann fragen die auch nach einiger Zeit: Ist das immer noch unbezahlt? Könnte es jetzt mal ein bisschen bezahlt werden oder ein bisschen mehr? Da entwickeln sich dann halt Arbeitskarrieren daraus. Insofern meine ich, ist für diese Bereiche der Begriff Ehrenamt völlig fehlleitend. Ich denke, das schließt auch an das an, was Sie gesagt haben. Ich meine auch, zu Arbeit gehört Geld. Und zu Amt gehört Ehre. Und deswegen trifft das zu, was die Vorrednerin gesagt hat. Noch zwei Ergänzungen: Man darf doch in allen unbezahlten oder bezahlten Bereichen "freiwillig" arbeiten. Niemand wird unfreiwillig arbeiten, ob bezahlt oder unbezahlt. Oder, mal in die Runde gefragt, hier sind Ehrenamtler und Hauptamtler, ist jemand unfreiwillig hier... Sind also alle freiwillig hier... Das hatte ich schon vermutet. Und dann noch eine geschichtliche Frage. Beim klassischen Ehrenamt, musste man da Ehre mitbringen oder hat man die da bekommen? Wenn letzteres, von wem und wann und unter welchen Bedingungen? Also, das sind auch so Dinge, die sind mir begrifflich nie klargeworden. Wenn Sie mir da auch mal ein paar Hinweise geben könnten.
Dr. Gisela Notz Zu der letzten Frage zuerst. Ich habe mal eine längere Abhandlung geschrieben über die Unterscheidung zwischen ehrenamtlicher Arbeit und dem EhrenAmt, also ehrenamtliche Arbeit mit ehre klein und Arbeit groß, und Ehrenamt mit Ehre groß und Amt groß geschrieben. Es ist klar, dass es EhrenÄmter gibt. Das sind die mit Amt und Ehre versehenen Posten in der Kirche oder Schöffen oder ehrenamtliche Richter, die meistens auch noch hohe Aufwandsentschädigungen bekommen, Rundfunkräte etc. gehören dazu. Die sind auch mit Ehre verbunden. Solche Ämter gibt es zweifelsohne. Und die ehrenamtliche Arbeit habe ich in meiner ersten Buchveröffentlichung 1987 zu diesem Thema Arbeit ohne Geld und Ehre" tituliert. Zu der Frage der Differenzierung zwischen unbezahlt, unterbezahlt oder überbezahlt: Differenzierungen finde ich immer gut. Wenn man so eine Differenzierung macht, muss sie ein Instrument zur Analyse der heutigen Situation sein. Es gibt bereits diese Differenzierungen. Problematisch erscheint es mir, wenn die Analyse des Bestehenden zu Zielvorstellungen stilisiert wird, wie es z.B. der Club of Rome mit dem Dreischichtenmodell" oder auch Ulrich Beck mit der Bürgerarbeit" macht. Ich habe dagegen ein paar Vorstellungen entwickelt, die auf Umverteilung aller gesellschaftlich notwendigen Arbeit und der Verantwortung gerichtet sind. Und ein dritter Punkt noch, den ich anführen möchte richtet sich auf die Gemeinwesenorientierung, die Herr Rauschenbach angesprochen hat. Ich möchte doch unbedingt darauf hinweisen, dass Gemeinwesenorientierung für das Gemeinwohl arbeiten oder auch das Label Aktionsbürger etc. Menschen ebenso verdienen, die für ihre Arbeit Geld nehmen. Auch Sozialarbeiter/Innen oder im Gesundheitsbereich Arbeitende haben meistens ihre Ausbildung gemacht, um anderen Menschen zu helfen und gemeinwesenorientiert für die Menschen und das Gemeinwesen Gutes zu tun. Auch Kindergärten, Altentagesstätten und andere Einrichtungen sind Orte des Gemeinsinns. Sie sind es auch dann, wenn dort bezahlte Arbeit geleistet wird.
Dr. Thomas Leif Das Feld wird ausgeweitet. Frau Kautz, wollen Sie auf die Replik reagieren?
Ingrid Kautz Arbeit, das haben wir in der Schule gelernt, ist das Produkt aus Kraft und Weg. Irgendwann hat man angefangen, diesen Prozess mit Geld zu bewerten. Und seitdem ist man nicht mehr frei, sich zu entscheiden, wie man die Arbeit verrichtet. Denn man muss eben auch für Geld arbeiten, um seinen Lebensunterhalt in diesem System zu bezahlen. Das heißt also, wir haben im Alltagsleben die Freiheit der Selbstbestimmung und Selbstentscheidung nicht mehr. Wenn aber Menschen zur Freiwilligen-Agentur kommen, die sich auch für dort angebotene Arbeit interessieren, dann tun sie das freiwillig, nehmen sich aber selber in die Pflicht. Es gibt im englischen einen guten Begriff dafür, den ich bisher noch nie richtig habe übersetzen können. Das ist das Commitment. Da habe ich noch nichts Vergleichbares gefunden, was inhaltlich den Begriff abdeckt. Aber ich glaube, Menschen haben die Freiheit, sich wirklich selbst zu entscheiden. Und dann - und in diesen Zusammenhang gestellt meinte ich das auch vorhin - interessiert diese Menschen nicht mehr, wo sie verortet werden. Das ist dann vielleicht nur noch ein bürokratischer Vorgang, den wir zur Unterscheidung von verschiedenen Fördermöglichkeiten brauchen, um den Topf zu benennen, aus dem das Geld für die Unterstützung der vielfältigen Engagementbereiche kommen soll. Aber diese freie Entscheidung, mit einer Selbstverpflichtung zum Engagement, das imponiert eigentlich. Die Motive, Rand- und Rahmenbedingungen für solche Entscheidungen sollten wir uns auch genauer angucken, wenn wir die Begriffe in bunter Reihung mischen.
Eleonore Meyer, ARBES Baden Württemberg Ich komme aus dem Land Baden-Württemberg von der Arbeitsgemeinschaft Bürgerschaftliches Engagement Seniorengenossenschaften und vertrete die Bürgerschaft. Herr Corsa, wir kennen uns ganz kurz. Und ich denke, eine weiterführende Diskussion in Baden-Württemberg ist an Ihnen leider vorübergegangen. So wie ich heute da bin, ist auch der Herr von Pollern da. Der Herr von Pollern kommt vom Kultusministerium. Ich muss sagen, dass diese Arbeitsgemeinschaft sehr eng mit dem Sozialministerium zusammenarbeitet. Und in dieser Funktion, ich bin die Vorsitzende dieser Arbeitsgemeinschaft, möchte ich einfach bestätigen, dass wir inzwischen eine sehr rege Miteinander-Arbeit aufgebaut haben. Und ich halte das natürlich für das allerbeste. Wir haben in Baden-Württemberg ein Landesnetzwerk, in welchem auch über diese Begrifflichkeiten diskutiert wird. Da sind die Wohlfahrtsverbände drin, die kommunalen Spitzenverbände, die Räte, also auch der Landesjugendring mit Vertretern. Auch Herr von Pollern ist mit eingeladen, so wie ich in seinem Verteiler integriert bin und an Sitzungen teilnehme. Sie können sich vorstellen, dass mich das, was Sie gesagt haben, sehr betroffen gemacht hat.
Einwurf Leif Es wird nur leider nicht transparent, wo der Konflikt liegt, für mich jedenfalls nicht.
Eleonore Meyer Es ist kein Konkurrenzdenken da in Baden-Württemberg. Also, Herr Corsa sprach ja von einer Riesenkonkurrenz, die da aufgebaut würde. Und die ist nicht da. Wir verwenden sowohl Ehrenamt als auch bürgerschaftliches Engagement durchaus nicht mit Werten verbunden, sondern als gleichwertige Begriffe.
Dr. Thomas Leif Können Sie uns denn sagen, was das Ergebnis Ihrer Begriffsdiskussion war?
Eleonore Meyer Das Ergebnis ist, dass wir die Vielfalt der Begriffe durchaus zu schätzen wissen. Bei uns in Baden-Württemberg gibt es neben bürgerschaftlichem Engagement auch Begriffe wie Volunteers, und es gibt Ehrenamtliche auf einer breiten Basis in einem Miteinander, was sicher für dieses gemeinwesenorientierte Arbeiten und die Bürger das wichtigste ist. So langsam wird das eben eine Philosophie in Baden-Württemberg, dass hier auch basisdemokratisch etwas passiert, dass der Bürger wieder auf seine Pflichten und seine Rechte aufmerksam wird und selbstbewusst agiert. Für mich also ist ein Gesamtbegriff überhaupt nicht notwendig. Wenn die Begriffe, die wir haben, seien das Freiwilligen-Agenturen oder was auch immer, wenn die stimmig sind mit dem, was getan wird und was die einzelnen Menschen wollen und für sich selber mitnehmen wollen in ihr eigenes Leben und ihre Kommune, dann ist für mich die Begrifflichkeit zweitrangig.
Teilnehmer aus dem Plenum Ich wollte eigentlich gern auf die Punkte zurück, die jetzt zuletzt besprochen wurden. Noch mal zu dem Thema oder zu dem Wort Ehrenamt und seiner Geschichte. Mike Corsa hat vorhin noch mal den Hinweis auf Warnfried Dettling gebracht und versuchte Umdeutung. Ich finde, wir wollten nichts unterschlagen, und das würde ich ein bisschen auch anders interpretieren als Frau Notz, obwohl ich ihr sonst in der Tendenz voll zustimme. Das Ehrenamt hat in seiner Geschichte durchaus etwas mit Ehre zu tun gehabt, und das sollten wir nicht unterschätzen, und das hat sich möglicherweise dramatisch verändert und hat vielleicht das müsste man wieder geschlechtsspezifisch diskutieren in der Tat für Frauen eine andere Bedeutung gehabt. Aber ein Ehrenamt hat in der Geschichte für ganz viele Frauen soziale Anerkennung im Gemeinwesen bedeutet. Ich gehe jede Wette mit Ihnen ein, viele Frauen könnten davon berichten, dass es etwas bedeutet, in einem Verein in einer bestimmten Weise ehrenamtlich engagiert zu sein. Ich will nicht über die Hierarchien zwischen den Frauen reden, die dadurch kommen, wer am Basar mitmacht, wer nicht mitmacht, wer die Weihnachtsfeier gestaltet, wer sie nicht gestaltet; wer darüber anerkannt wird, wer keine Anerkennung findet. Es sind eigenständige Hierarchien, nicht Männerhierarchien, da gebe ich Ihnen völlig recht. Aber auch darüber wurde soziale Anerkennung und Differenzierung geschaffen. Das heißt, das Ehrenamt war lange Zeit tatsächlich eine alternative Möglichkeit sozusagen, im Gemeinwesen, im lokalen Milieu sich ein Stück weit zu differenzieren. Das ist vielleicht verloren gegangen angesichts der dramatischen Ausweitung sozusagen der beruflichen Arbeit, der anderen Formen, so dass es eben heute nicht mehr soziale Anerkennung bedeutet, im Frauenhaus zu arbeiten. Aber in den Anfängen der Frauenhausbewegung war es ganz sicherlich so, dass es auch in dieser Richtung interpretiert werden muss. Deswegen wäre tatsächlich Ehrenamt im Sinne von Dettling zu interpretieren und zu sagen, Ehre ist auch ein Stück soziale Anerkennung, wenn man sich für etwas engagiert. Mir geht es nicht um die Vereinsnadel, sondern tatsächlich innere Anerkennung, die, glaube ich, ist ein Stück weit da. Ich gebe den Diskutanten, die jetzt immer wieder auf das Thema Bezahlung hingewiesen haben, andererseits 100 % recht. Das einzige unbestrittene Kriterium, immer wenn wir diskutieren und definieren, ist letztendlich das Merkmal der Unentgeltlichkeit. Ich habe bei keinem irgendein anderes gehört. Sobald wir über Qualifikation reden, meinen wir, wir müssen Ehrenamtliche qualifizieren. Oft ist es aber doch so, dass sie eigentlich vom Hauptberuf, ich sage jetzt mal, Kassierer sind oder bei der Bank arbeiten und dann im Verein Kassenwart sind. Also dieses Kriterium fällt weg und wir kriegen letztendlich nur das Merkmal Bezahlung/ Nichtbezahlung. Und insofern könnte man eine Rechtsform, die Herrn Leif gut bekannt ist, vielleicht auch zur Basis machen, nämlich die freie Mitarbeit, die im journalistischen Bereich sozusagen gang und gäbe ist. Weil letztendlich geht es um die Frage des Kontraktes. Ein bezahlter Mensch, der kriegt Geld und hat auch einen Vertrag. Er muss etwas für eine bestimmte Leistung tun. Ich kann ihm kündigen. Einem Ehrenamtlichen kann ich eigentlich nicht kündigen. Ich habe sozusagen auch kein Rechtsverhältnis zu ihm. Und freie Mitarbeit ist etwas anderes als freiwillige Mitarbeit. Der Begriff drückt ein Verhältnis zu einer Institution aus. Und möglicherweise entsteht darüber sozusagen eine juristische Figur, die tatsächlich auch ein Stück weit eine Unabhängigkeit von einer Organisation zum Ausdruck bringt. Ansonsten kann man in der Tat darüber diskutieren, ob z.B. der Ehrenamtsbegriff stärker die institutionsgebundenen Formen zum Ausdruck bringen soll und bürgerschaftliches Engagement stärker die Bindung an das Gemeinwesen, an die Kommune, also ein Engagement ist, das nicht unmittelbar in Institutionen stattfindet. Da gibt es sicherlich Möglichkeiten der Differenzierung. Nur, ich sehe auch hier überhaupt im Moment nichts, was dafür spricht, dass ein Begriff alles umfasst. Oder wir folgen tatsächlich Ihrem Vorschlag, sagen eben unbezahlte kulturelle, unbezahlte soziale, unbezahlte sonstige Arbeit.
Einwurf Leif Noch eine Rückfrage zu Ihrem Statement. Der Aspekt der Anerkennung hängt ja auch mit den Begriffen zusammen. In der Literatur wird ja ständig behauptet, Ehrenamtliche bekämen nicht die nötige Anerkennung. Teilen Sie diese Einschätzung, dass es so ist?
Teilnehmer aus dem Plenum Also, wenn in dieser Gesellschaft - und ich meine, wir sind nun mal eine markt- und geldvermittelte Gesellschaft - Anerkennung tatsächlich dominant über Geld und Einkommen und Lohn und Arbeit funktioniert, dann haben Sie daran gemessen diese Anerkennung nicht. Da gebe ich Frau Notz vollkommen recht. Ich denke, es sind andere Formen von informeller Anerkennung. Und die sollte man nicht unterschätzen. Dazu gehört sozusagen Akzeptanz im Verein, sich wohl fühlen. Ich könnte Ihnen -zig Beispiele von Männern und Frauen erzählen, die dadurch, dass sie im Verein ein Amt haben, dass sie gewählt wurden, also Vereinsvorsitzende oder Vereinsvorsitzender sind, durchaus andere Formen von formeller Anerkennung entbehren können. Ich glaube, das ist auch ein Antrieb für viele gewesen. In meinem Beruf bin ich irgendwo ganz normaler Beamter, aber in meinem Verein bin ich etwas, da stelle ich etwas dar. Die Symbole, Rituale von Vereinen, wer sich die mal genauer angeguckt hat, kann, glaube ich, stundenlang da drüber erzählen. Also, insofern würde ich diese Form der Anerkennung nicht unterschätzen. Und ich habe mit Mike Corsa mal eine Veranstaltung gehabt, wo ein Jugendlicher gesagt hat, unterschätzt doch nicht, wir haben doch ein bisschen Macht, wenn wir ehrenamtlich sind. Das müssen wir doch auch mal zugeben. Wir können doch gestalten, wir können auf andere Einfluss nehmen. Und das ist doch auch ein Motiv, warum wir das machen.
Dr. Thomas Leif Herr Nörber, Sie wollten sich noch mal äußern zur Debatte.
Dr. Martin Nörber Zur Frage der Unentgeltlichkeit: Ich denke, das Kriterium hat auch seine Unschuld verloren, also, die Unentgeltlichkeit bezogen z.B. auf Seniorenengagement. Wenn wir die neuen Bundesländer anschauen, gibt es zwei Senioren-Ehrenamts-Förder-Programme in Brandenburg und in Sachsen. In Brandenburg ist es so, dass derzeit im Landeshaushalt ca. 4 Mio. DM ausgegeben werden für Senioren, die sich ehrenamtlich engagieren. Diese bekamen 200 DM, bzw. heute nur noch 100 DM im Monat. Das ist nicht viel.
Einwurf Leif Und was halten Sie davon?
Dr. Martin Nörber Ganz einfach gesagt, ich kann nicht einsehen, warum spezifische Gruppen besonders herausgepickt und besonders gefördert werden. Dasselbe gilt z.B. bei Übungsleiterinnen und leitern im Sport. Auch diese Personen sind ja ehrenamtlich tätig, bekommen aber eine Minimalhonorierung. Ich finde es auch alles okay, ich habe nichts dagegen. Nur die Frage ist, warum in diesem Ehrenamtsbereich, egal wie dieser Bereich genannt wird, verschiedene Honorierungssysteme staatlicherseits bestehen.
Einwurf Leif Aber generell sind Sie für Honorierungssysteme? Habe ich das richtig herausgehört? Weil sich Jugendverbände ja häufig für Versicherungs- und Bildungsaspekte stark machen. Ist das nicht eine sehr deutsche Haltung?
Dr. Martin Nörber Wenn schon, dann möchte ich eine Gleichheit der Möglichkeiten.
Einwurf Leif Aber in Holland wird so eine Diskussion z.B. nicht geführt.
Dr. Martin Nörber Kann sein, hierzu ist mir nichts bekannt.
Einwurf Leif Aber meine Frage geht dahin: Ist es nicht ein Problem, immer gleich als Lobbyverband nach Geld zu schreien und nachzufragen. Ist das nicht der falsche Ansatz?
Dr. Martin Nörber Langsam, das missverstehen Sie. Ich bin zwar bei einem "Lobbyisten" tätig, aber es geht nicht darum, dass wir nur nach Geld schreien. Es geht darum, die Rahmenbedingungen möglichst optimal zu gestalten.
Einwurf Leif Aber an der falschen Stelle. Wenn Sie eben sagten, Qualifikation ist wichtig, dann müssten Sie doch statt dessen fordern: wir wollen, dass unsere ehrenamtlichen Leiter intensiv qualifiziert werden, von den besten ....
Dr. Martin Nörber Langsam, langsam!
Einwurf Leif Aber ich höre immer nur von Jugendverbänden... [Mehrere Stimmen durcheinander]
Dr. Martin Nörber Jetzt habe ich mal das Wort, und da fahren Sie mir rein, also immer langsam, bitte schön. Also, eine unserer Grundforderungen zur Qualifikation ist z.B., dass jede Qualifikation für ehrenamtliches Engagement kostenlos zur Verfügung gestellt wird. In Jugendverbänden ist es derzeit so, dass oftmals jemand, der Jugendleiter werden will, zu dieser Ausbildung Geld mitbringen muss. Das kann doch nicht sein!
Einwurf Leif Warum nicht?
Dr. Martin Nörber Weil er im Sinne des Gemeinwohls tätig wird und unentgeltlich die Betreuung von Kindern und Jugendlichen sicherstellt.
Einwurf Leif Das Ehrenamt ist doch im Kern sinnvoll. Engagement ist eine sinnvolle Angelegenheit, die die Persönlichkeit weiterentwickelt. Die Aktiven tun was fürs Gemeinwesen und müssen nicht nach Geld fragen.
Dr. Martin Nörber Aber er muss Geld mitbringen, das kann doch nicht sein. In der gleichen Zeit könnte er z.B. jobben. Alle Menschen haben das Bedürfnis, in unserer Konsumgesellschaft irgend etwas zu erwerben. Die neueste CD von XY kostet 35 DM. Was mache ich? Gehe ich zu Aldi Regale einräumen, an der Tankstelle Geld kassieren oder gehe ich auf eine Ausbildung für einen Jugendleiterkurs? Sagen Sie mal, was sie machen würden!
Einwurf Leif Ich arbeite ehrenamtlich in anderen Bereichen.
Dr. Martin Nörber Es ist doch klar. Im Prinzip, wenn es um Geld geht, wenn es um die neuesten Sachen geht, wenn ich nach Mallorca in Urlaub fliegen will - und alle jungen Menschen haben dieselben Bedürfnisse wie Erwachsene in der Regel auch - dann brauche ich heute Geld.
Einwurf Leif Aber, lassen Sie sich damit nicht auf eine Logik ein, die eigentlich nicht die Logik des Ehrenamtes und des Engagements ist?
Dr. Martin Nörber Nein. Das ist ein Randbereich, der da mit reinfällt. Und den wegzudiskutieren, halte ich im Prinzip für falsch. Das ist nicht wegdiskutierbar. Wir belügen uns, wenn wir das wegschieben.
Teilnehmer aus dem Plenum Also, ich denke, jetzt kommen wir in eine politisch brisante Debatte durch Ihre Fragen, Herr Leif. Denn es geht schon darum, gesellschaftlich zu fragen, warum wird in bestimmten gesellschaftlichen Bereichen unbezahltes Engagement erwartet wird, und in anderen wird es völlig selbstverständlich bezahlt. Ich nehme immer mein Paradebeispiel. Ich gehe nicht davon weg. Als die Mauer gefallen ist in der DDR, ist im sozialen Sektor völlig selbstverständlich gesagt worden, die anstehenden Arbeiten kann man doch ehrenamtlich machen. Warum haben wir eigentlich nicht gesagt - die ganze DDR ist ja bausubstanzmäßig so marode gewesen -, wir machen Riesenbaukolonnen, und endlich können die Männer sich mal engagieren, weil sie da anpacken können, und sie machen das freiwillig und ehrenamtlich. Ich hätte die entsprechende Industrie sehen wollen, was da passiert wäre. Das wäre doch auch gesellschaftlich wichtiges Engagement gewesen. Im sozialen Sektor, und da hat Frau Notz vollkommen recht, dort wo Frauenarbeit, haushaltsnahe Tätigkeiten sind, da fällt es jedem ein, das könnte man doch so machen. Wenn Herr Beck davon spricht, dann sind es auch einmal Drogenabhängige, die kann man doch so ein bisschen nebenher betreuen. Das ist keine qualifizierte Tätigkeit, da braucht man keine Ausbildung und warum soll man dafür noch bezahlen. Ich glaube, da geht es auch schon um gesellschaftliche Wertigkeiten. Und ich verstehe Herrn Nörber so, dass er sagt, hier müssen wir eine gesellschaftliche Gerechtigkeit zwischen den Bereichen herstellen, und - Frau Notz würde ich vollkommen recht geben zwischen den Geschlechtern und zwischen den Altersgruppen. Und darum geht es immer immanent, unabhängig von der Frage, dass ich sehr dafür bin. Es kann keine Kultur und keine Zukunft der Gestaltung des Sozialen sein, wenn wir erst sagen, es muss jede Arbeit bezahlt werden und dann fangen wir an darüber nachzudenken, wie wir das vielleicht ohne Geld lösen.
Dr. Gisela Notz Ich wollte doch noch auf einen Aspekt kommen. Es ist der Antrieb und die Anerkennung diskutiert worden. Ich habe im letzten Jahr gemeinsam mit Margherita Zander eine Studie über ehrenamtliche Arbeit in Thüringen erstellt. Wir haben festgestellt, dass der größte Antrieb nicht nur aber vor allem für Frauen, und auch für erwerbslose Männer war a) den Zugang zu einer bezahlten Arbeit zu bekommen, b) die Initiative, die ich vielleicht selbst mit einer ABM mitaufgebaut habe, zu erhalten, c) im Falle des (Vor)Ruhestandes nicht zum alten Eisen" gehören zu wollen. Alle Befragten -außer den Ruheständlern- wollten ehrenamtliche Arbeit neben der Berufstätigkeit ausüben. Immer dann, wenn Sozialabbau betrieben wird, wenn die bezahlte Arbeit knapper wird, sollen Menschen (vor allem Frauen) aus der Erwerbsarbeit ausgegliedert werden und Ehrenamt" wird als Ersatz angeboten. Ich denke, es ist auch ein Qualifikationsverlust, eine Abwertung von Qualifikation, die da mitbetrieben wird, wenn jetzt unkontrolliert behauptet wird, gerade diese Arbeiten im Sozialbereich, auf die ich mich ja besonders beziehe, können vor allem durch Frauen, aber auch mehr und mehr durch erwerbslose Männer, verrichtet werden, egal welche Qualifikation sie erworben haben. Diese Menschen sind zum großen Teil, vor allem, wenn es sich um jüngere Menschen handelt, gut ausgebildet. Ihre Qualifikationen werden nicht genutzt. Ich weiß nicht, ob das volkswirtschaftlich so sinnvoll ist. Und andererseits sind aber auch die meisten Berufe, die dort ehrenamtlich ausgeübt werden, Ausbildungsberufe. Altenpflege ist ein Ausbildungsberuf, der in der Zwischenzeit mit guten Curricula versehen ist, also ein qualifizierter Ausbildungsberuf. Das wird einfach weggewischt, so als könne jede Frau, weil sie einmal Kinder erzogen hat, oder jeder Mann, der das eventuell auch getan hat, diese Arbeit einfach so verrichten. Das finde ich schon problematisch.
Heidemarie Wünsche-Pietzka, Aktion Gemeinsinn e.V. Ich bin von der "Aktion Gemeinsinn", von der Arbeitsstelle Bürgerschaftliche Initiative, freiwilliges Engagement und Ehrenamt". Diese Aneinanderreihung macht schon deutlich, welche begrifflichen Unsicherheiten da sind. Ich möchte zu allererst betonen, dass wir die hier geführte begriffliche Diskussion höchst wichtig finden, aber noch unter einem anderen Aspekt, und zwar unter dem des deutschen Einigungsprozesses. Es ist ja wohl unbestritten, dass ostsozialisierte und westsozialisierte ehrenamtlich Tätige unterschiedliche Sozialisationen und daher auch begriffliche Annäherungen an diese Themen haben. Von daher ist es auch ein wichtiges Thema der politischen Bildung, dieses Thema der Begrifflichkeiten sehr intensiv in den Mittelpunkt öffentlicher Diskussion zu stellen. Ich möchte nun meinen Hut" wechseln und spreche jetzt als eine der Co-Vorsitzenden des Vereins "Strategie 21 - Frauenstrategien für das 21. Jahrhundert". Das ist ein Verein, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, NGOs besser zu befähigen, in Strategiebildungsprozesse einzugreifen, wenn es um Geschlechterdemokratie und Chancengleichheit geht. Aus diesem Blickwinkel möchte ich einige Beiträge noch unterstreichen: Ad 1: Unsere Diskussion sollte nicht von der internationalen Diskussion um die Begrifflichkeiten abgetrennt werden. Mir geht es dabei ganz besonders darum, die Diskussion um das Neudefinieren von Arbeit, die insbesondere durch den Weltsozialgipfel einen großen Schub bekommen hat, nicht zu trennen von der Diskussion, die wir hier heute führen. Und dann ist es weiterhin unvermeidbar, dass man ad 2 über die Geschlechtsspezifik diskutiert, und ad 3 und da bin ich Ihnen sehr dankbar, Frau Kautz - über den Terminus Commitment. Und zwar nicht nur aus der Sicht des Bürgers oder der Bürgerin, sondern auch unter dem Blickwinkel, dass Staaten und Regierungen sich dort "commited" haben, und zwar zu bestimmten Handlungen oder Unterlassungen. Ich möchte das hier gar nicht weiter ausführen, halte es aber für diese Diskussion für außerordentlich wichtig, es nicht abzutrennen, sondern in den Blick zu nehmen. Mir scheint, dass sich diese beiden Diskussionslinien, also um Ehrenamt ich wiederhole jetzt nicht alle weiteren Begriffsmöglichkeiten und um die Neudefinition von Arbeit, begrifflich wie auch inhaltlich, also sachlich, kreuzen und dass man sich dessen sehr bewusst sein muss und vielleicht auch Potential aus dieser Erkenntnis schöpfen könnte. Danke schön.
Achim Brauer, SJD Die Falken, Erftkreis Ich habe noch nicht geredet. Vorhin hat mein Zwillingsbruder gesprochen. Ich möchte mich erst mal herzlich bedanken, vor allen Dingen auch bei Ihnen, Herr Leif, weil ich heute Spaß hatte bei der Arbeit, weil mich Ihre Diskussionsführung sehr erinnert an die 80er Jahre, Hausbesetzerszene und so, wie Sie hier die Veranstaltung instandbesetzt haben. Also, das meine ich jetzt wirklich ehrlich.
Einwurf Leif Das ist klassischer öffentlicher Dienst.
Achim Brauer Also, hat mir bis jetzt schon sehr viel Spaß bereitet. Ich möchte zu zwei Dingen sprechen, und zwar einmal zu Ihnen, Frau Kautz. In Ihrer Wortmeldung habe ich so was herausgehört wie eine Entehrung von Arbeit. Also, ich möchte der Arbeit die Ehre wieder zuteil werden lassen. Zum Hintergrund: ich bin Bildungsreferent bei der Sozialistischen Jugend Deutschlands - Die Falken. Und Sie können sich vorstellen, wie schwierig das ist, als Bildungsreferent aufzutreten und den Kindern und Jugendlichen beizubringen, dass das wichtigste, was sie zu verkaufen haben und sehr teuer zu verkaufen haben, ihre Arbeitskraft ist, und ihnen auf der anderen Seite beizubringen, wie wichtig das ist, unentgeltlich für mich und meine Organisation zu arbeiten. Da liegt ein gewisses Spannungsfeld. Jedenfalls: Arbeit ist - wir sind ja eine Arbeiterorganisation aus der Tradition - sehr wichtig und gehört nicht entehrt. Vielleicht habe ich Sie da ja missverstanden. Zum zweiten möchte ich gegen die Entehrung von Geld sprechen. Also, wir bringen unseren Leuten bei, dass Macht über Geld läuft, und dass Geld unheimlich wichtig ist. Das gilt auch für unsere Organisation. Wir versuchen, soviel Geld wie möglich anzuhäufen, um unsere Arbeit besonders gut zu machen. Also ich finde, auch im Podium klingt das manchmal an, wir sollten auch nicht das Geld entehren. Aber worüber wir sprechen, ist doch die Verbindung von Arbeit und Geld. Und da wird es interessant. Was spricht denn dagegen - und da würde ich Sie alle bitten, vielleicht finden wir da einen neuen Begriff - was würde denn dagegen sprechen, dass wir nicht vom Ehrenamt, sondern vom Ährenamt sprechen oder nicht von Amt, sondern von Ährenarbeit. Dann würde nämlich auch noch deutlich, dass unsere Arbeit dahin zielt, Früchte zu tragen. Bei uns würde dieser Begriff gut passen, der ist mir heute gerade eingefallen, weil bei uns gerade im Herbst meistens auch geerntet wird, bei uns in der Organisation. Da sind die Sommermaßnahmen vorbei. Also vielleicht wird das der große neue Begriff, vielleicht sogar europaweit, Ährenarbeit würde ich für sehr wichtig halten. Den heutigen Begriff Ehrenamt, den haben wir doch immer in Anführungsstrichen geführt. Den werde ich komplett aus unseren Veröffentlichungen, soweit mir das möglich ist, streichen. Danke schön.
Dr. Thomas Leif Vielen Dank für den Beitrag. Begriffe sollen ja auch Begreifen erleichtern. Ich will daher die Schlussphase unserer Diskussion noch einmal nutzen, vielleicht einen Punkt etwas voranzutreiben mit der Frage: Wie schaut es aus mit dem Potential der Ehrenamtlichen, der Freiwilligen in Deutschland? Und könnte durch einen anderen Auftritt, auch eine andere Marke, einen anderen Begriff dieses Potential besser erschlossen und zur Mitwirkung motiviert werden?
Gabriele Grass, Diakonisches Werk a.d. Saar Seniorenberatung Völklingen Ich bin vom Diakonischen Zentrum in Völklingen und bin hierher gekommen, weil ich unterschiedliche Erfahrungen mit dem Ehrenamt oder Freiwilligenarbeit gemacht habe, speziell jetzt in meiner Position als Seniorenberaterin. In meiner Stellenbeschreibung steht Förderung der ehrenamtlichen Arbeit und Vermittlung von ehrenamtlichen Kräften, was dann im Sozialbereich u.a. heißt: Haushaltshilfen, Besuchsdienste usw. Wie das bezahlt wird, das ist kein Thema, wurde auf unsere Nachfrage gesagt. Es sei halt ehrenamtliche Arbeit. Die das freiwillig machen wollen, die Frauen, die könnten das ein- oder zweimal in der Woche machen. Es gibt aber auch mobile soziale Dienste, die die gleiche Arbeit gegen Bezahlung machen. Und von daher hat die ehrenamtliche Arbeit für mich jetzt etwas Ambivalentes. Andererseits kommen Frauen und Männer zu mir und sagen, ich möchte etwas für ältere Menschen machen. Und sie haben sehr unterschiedliche Motive. Manche haben wirklich viel freie Zeit, und andere suchen halt eine Arbeit und versuchen, über diesen Weg Einstieg in eine bezahlte Arbeit zu finden. Und jetzt hat sich mein Träger entschlossen, eine Freiwilligen-Agentur aufzubauen, weil verstärkt nochmals Nachfragen kamen von älteren Menschen, die sagen, ich möchte mich nicht nur sozial engagieren, ich möchte etwas z.B. mit jungen Leuten machen, ich möchte etwas Handwerkliches machen. Und von daher hätte ich eigentlich ganz gerne gewusst, Frau Kautz, welche Menschen zu Ihnen kommen und wie Sie Ihre Arbeit eigentlich gestalten. Denn wir können ja hier durchaus drüber reden, was Ehrenamtlichkeit ist und was Freiwilligenarbeit ist. Aber was sagen Betroffene denn dazu? Wie definieren sie sich?
Ingrid Kautz Weil ich jetzt auch so ein bisschen diesen Zeitraffer im Nacken habe, würde ich das schön finden, wenn wir das mal bei einer anderen Veranstaltung und auch in einem anderen Rahmen tun könnten. Aber vielleicht ein Tipp oder Hinweis dazu: Ich hatte ja angesprochen, dass wir mit unserer Arbeit nicht alleine geblieben sind, sondern ein bundesweites Netz von solchen Anlaufstellen entstanden ist. Und wir treffen uns untereinander. Und ich glaube, inhaltlich und fachlich ist dort möglicherweise eine bessere Gelegenheit, das zu besprechen, als wenn ich das jetzt in der Kürze hier noch mit auf den Tisch lege. Das nächste Mal treffen wir uns Ende des Monats in Nürnberg, das wäre also eine Chance. Ich glaube, dass da auch fachlich vielleicht ein anderes Gremium vorhanden ist, um das zu beantworten. Reicht das erst mal?
Gabriele Grass Also, ich hätte wirklich gerne gewusst, wie Betroffene sich selber definieren.
Ingrid Kautz Ach das war der Kern. Ja, mit einem Etikett gehen die bei uns nicht raus. Ich habe ja in kurzen Worten vorhin schon gesagt, es kommt - bisher jedenfalls - niemand rein, der verortet werden will oder der sich definieren lassen möchte, sondern es kommt jemand mit einer Idee oder einem Wunsch oder will sich beraten lassen. Aber niemand will hinterher rausgehen aufgrund eines Definitionsprozesses mit einem Zettel in der Tasche und wissen, aha, jetzt bin ich zugeordnet zu dieser oder jener Gruppe. Man kommt vielmehr, weil man das Gefühl hat, irgendwo etwas tun zu wollen, Zeit und auch Lust dazu hat und aus freien Stücken kommt. Ich hatte ja bereits angedeutet, dass jeder die Freiheit haben muss, sich entscheiden zu können. Und dieser Entscheidungsprozeß hat etwas mit der Polarität von Geld und Arbeit zu tun. In diesem Sinne habe ich es gemeint und nicht, um irgendwelche Abwertungen vorzunehmen. Und diese Freiheit müssen Menschen haben, selbst entscheiden zu können, ob sie etwas tun wollen. Und auch das Gefühl haben, es ist gut so, das kann ich oder das gefällt mir auch, da bewirke ich etwas, da kann ich etwas selber mitgestalten. Das sind Entscheidungsmöglichkeiten, die im Arbeitsleben oft nicht mehr vorkommen. Wunsch und Sehnsucht nach Selbstbestimmung sind aber da. Genauso wie auch der Wunsch da ist, sich selber zu verpflichten, wichtig und gebraucht zu sein, nicht unbestimmt und nebulös aktiv zu sein. Und eine Erfahrung ist auch, wenn man sich selbst im Sinne dieses Commitments verpflichtet, strengt man sich auch ordentlich an. Das ist also keine Spielwiese oder Zeitvertreib bei uns. Und es sind auch nicht nur die sozialen Leckerbissen, die es bei uns als Engagementbereiche gibt. Das geht teilweise bei den Arbeiten hart zur Sache mit einer großen Ernsthaftigkeit, die aber nicht aufgesetzt und verordnet worden ist, sondern die durch das Anliegen selbst entsteht. Aus diesem Ganzen heraus entsteht dann so etwas wie ein Glücksgefühl, nicht in dem Sinne von Glück haben, sondern man ist dann glücklich. Das kennt ja jeder von uns. Wenn man sich ordentlich angestrengt hat, auch im Sportbereich, wenn man wirklich an seine Grenzen gekommen ist, ist man hinterher zufrieden. Und dieses Gefühl, zufrieden und glücklich sein, ist vielleicht auch ein Bestandteil von freiwilligen Engagement, was durch diese Arbeit eben mit vermittelt werden kann.
Einwurf Leif Wie viel Menschen können Sie denn potentiell dieses Glücksgefühl noch vermitteln in Deutschland? Was schätzen Sie, wie groß das Potential ist? Denn die Freiwilligen-Agenturen, die sind doch sehr bescheiden mit Ihren öffentlichen Forderungen geworden. Wenn Sie Ihre Erfahrung hochrechnen, was glauben Sie, ist in Deutschland drin an Potential?
Ingrid Kautz Als wir angefangen haben, kam diese Frage auch auf. Denn solche Zahlen muss man ja oft abliefern, dazu auch Aussagen oder auch Vorgaben, die man einhält oder versucht einzuhalten. Zahlen, die immer veröffentlicht werden, sagen aus, dass ca. 17 % der Bevölkerung bei uns bereits engagiert sind. Man vermutet aber, das sagen andere Umfrageergebnisse, dass die Bereitschaft dazu, sich zu engagieren, viel höher ist. Man müsse nur die passenden Gelegenheiten finden und auch ein freiwilligkeitsfreundliches Klima, dass man sich aktiv einbringt und sich nicht abgewiesen fühlt. In Diskussionen wird immer gern der Vergleich mit Nachbarländern aufgenommen, wo wir in der Bilanz übertrumpft werden. Ich gehe davon aus, wenn man von den unentschlossenen Menschen, also denjenigen Leuten, die sich nicht, noch nicht oder noch nicht wieder für ein Ehrenamt begeistern oder interessieren lassen, wenn da 3 % erreichen könnte, dann wäre das imponierend viel. Wenn man das auf die Einwohnerzahl seiner Kommune ausrechnet, wird man überrascht über die Größenordnung der absoluten Zahlen sein. Ich weiß aber nicht, ob das zu hoch gegriffen ist oder ob jemand enttäuscht ist und sagt, man müsste doch mindestens 10 % aktivieren oder wenigstens animieren können.. Also, insofern nutzen Zahlen auch nichts. Denn diese Zahlen mögen in einer Stadt von 100.000 Einwohnern anders sein als in einem ländlichen Gebiet. Oder dort, wo bereits sehr viel passiert - wir hörten ja von Baden-Württemberg, dass es da schon ein enges Netz gibt - sind wahrscheinlich auch andere Werte erreichbar als in einem Region, wo es noch Neuland ist.
Thomas Knöbelspies, Diakonisches Werk der EKD Stuttgart Ich bin vom Diakonischen Werk in Stuttgart. Die Menschen, die hier und heute gefragt werden, wie viel Bürger denn ehrenamtlich tätig sind, sind in der Mehrheit quasi hauptamtlich ehrenamtlich und sind daran interessiert, wie wir die Leute mit unseren Ideen erreichen können. Und das ist ja auch der richtige Kreis, sich darüber zu unterhalten. Das Erreichen der Leute ist nur möglich, indem man versucht, sie dort abzuholen, wo sie sind, pädagogisch gesprochen. Anders ausgedrückt: um sie PR-mäßig zu erreichen, müssen wir ihre Begrifflichkeiten übernehmen. Also, ich bin in so einem Dritte-Welt-Laden aktiv. Vor zwei Wochen hat unser Welt-Laden einen Preis bekommen vom Wirtschaftsministerium. Und da ist von allen Seiten, vom Minister und von allen Aktiven immer gesagt worden, wie wichtig ehrenamtliches Engagement ist. Also, da war nichts von freiwillig, nichts von Bürgerengagement zu hören. Ich will es mal zur Kenntnis geben, dass man das einfach auch realisieren muss. Das andere: Wir unterhalten uns hier auch heute, weil wir mit den Begrifflichkeiten Inhalte transportieren wollen. Wenn in Esslingen ein Volunteer-Project aufgezogen wird, haben sie dort ganz gewisse Absichten, indem sie diesen Begriff und keinen anderen nehmen. Das heißt, dass sie eben nicht die Leute mit dem ich würde vermuten doch bekannten Begriff Ehrenamt abgreifen" wollen, sondern mit einem anderen. Und damit einher geht, dass mancher gern wie ein Feldherr über die Felder schaut und guckt, wie viel Leute wir denn eigentlich hinter uns haben. Also, wie viel Leute sind denn bei uns ehrenamtlich aktiv. Da bin ich z.B. bei einer Tagung letztes Jahr persönlich ein bisschen erschrocken, als jemand aus Württemberg über das bürgerschaftliche Engagement erzählte und dann sagte, das sind u.a. Menschen, die im lokalen Agenda-Prozess aktiv sind. Da ich dort auch aktiv bin, dachte ich erstaunt, ja das wusste ich ja gar nicht, potz-blitz, dass ich auch bürgerschaftlich engagiert bin. Da war ich plötzlich irgendwo in einer Rubrik drin, ohne es zu wissen. Und wenn ich dann an die Kolleginnen und Kollegen bei mir im Weltladen denke, also, die würden sich heute eigentlich nicht vertreten fühlen, denn sie sind ja im Dritte-Welt-Laden in der Entwicklungsarbeit aktiv. Natürlich wissen sie, dass sie ehrenamtlich aktiv sind. Aber sie würden sich jetzt bös gesagt hier ein bisschen rubriziert fühlen, so reingekastelt: nach dem Motto, ihr gehört zu den 12 Millionen natürlich auch dazu. Aber ihre Motivation primär ist ja erst mal, dass sie was für die Dritte Welt tun wollen, nicht dass sie ehrenamtlich aktiv sein wollen. Ich will das zu bedenken geben, weil es das Thema Begriff für mich mit beeinflusst.
Dr. Thomas Leif Das war auch mein Anliegen zum Schluss, das noch einmal zum Thema zu machen. Ich glaube, die Empiriker hier unter uns müssen zugeben, dass es nicht so leicht ist, dieses Feld seriös zu sortieren. Und wenn man die Forschung genau untersucht, dann kommt man, vermute ich, bei sieben Wissenschaftlern zu acht Antworten.
Prof. Thomas Rauschenbach Mindestens! Ich will zu drei Punkten was sagen. Erstens zu dem Thema Freiwillige, Freiwilligen-Agenturen, weil da vorhin auch die Frage von Ihnen kam. Meine These ist, dass das Thema Freiwilligen-Agenturen seine Funktion - und ich sage bewusst auch seine berechtigte Funktion - vor allen Dingen zunächst mal im politischen Raum hat und eine Frage der politischen Symbolik ist. Ich glaube, dass ihr Hauptgeschäft - zumindest bei denen, die ich kenne, und ich hatte das Vergnügen beim ersten Freiwilligenzentrum in Deutschland die wissenschaftliche Begleitung zu machen, und es haben sich die bisherigen Ergebnisse in den Trends eigentlich bestätigt nicht ist, dass man auf einmal völlig neue Massen an Engagierten erschließt, sondern dass man einen Ort, ein Zentrum hat, an dem das, was wir hier diskutieren, lokal verortet werden kann, in dem Menschen sich organisieren können, einen Ort, den interessanterweise die Presse mehr nachfragt als Leute, die sich konkret selbst engagieren wollen. Diese Entwicklung kann negativ interpretiert werden. Man kann es aber auch positiv sehen, weil ein Ort da ist, an den man herankommt, an dem man endlich mal ein Stück Öffentlichkeit hat, das man vorher in Sachen Ehrenamt nicht hatte bei den vielen, vielen ehrenamtlich Engagierten, die irgendwo in kleinen Organisationen aktiv und zugleich öffentlich unsichtbar sind. Hier entsteht ein lokaler Ort, ähnlich wie ein Arbeitsamt, ähnlich wie andere Vermittlungsagenturen. Und das halte ich erst mal politisch für wichtig.
Einwurf Leif Aber Sie glauben nicht, dass da ein großes Potential liegt?
Prof. Thomas Rauschenbach Das ist jetzt der zweite Punkt, nämlich die Empirie. Wir können im Moment mit der Empirie alles beweisen, alles belegen. Ich hatte es ja vorhin etwas spöttisch formuliert: Es hängt schon davon ab, wie Sie fragen. Und dann kriegen Sie bei der Zählung mehr oder weniger raus. Dann kommen Europastudien und sagen, guckt mal, wie schlimm es in Deutschland aussieht." Und dann schaut man sich das genauer an, und stellt verwundert fest, dass in England jeder gerechnet wurde, der irgendwie Geld gespendet hat oder da mal mitkassiert hat. Also, es ist immer eine Frage: Wie definiere ich es? Was erfasse ich mit der Frage nach dem ehrenamtlichen Engagement? Das Bundesfamilienministerium hat jetzt eine große Studie zum Ehrenamt in Auftrag gegeben. Da wird man sehen, ob die Trends sich stabilisieren. Im Moment sagen die Studien mehr über die Anlage der Studien selbst als über die Wirklichkeit in diesem gesellschaftlichen Bereich aus. Das ist aber auch kompliziert. Ich habe es ja deswegen vorhin versucht klarzumachen: Es sind Definitionsfragen. Und wir sind da einfach nicht so weit, dass wir sagen: Wir haben eine klare Definition und nach der untersuchen in der Forschung alle, und es stabilisiert sich auf diese Weise die Erkenntnislage. Das eigentlich Spannende hat Herr Knöbelspieß auch gerade noch mal angedeutet. Stellen Sie sich vor, wir wären hier jetzt ein Industrieunternehmen und würden Staubsauger verkaufen. Und wir hätten durch eine Marketingstudie festgestellt, nur 60 % der Haushalte haben Staubsauger, aber 80 % bräuchten eigentlich einen. So wird im Moment diskutiert. Das heißt, alle Studien erzeugen sozusagen die Suggestion: Es ist noch ein Riesenpotential da, nutzt das doch. Die würden ja alle gern mal helfen, wenn sie nur wüssten, wie und wann und wo. Ein Stück weit mag das ja richtig sein. Und ich will auch niemandem die Illusion und die Hoffnungen nehmen. Aber ein Stück weit geht es in die Richtung, wie Herr Knöbelspieß gesagt hat, nämlich dass dann der Gleiche dreimal verrechnet wird. Und jede Organisation rechnet sich ihn zu, und dann kommt diese Empirie raus. Also das heißt, ich bin insgesamt etwas skeptischer, was die Menge der tatsächlich relativ verbindlichen Engagementbereitschaft anbelangt. Und ich würde sagen, das ist alles harmlos in Zeiten, wo es ein relativ konfliktloses Nebeneinander von Ehrenamt und bezahlter Arbeit gibt. Ich will deswegen zum letzten Punkt noch was sagen, und der bedrückt mich etwas. Ich glaube, dass die Diskussion des Verhältnisses von ehrenamtlichem Engagement, Freiwilligenarbeit und bezahlter Arbeit in Zukunft schärfer, schwieriger, konfliktreicher wird, weil wir in der Tat jetzt in einer Situation sind, wo es darum geht, dass das Ehrenamt statt Arbeit, und zwar statt bezahlter Arbeit eingeführt werden soll. Und die politische Rhetorik der letzten Jahre geht dahin, das Ehrenamt ständig sozusagen politisch symbolisch hochzuhalten und eigentlich sozusagen eine große Agenda vorzubereiten, um die bezahlte Arbeit zurückzufahren Das halte ich für ein großes Problem, das man genau beobachten muss. Ich habe gerade diese Tagung noch mal zum Anlass genommen, das Wachstum der Sozial-, Erziehungs- und Gesundheitsberufe mir genauer anzugucken. Von 3,3 Mio. Arbeitsplätzen, die in den letzten 20 Jahren in Deutschland zusätzlich hinzugekommen sind - also vorher 26 Millionen, jetzt um die 30 Millionen in den alten Bundesländern - ,waren 75 % Frauenarbeitsplätze, und zwar Frauenarbeitsplätze in diesen personenbezogenen sozialen Diensten. Das heißt, die gesellschaftliche Entwicklung hat sich im Arbeits-, also im bezahlten Bereich dramatisch verändert. Und wir oder alle, die sich für das Ehrenamt der Sache nach und ich unterstelle da jedem Redlichkeit - einsetzen, müssen uns dieser politischen Instrumentalisierungsgefahr bewusst sein. Die Verbände, die Kirchen stehen mit dem Rücken zur Wand, es ist kein Geld da. Und es wird Stück für Stück versucht, da zurückzuschrauben. Und das ist auch eine Frage von Frauenarbeitsplätzen, von Möglichkeiten, in dieser Gesellschaft Anerkennung in den Bereichen zu finden, wo viele sich beruflich engagieren wollen. Ich will da nicht sozusagen die Diskussion damit abwürgen, weil ich die Schwierigkeit sehe. Aber dessen muss man sich sehr bewusst sein, und ich glaube, das wird in den nächsten Jahren sehr viel komplizierter.
Dr. Thomas Leif Danke, ein wichtiges Diskussionsthema. Aber auch an Sie noch mal die Frage nach dem Potential: Glauben Sie, dass man z.B. durch eine groß angelegte Werbekampagne, etwa so groß wie die Werbekampagne der Deutschen Bahn etwas bewegen könnte? Glauben Sie, dass mit professionellen Kampagnen nicht mit kleinen Broschüren - ein Potential in Deutschland zu erwecken wäre?
Dr. Gisela Notz Ich bin vielleicht falsch verstanden worden. Mir geht es weniger um die Weckung weiterer Potentiale, sondern mir geht es darum, dass diese Arbeit nicht als Ersatzarbeit für bezahlte Arbeit angeboten wird, weil und das geht aus meinen Studien ganz klar hervor, und nicht nur aus meinen, sondern z.B. auch aus der Studie, die über ehrenamtliche Arbeit in Bayern gemacht worden ist - die Menschen und vor allem auch die Frauen, die ausschließlich ehrenamtliche Arbeit leisten, sich über diese Arbeitsform einen Zugang zur bezahlten Arbeit erhoffen. Die Konsequenz daraus wäre eine völlig andere Verteilung der jetzt bezahlt und jetzt unbezahlt geleisteten gesellschaftlich notwendigen Arbeiten auf beide Geschlechter. Und da wäre mit plumpen Kampagnen wie den richtigen Henkel für den Topf der brachliegenden ehrenamtlichen Potentiale zu finden, wie das neulich bei einer Tagung genannt worden ist, eben nicht getan. Wir waren hier schon beinahe wieder beim Hohelied der Ehrenamtlichkeit. Ehrenamtlichkeit, so wie ich sie jetzt mal undifferenziert benenne, ist unbedingt notwendig, sonst würde das gesamte soziale System zusammenbrechen. Aber das, was heute diskutiert wird, ist, mit Hilfe der unbezahlt Arbeitenden, im Zuge des Sozialabbaus Löcher zu stopfen und Risse zu kitten. Zufrieden und glücklich sind viele Ehrenamtliche, die ich in meine Untersuchung einbezogen hatte. Sie sind zufrieden und glücklich, weil sie eine Arbeit außerhalb der Familie gefunden haben, wo sie sich gesellschaftlich engagieren können, wo sie Nützliches tun können, wo viele Aspekte, die bezahlte Arbeit abdeckt, auch mit abgedeckt werden - aber ein wichtiger Punkt nicht, nämlich die Bezahlung. Der Kollege hat vorhin gesagt, das Glücklichsein würde sich am Bankkonto festmachen. Soweit würde ich nicht gehen. Aber jeder Mensch und auch jede Frau braucht ein bisschen Geld, um den notwendigen Lebensunterhalt zu finanzieren. Und diesen Aspekt deckt ehrenamtliche Arbeit nicht ab. Nochmals: Ehrenamtliche Arbeit ist notwendig. Aber sie ist zusätzliche Arbeit zu einer bezahlten Arbeit, aus der Mann oder Frau die eigene Existenz sichern kann. Und um das zu erreichen, sind Kampagnen erforderlich, die eine Neuverteilung der Arbeit als Ganzes beinhalten. (Beifall)
Dr. Thomas Leif Habe ich Sie richtig verstanden, dass Sie eine Werbekampagne etwa für die Freiwilligendienste nichts halten? Kampagnen, um das Potential der Leute zu erschließen, die sich ehrenamtlich engagieren sollen, obwohl sie schon einen Job haben, und nicht in Konkurrenz zur Erwerbsarbeit. Glauben Sie, dass da noch ein Potential zu begeistern ist, etwa wie in Holland?
Dr. Gisela Notz Ja gut, dagegen ist nichts einzuwenden. Aber dann stellt sich auch die Frage, warum nicht derartige Kampagnen z.B. im Bereich des Baugewerbes oder im Handwerk propagiert werden? Dort hieße es Schwarzarbeit und zwar zurecht. Man muss da schon differenzieren, für welche Art von Arbeit man Ehrenamtler" wirbt und bei welchen Arbeiten bezahlte Arbeitsplätze geschaffen werden sollen. Ich bin wirklich dafür, dass viel mehr Menschen, wenn sie kürzere Arbeitszeiten und existenzsichernde Arbeit haben, sich daneben sozial und gemeinwohlorientiert engagieren. Dennoch möchte ich noch einmal darauf verweisen, dass auch ein bezahlter Sozial- und Gesundheitsarbeiter oder eine solche arbeiterin gemeinwesenorientiert tätig ist. Es darf nicht als unseriös erscheinen, für solche Arbeiten Geld zu nehmen.
Dr. Thomas Leif Herr Nörber, wie schätzen Sie das Potential ein, unter dem Aspekt junge Leute und der Werbemaßnahmen, die nötig wären. Sie sind ja nicht gleich im Konflikt mit Erwerbsarbeitsplätzen. Wie sehen Sie das?
Dr. Martin Nörber Das Potential ist nach wie vor vorhanden. Wenn man sich die Jugendstatistik anschaut, dann sind bei freien Trägern die Maßnahmen und Teilnehmerzahlen in den vergangenen Jahren nicht stark rückläufig gewesen. Für Hessen kann ich es mit Sicherheit sagen. Das heißt im Prinzip, wir haben ein relativ stabiles Potential an ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Allerdings ist es differenziert zu sehen zwischen den Verbänden. Es gibt Verbände, die haben wirklich Probleme. Und es gibt Verbände, die haben wirklich massiven Zulauf. Aber unterm Strich gesehen ist die Gesamtzahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmern an Maßnahmen der Jugendarbeit relativ konstant, wenn nicht sogar leicht gestiegen.
Einwurf Leif Es ist ja auch ein Mitglied z.B. einer katholischen Jugendgruppe mitgezählt. Aber wenn er in eine Gruppenstunde geht, ist er nicht selbst immer aktiv.
Dr. Martin Nörber Aber davon habe ich eben nicht gesprochen. Ich habe von Teilnehmer/ Innen an Veranstaltungen gesprochen. Die Veranstaltungen werden ja bei uns nahezu zu 100 Prozent von Ehrenamtlichen gemacht. Wenn wir also konstant hohe Teilnehmerzahlen haben, brauchen wir auch konstant hohe Zahlen von Ehrenamtlichen. Es kann nicht sein, dass vor 10 Jahren eine Leiterin, ein Leiter 50 Kinder betreut hat und heute 250, das funktioniert ja gar nicht. Der Trend ist ja eher umgekehrt, quasi zu kleineren Gruppen. Es gibt keine Tendenz, dass die traditionelle Jugendverbandsarbeit in 10 Jahren die Bachgasse" runtergeht. Sondern hier muss man sagen, es bleibt relativ stabil. Es gibt Bereiche, die rückläufig sind, Bereiche, die anwachsen. Feststellen muss man aber, dass die öffentliche Finanzierung sehr stark rückläufig ist. Das muss man auch auf jeden Fall sagen, weil es ja darum geht, was macht der Staat, wie engagiert der sich überhaupt noch. Das ist sehr stark rückläufig, was die Verbände betrifft. Es ist skandalös, wenn man unsere Förderung vergleicht mit der Finanzierung, die öffentliche Träger aus dem gleichen Topf für ihre Maßnahmen erhalten. Das ist ein Missverhältnis. Hier wird ehrenamtliches Engagement nicht anerkannt, sondern ausgenutzt. Einen Satz möchte ich noch sagen zur Imagekampagne. Ich war 4 Wochen in den USA. Der Unterschied, der mir, bezogen auf das Volunteering, aufgefallen ist, ist dass hier ein ganz anderes Grundklima herrscht. Ich war in einer Kleinstadt. In den lokalen Zeitungen, da wird nicht geklagt über mangelndes Engagement in Vereinen und Verbänden, wie es bei uns ja der Gesangsverein und andere Verbände machen. Es wird relativ klar gesagt in der Spalte Volunteering: Wir brauchen Weihnachten drei Menschen, die Lebensmittel ausfahren für sozialbedürftige Familien. Wir brauchen ...
Einwurf Leif Was wollen Sie damit sagen?
Dr. Martin Nörber Wir brauchen eine andere Kultur. Wir brauchen nicht die Klagen über ein nachlassendes Engagement. Wir brauchen beispielsweise das klare öffentliche Angebot auch von Jobs. In unseren Zeitungen fehlt eine Spalte, wo drinsteht: Die katholische Jugend sucht zwei Leute, die auf dem Zeltlager kochen. Der Caritasverband oder das Diakonische Werk sucht eine Person, die einmal in der Woche einen Kleinbus steuert. Und die Bahnhofsmission sucht jemand, der am Samstag in drei Stunden einen Stand aufbaut.
Einwurf Leif Was glauben Sie, welche Akteure diese Kultur in Deutschland befördern könnten?
Dr. Martin Nörber Also größtenteils wir selbst, ich will es ja nicht wegschieben, sondern ich möchte mal uns selbst anklagen. Wir Verbände und Vereine und Organisationen haben teilweise ein Krisengerede angezettelt nach dem Motto: Ehrenamt geht bergab, abnehmende Zahl von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, wir brauchen was wir vorhin gesagt haben mehr Mittel, mehr Förderung, mehr Zuwendung etc. Irgendwann kann dieses Krisengerede kontraproduktiv werden.
Dr. Thomas Leif Noch mal die Frage zur Kultur an die anderen Diskutanten, z.B. an Mike Corsa, auch Verbandslobbyist und Halbpolitiker. Außerdem Vorstand hier in dieser Stiftung. Wie kann man diese Kultur in Deutschland befördern? Was muss getan werden? Wenn ich diese Listen sehe vom Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Wilhelm Schmidt, was man alles tun kann, ist das doch sehr dünn, eine ganz dünne Suppe, was er da vorschlägt. Und dann habe ich den Eindruck, die Politik will eigentlich gar keinen Push in dieser Gesellschaft. Wie ist Ihre Einschätzung? Sie sind ja ständig in diesen Lobbygesprächen usw. und müssen mit Politikern von Nolte und den Nachfolgern umgehen. Was ist da Ihre Erfahrung?
Mike Corsa Es findet eine doppelbödige Diskussion statt. Auf der einen Seite gibt es viel öffentliche Anerkennung mit Worten im politischen Bereich, der Kollege Knöbelspieß hat es ja schon gesagt. In Sonntagsreden wird das ehrenamtliche Engagement sehr gelobt. Die Bundesregierung hat ja auf eine große Anfrage des Bundestags hin das Hohelied des Ehrenamts" angestimmt. Überall im politischen Bereich, da spielt die Farbe der Partei eigentlich auch relativ wenig eine Rolle, wird es verbal sehr anerkannt. In der Realität sind die Kriterien dafür, was in dieser Gesellschaft einen Wert darstellt, ganz andere. Es geht stark über den monetären Bereich, Leistung muss sich lohnen. Da passt freiwilliges, unentgeltliches Engagement nicht so richtig ins Bild.
Einwurf Leif Aber gehen Sie mal einen Schritt weiter. Sie sind ja im politischen Klein-Klima drin. Sie kennen die Debatten. Wie könnte man denn diese Kultur befördern? Was könnte man tun? Sind Sie vielleicht deshalb zurückhaltend und fahren einen Kuschelkurs, indem Sie keine deutlichen Forderungen stellen, da Sie selbst Teil des auf Zurückhaltung angelegten Verhandlungssystems sind.... (Gelächter)
Mike Corsa Thomas Leif, Sie haben sicher Recht. Es müsste hier noch viel offensiver und im Sinne einer neuen Kultur des Sozialen für ehrenamtliches, bürgerschaftliches Engagement als Bindekraft in dieser Gesellschaft gekämpft werden. Ich bleibe übrigens bei meiner Aussage zu Baden-Württemberg. Man bekämpft sich immer noch unterhalb, der in der Zwischenzeit öffentlich zur Schau gestellten zarten Annäherung. Wir müssen lernen, dass wir zusammen nach vorne gehen. Wir müssen lernen, dies ganz offensiv in der Öffentlichkeit zu platzieren. Solange wir das nicht tun und als konkurrierende Lobbyisten des Feldes Ehrenamtlichkeit, Bürgerschaftlichkeit oder Freiwilligkeit auftreten, solange wird Politik auch nicht einsehen, warum sie denn das unterstützen soll. Es fehlt der politische Druck und es fehlt natürlich auch das Zugehen auf den gesamten Bereich Wirtschaft. Unternehmen müssen eingefordert werden, dass sie eine Verantwortung haben, nicht nur zur Mehrung des Bruttoinlandsprodukts, sondern auch zur Stärkung der gesellschaftlichen Bindekräfte. Sie leben stark davon, dass hier in Deutschland alles sicher ist, dass es eine soziale Infrastruktur gibt, dass sich Millionen von Menschen freiwillig engagieren.
Stefan Bischoff Institut für Sozialwissenschaftl. Analysen und Beratung, Köln Ich bin auch mit dieser Begriffsvielfalt beruflich befasst. Diese ist eigentlich im Grunde genommen relativ wenig befruchtend, wie man ja feststellt. Ich denke, verbessern kann man die Sache dann, wenn man die Diskussion dort verstärkt führt, wo die freiwillige/ehrenamtliche Arbeit stattfindet, nämlich im Gemeinwesen, in der Kommune. Und ich denke mal, jede Kommune ist gut beraten, sich um ihre Ehrenamtlichen/Freiwilligen zu kümmern, besser zu kümmern und auch nachzufragen, welche Rahmenbedingungen man möglicherweise schaffen muss, damit freiwillige, ehrenamtliche Arbeit ohne Hemmschwellen, ohne Probleme geleistet werden kann. Denn wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass wir hier in unserer Gesellschaft ohne ein hohes Maß an Engagement, an freiwilligem unbezahlten Engagement möglicherweise in Zukunft noch weniger als heute auskommen. Daher muss man die Diskussion in die Kommune hereintragen. Man muss vor Ort gucken, wie sind die Bedingungen der freiwilligen Arbeit, der sozialen Arbeit, der ehrenamtlichen Arbeit und wie kann man dann vor Ort die Sache verbessern. Das kann sein durch eine Agentur. Das kann sein durch ein Seniorenbüro. Das können auch andere institutionelle Formen der Unterstützung und Förderung des bürgerschaftlichen Engagements sein.
Einwurf Leif Und wer soll das betreiben?
Stefan Bischoff Das muss von mehreren Seiten gleichzeitig ausgehen. Die Betroffenen wissen sehr genau, wo der Schuh drückt. Also müssen sie den Mund aufmachen. Und man muss von den Kommunen und von den dort Zuständigen eben auch die entsprechenden Rahmenbedingungen einfordern.
Dr. Thomas Leif Frau Notz zuerst, Sie sind ja am Zug, was die Kultur angeht. In Holland, das schreibt Dettling ja, sind die Menschen auch bereit, für weniger Geld zu arbeiten, also weniger Erwerbsgeld zu bekommen und dafür mehr für die Allgemeinheit die Gesellschaft - zu investieren. Dieses Modell halten Sie in Deutschland, wo jedem die me myself and I" - Ideologie eingeflößt wird, für gänzlich unmöglich?
Dr. Gisela Notz Das ist schon möglich, denn es wird ja praktiziert. Wir haben z.B. jede Menge Frauen, die in dem Bereich der 630-Mark-Jobs arbeiten oder Teilzeitarbeit leisten und die nebenbei ehrenamtlich tätig sind. Die verdienen so wenig, dass sie davon eigenständig nicht leben können. Also, ist das Modell auch bei uns bereits vorhanden. Es ist gut, dass das zum Abschluss noch mal angesprochen wird. Eine große Gefahr liegt gerade in der Kombination von verschiedenen Niedriglohnmodellen und Kombilohnmodellen mit ehrenamtlicher Arbeit, weil dies dazu führt, dass diejenigen, die sowieso schon aus dem Arbeitsmarkt herausgedrängt sind oder für ein bisschen Niedriglohn arbeiten, nun kümmerlich aber ehrenvoll ihr Dasein fristen. Das finde ich nicht richtig. Ich insistiere noch mal auf die von mir und auch von anderen anvisierte Möglichkeit, die gesamte Arbeit anders zu verteilen. Wir haben ein hohes Maß von Erwerbslosen, die - nach dem von Ulrich Beck entwickelten Konzept - Bürgerarbeit angeboten bekommen sollen, die aber nach bezahlter Arbeit nachsuchen. Es wird nicht mehr anders gehen, als die Arbeitszeit im Bereich der Vollerwerbsarbeit radikal zu verkürzen. Das allein wird nicht reichen. Wir brauchen noch andere Maßnahmen, um zu einer Umverteilung zu kommen. Es ist eine politische Frage, ob wir dahin arbeiten, dass immer mehr Menschen ausgegrenzt werden und sich neue Schichtungs- und Unterschichtungsmodelle herausbilden, wie es das Modell dritter Sektor z.B. vorsieht, oder ob wir dahin arbeiten, dass die ja wirklich im Mangel vorhandene gut bezahlte Arbeit anders verteilt, und die im Überfluss vorhandene unbezahlte Arbeit ebenfalls anders verteilt wird, und zwar auf beide Geschlechter.
Prof. Dr. Thomas Rauschenbach Drei Punkte: Punkt 1: Ich denke, die internationale Debatte muss für Deutschland im Kontext eines ausgebauten Wohlfahrtsstaats diskutiert werden. Wer das unterschlägt, ist fahrlässig angesichts der Euphorie über Volunteering in anderen Staaten. Europäische oder internationale Vergleiche als Anregung sind wichtig. Wer aber gleichzeitig unterschlägt, dass wir in Amerika andere Sozialstaatsverhältnisse haben als in Deutschland, der unterschlägt sozusagen die Logik, die dort in dieser Sache drin ist. Ich habe vorhin deswegen die Zahlen genannt. Die größten Wachstumsberufe der letzten 25 Jahre in Deutschland sind Gesundheits- und soziale Berufe. Das muss man sich klar machen, was man damit auch sozusagen an kultureller Differenz erzeugt hat. Und die möchte ich nicht ohne weiteres zur Disposition stellen. Man kann da über Auswüchse, über alles diskutieren, aber ich finde, das muss klar sein, es ist ein Wohlfahrtsstaatsprojekt. Und die perfide Entwicklung ist, dass sozusagen das Ehrenamtsprojekt gegen den ausgebauten Wohlfahrtsstaat gewendet wird und nicht als Weiterentwicklung des Wohlfahrtsstaats. Punkt 2: Herr Leif, finde ich, hat zurecht noch mal so ein bisschen auf die Frage der Identität des Freiwilligenengagements hingewiesen: Die Identität des Ehrenamtes, des freiwilligen Engagement war in der Geschichte eigentlich immer das Hingucken auf Bereiche, wo sich gesellschaftlich niemand drum gekümmert hat. Historisch kann man zeigen, dass es eigentlich ein Finger-auf-die-Wunde- legen war, dass Vereine gerade dort im dritten Sektor entstanden sind, wo der Staat sich um nichts gekümmert hat, und wo deshalb Menschen hingegangen sind und gesagt haben, da müssen wir doch was tun. Diese Situation hat sich in vielen Bereichen verändert. Und ich meine, wenn ich jetzt sozusagen eine politische Strategie entwickeln würde, wäre es meine Identitätsidee, zu sagen, lasst uns Ehrenamt, freiwilliges Engagement besonders dort ausbauen, wo gesellschaftlich nichts getan wird. Insofern ist das Ehrenamt immer ein Stück weit, wenn man so will, Vorläufer für eine systematische Organisation. Man könnte es am Beispiel der Frauenbewegung, der Frauenhäuser, man könnte es an anderen Beispielen immer wieder zeigen, dass das auch in neuen Formen immer wieder möglich ist. Punkt 3: Ich kann dem nur sehr zustimmen, was Mike Corsa gesagt hat. Wir haben eine politisch schizophrene Debatte. Es ist auf der einen Seite eine Nischendebatte. In den Sonntagsreden sagen alle, es ist alles ganz wichtig und strengt euch an. Sie kriegen aber zu keiner Diskussion darüber einen Wirtschaftsminister oder sonst jemanden wirklich Einflußreichen her. Sie kriegen allenfalls in einer Regierungserklärung einen Nebensatz hingeworfen, dass das Ehrenamt wichtig ist. Aber es gibt keine Generaldebatte, die zur Kenntnis nimmt, dass diese Gesellschaft sich dramatisch verändert hat, dass sich damit die sozialen Verhältnisse, die soziale Kultur zwischen den Menschen verändert haben, und dass das Ehrenamt auch eine Reaktion ist auf den Zerfall von Milieus, die historisch da waren und die das früher aufgefangen haben. Und da wäre dann tatsächlich sehr viel grundlegender zu sprechen über Entwicklung, über gesellschaftliche Verantwortung, über die Frage, wie man bereits Kinder sozusagen in die Frage des sozialen Lernens, in Übernahme von gesellschaftlicher Verantwortung rein sozialisiert. Ich kann es einfach nicht mehr hören, wenn Politiker sagen Reden ist Silber und Handeln ist Gold und sagen tut doch alle mal was. Dann sage ich, politisch Reden ist Silber, aber politisch Handeln wäre Gold, das heißt, die Gestaltung dessen, dass dann auch sozusagen ein positives Klima, eine Wachstumskultur für diese Formen des Engagement da sind, ohne dass man den Wohlfahrtsstaat zerstört. Das wäre eine politische Mission. Und das sehe ich überhaupt nirgends in der Politik.
Dr. Thomas Leif Herr Nörber, zu Punkt 3 hätte ich gern eine Stellungnahme von Ihnen. Schizophrene Debatte", das ist doch auch ein harter Vorwurf gegen die Jugendverbände. Sie als Lobbyist der Jugendverbände müssten daraus doch Konsequenzen ziehen, wie Sie auftreten, welche Forderungen Sie stellen, etwa gegenüber grünen Ministerinnen.
Dr. Martin Nörber Machen wir auch. Und ich kann es nur so sagen, wir sind in Hessen da sicherlich ganz weit vorne, wenn es ums Ehrenamt geht. Die Frage ist nur, wie stark die Durchschlagskraft der Jugendverbandsarbeit ist. Wir sind aber, ehrlicherweise gesagt, eher randständig. Also darf man unseren Einfluss auch nicht überschätzen.
Einwurf Leif Liegt das auch daran, dass Sie auch abhängig sind von den Geldströmen, die aus den Ministerien zu Ihnen fließen?
Dr. Martin Nörber Sicherlich liegt das auch daran, aber das ist uninteressant, denn die Geldströme aus dem Ministerium gehen auf die Landesebene. 85 % der Fördermittel für Kinder und Jugend kommen aber von der kommunalen Ebene. Es geht vielmehr darum, dass Jugendliche, junge Menschen, die sich engagieren, politisch nicht so wahrgenommen werden, wie andere Gruppen wahrgenommen werden. Wir haben keine mächtige Lobby. Wenn man beispielsweise Jugendarbeit mit Sport vergleicht, sind wir mehr als randständig, wenn man nur schaut, wie der Sport auf allen Ebenen seinen Einfluss geltend macht. Davon sind wir Welten entfernt.
Dr. Thomas Leif Also, vom Sport lernen, heißt siegen lernen. Noch zum Schluss auch die Sicht der Freiwilligen-Agenturen. Die treten neuerdings so bescheiden auf, obwohl ja auf der Tagung in Würzburg vor zwei Jahren ein großer Wachstumsmarkt prophezeit worden war. Wenn Sie jetzt auch eine Kampagne machen würden für die Freiwilligenarbeit, glauben Sie, dass die Interessierten zu Ihnen strömen würden?
Ingrid Kautz Wir haben es ja noch nicht ausprobieren können. Die Frage ist aber, ob es sinnvoll wäre, das jetzt zu tun. Allzu viel Marktschreien kann auch das Gegenteil bewirken und nach hinten losgehen. Gerade in einer Zeit, wo man den politischen Druck, aktiv etwas zu tun und zu handeln, vor dem Hintergrund erlebt, dass Kürzungen unumgänglich sind, da ist es vielleicht gar nicht günstig, wenn wir uns hinstellen und sagen,: Kommt alle zu uns hier werdet ihr gebraucht und findet eure Zufriedenheit. Ich glaube nicht, dass man dadurch eine allgemeine politische Situation, möglicherweise sogar wirtschaftliches Missmanagement auffangen kann. Man kann das ehrenamtliche Engagement auch nicht überfrachten, weil es da um andere Dinge aus eigenem Anliegen heraus geht. Aber ein bisschen Werbung, denke ich mir, sollten wir auch .... [Hier fehlen einige Sekunden, weil das Tonband gewechselt werden musste]
Einwurf Leif Vielleicht könnten Sie etwas von den Geldern bekommen, die derzeit in etablierte Kanäle reinfließen; die Wohlfahrtsverbände, z.B. das Rote Kreuz in Bayern, das ja andere Geschäftspolitik macht, als es eigentlich sollte, werden opulent alimentiert. Ich erinnere mich an viele Skandale in Wohlfahrtsverbänden. Sie dagegen kriegen ja kein Geld. In Rheinland-Pfalz etwa gibt es nur wenige Agenturen. In jeder größeren Stadt könnte es doch eine geben.
Ingrid Kautz Ich glaube, solches Konkurrenzdenken würde uns nicht gut tun und auch nicht nutzen. Das müsste man grundsätzlich diskutieren und dann überlegen, wohin geht Geld und welche Gegenleistung wird dafür erwartet. Und wenn wir etwas bekämen, schaden würde es nichts, das würden wir nicht ablehnen und zurückschicken. Aber ich weiß nicht, ob das nur auf dieser Schiene zu diskutieren ist. Auf alle Fälle möchten wir auf absehbare Zeit handlungs- und arbeitsfähig bleiben, um das Thema im Gespräch zu halten und um vielleicht weg von etablierten Feldern Neues aufbauen zu können, aber nicht unbedingt in der Form, dass wir dann auch neue Bürokratien aufbauen. Denn das, glaube ich, wird nicht der Königsweg sein, um den es geht. Das schreckt dann eher ab, weil damit die Freiheit und sich Entfaltungsmöglichkeiten eingeengt werden. Eines möchte ich noch sagen. Vorhin, als dieser Vergleich kam zwischen sozialem Engagement und dem Bereich Baugewerbe, fielen mir die Trümmerfrauen ein. Arbeitseinsätze in diesem Bereich hat durchaus schon gegeben. Aber der Hintergrund und die Ausgangslage waren anders. Das Ehrenamt und freiwilliges Engagement von Menschen hat eine lange Geschichte. In jeder Epoche hat es einen Bedeutungswandel erfahren entsprechend den gesellschaftlichen Verhältnissen. Und auch in Amerika gibt es andere gesellschaftliche Verhältnisse und Notwendigkeiten für das Volunteering, die Freiwilligkeitskultur. Man geht dort mit bestimmten Problemen anders um. Das ist in vielen Bereichen nach wie vor eine Wagenburggesellschaft, während bei uns seit Bismarck und den Aufbau der Sozialgesetzgebung eine andere gesellschaftliche Entwicklung stattgefunden hat und das Ehrenamt in einer anderen Tradition steht. Vor diesem Hintergrund glaube ich nicht, dass es ausreicht, durch schlichte Delegation Geld weg von etablierten Stellen an Freiwilligen-Agenturen fließen zu lassen, um damit etwas Neues entstehen zu lassen.
Dr. Martin Nörber Ich muss noch was zur Sahnetorte sagen, die wir täglich verspeisen in den etablierten Verbänden. In Hessen kann man es relativ einfach sagen, weil in Hessen mittlerweile Jugendarbeit und auch andere Verbände aus Lotto-Toto-Mitteln finanziert werden. Die Sahnetorte, die sieht folgendermaßen aus: Die Jugendverbände, es sind 27 an der Zahl, die bei uns organisiert sind, bekommen aus Landesmitteln 3,8 Mio. DM. Das heißt zum Beispiel, um es mal ganz konkret zu sagen und nicht immer nur die Klischees so zu verbraten, die Jugendfeuerwehr hat landesweit 35.000 Mitglieder in Hessen und bekommt für ihre überregionale Arbeit auf Landesebene knapp 100.000 DM. Das ist die Sahnetorte, die wir täglich so verspeisen nur mal so zur Information. Der Landessportbund Hessen bekommt beispielsweise aus Landesmitteln 33 Mio. DM
Dr. Thomas Leif Vielen Dank für die Differenzierung. Das heißt, Geldmittel etwa aus den Wohlfahrtsverbänden oder Sportverbänden wären umzuleiten, auch zu den kleinen Jugendverbänden. Im Zusammenhang mit unserem heutigen Thema möchte ich darauf hinweisen, dass die etablierten Finanzströme immer nur Ergebnisse sind von starker Lobbyarbeit, nicht mehr und nicht weniger. Und wenn es in jeder größeren Stadt in Deutschland ein Freiwilligenzentrum gäbe als Ergänzung, würde sich dieser "Markt" auch entwickeln. Und wenn es dort Berater gäbe, die einen guten Job machen würden, würde der Gesamtgedanke, der heute morgen diskutiert wurde, befördert, nicht mehr und nicht weniger. Aber, und das ist aus der kommunalen Politik rauszulesen, viele Freiwilligenzentren werden von etablierten Strukturen bekämpft. Das ist ganz klar ein Kampf um den zu verteilenden Kuchen. Und die Frage war ja an Sie, aber Sie sehen den Punkt nicht so intensiv, ob die Freiwilligen-Agenturen mit dem, was sie eigentlich anzubieten haben, nicht offensiver auftreten könnten.
Ingrid Kautz Wenn solche Bekämpfungen stattfinden, heißt das, dass wir wahrgenommen und auch ernst genommen werden. Aber ich denke nicht, dass wir in diese Kämpfe unsere Energie reinfließen lassen sollten. Wir müssten dann auch eine Funktionärsebene aufbauen. Im Moment haben wir dazu weder die finanziellen noch personellen Kapazitäten. Und wenn unser Anliegen wirklich ernst genommen wird, wird das auch, stelle ich mir vor, berücksichtigt werden, und wir bekommen das Geld oder die Mittel, die unsere Arbeits- und Handlungsfähigkeit aufrecht erhalten, auf die eine oder andere Weise. Es ist nicht Sinn der Sache, dass man mit einer neuen Idee im Grunde genommen nur eine Geldverschiebung vornimmt.
Dr. Thomas Leif Letzte Frage noch mal an den Politiker Mike Corsa zur Stiftung Bürger für Bürger. Jetzt stand ja auch in dem Papier der SPD-Fraktion: Weiterentwicklung der Stiftung Bürger für Bürger". Müsste das, was als Arbeitsprofil skizziert worden ist, im Lichte der Diskussion verändert und erweitert werden?
Mike Corsa Es müsste stärker profiliert werden. Wir befinden uns als Stiftung Bürger für Bürger" unterhalb des Öffentlichen immer noch in einer Kampfsituation, weil verschiedenen Organisationen unsere Existenz als nachteilig für sich ansehen. Meine derzeitige Erkenntnis ist, dass eigentlich das größte Problem, das wir haben, nicht die Finanzmittel sind, möglicherweise auch nicht die Doppelbödigkeit der Politik, sondern die Organisationen, die die Stiftung als Konkurrenz ansehen und sie verdeckt bekämpfen. Ich möchte zum Schluss noch mal ein Beispiel bringen: In Dortmund gab es das erste Freiwilligenzentrum. Trotz der guten Arbeit ist es nicht gelungen, eine Perspektive für das Zentrum zu entwickeln. Politisch Verantwortliche und Fachorganisationen konnten nicht von seiner Notwendigkeit überzeugt werden. So kann man, etwas bösartig formuliert, nämlich genau wie gehabt nebeneinander ohne Miteinander weitermachen. Das ist das große Problem. Und deswegen rufe ich hier von dieser Stelle auf: Bevor wir mit großen Kampagnen und ähnlichem an die Öffentlichkeit gehen, lasst uns mehr zusammenarbeiten. Dann bekommen wir auch diese Lobby, die der ADAC und andere haben. Und es geht darum, Thomas Rauschenbach hat es klar gesagt, dieses Projekt bürgerschaftliches, freiwilliges und ehrenamtliches Engagement" nicht gegen den Wohlfahrtsstaat, sondern als Weiterentwicklung, als Ergänzung des Wohlfahrtsstaats zu sehen. Und dafür müssen wir was gemeinsam tun.
Dr. Thomas Leif Ein großer Auftrag für die Politiker und Lobbyisten hier am Tisch. Wir haben unser Zeitbudget ausgefüllt. Ich möchte mich bedanken beim Plenum, aber auch hier auf dem Podium für die angeregte Debatte, die glücklicherweise über den Begriff hinausgegangen ist und uns vielleicht in den einen oder anderen Fragestellungen bereichert hat. Ich wünsche allen Beteiligten weiterhin viel Spaß bei der ehrenamtlichen Arbeit. © Stiftung Bürger für Bürger 1999 |