Praxis der Stiftungsarbeit
Wie erklären Sie jemandem, der Sie fragt, wie eine Stiftung funktioniert, wie eine Stiftung funktioniert?
| Neue Rubrik über die Praxis der Stiftungsarbeit von Geschäftsführer Bernhard Schulz |
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Über welches Vermögen verfügen Stiftung in Deutschland?
Zur Zeit gibt es knapp 17.000 rechtlich selbstständige Stiftungen mit einem geschätzten Vermögen von 60 Milliarden Euro. Die jährlichen Ausgaben betragen etwa fünf Milliarden Euro. Das ist einerseits viel Geld, verglichen mit dem Bundeshaushalt aber nur ein kleiner Prozentbetrag – Stiftungen können und wollen daher nicht Ausfallbürge für wegfallende staatliche Leistungen sein.
Die weitaus meisten Stiftungen – mehr als 80 Prozent – verfügen über ein Kapital von deutlich unter einer halben Million Euro – können aus ihren Erträgen also weder hauptamtliches Personal bezahlen noch eine Geschäftsstelle unterhalten. Sie wirken im kleinen, unterstützen Projekte, die in der Regel von bürgerschaftlich Engagierten realisiert werden.
Welche Bedeutung haben Stiftungen in Deutschland?
Viele Stiftungen verstehen sich als Motor für Innovationen, als Ideen- und Impulsgeber, als Experimentfeld für Neues. Da liegt eine große Chance. Als Kompetenzzentrum für ihr jeweiliges Fachgebiet können Stiftungen auch mit wenig Geld viel bewegen. Was die Bürgerinnen und Bürger selbst besser und effizienter als der Staat lösen können, sollten sie auch selbst regeln – dafür können Stiftungen eine gute Plattform sein.
Wann macht es Sinn, eine Stiftung zu gründen?
Aufgrund der Vielzahl der bereits vorhandenen Stiftungen plädiere ich dafür, nicht unbedingt eine neue Stiftung zu gründen, sondern die Zusammenarbeit mit bestehenden Stiftungen zu suchen. Denn eine Stiftungsgründung kostet Zeit und Geld, das man besser in die eigentliche Arbeit statt in Bürokratie stecken sollte. Und bei kleinen Stiftungen fressen die Verwaltungskosten einen nicht unerheblichen Teil der Erträge – bei der Zusammenarbeit entstehen dagegen Synergieeffekte, nach dem Motto: Gemeinsam ist man stark.
Welche Vorteile hat eine Stiftung gegenüber anderen Organisationsformen?
Wesentlicher Pluspunkt einer Stiftung ist, dass sie ‚auf ewig’ gegründet wird – sie kann also beispielsweise zu Lebzeiten auf den Weg gebracht werden und verfolgt die festgelegten Ziele auch über den Tod des Stifters hinaus weiter. Denn das eingebrachte Stiftungskapital darf nicht angetastet werden – für die Arbeit werden nur die Erträge verwendet. Das sorgt für Nachhaltigkeit, also eine dauerhafte Verfolgung des Zweckes.
Welche Formen des finanziellen Engagements in Stiftungen sind zu empfehlen?
Welche weiteren Möglichkeiten haben Stiftungen, Einnahmen zu erzielen?
Neben den oben bereits
ausgeführten Erträgen aus dem Stiftungskapital können Stiftungen eigene
Einnahmen erzielen, etwa aus Vermietung oder Verpachtung, aus dem Verkauf von
Gütern und Dienstleistungen oder durch Veranstaltungen (Eintritt, Catering
etc.).
Weiterhin zu nennen sind Spenden, die bei als gemeinnützig anerkannten
Stiftungen in der Regel bis zu fünf Prozent des Jahreseinkommens steuermindernd
geltend gemacht werden können.
Auch das Sponsoring – also Leistung und Gegenleistung, etwa die Bereitstellung
von Sachleistungen im Austausch gegen Marketingleistungen, leistet einen
wichtigen Beitrag.
Wer kann Stifterin und Stifter werden?
Es gibt Wohltäter, denen sieht man es nicht an. Denn natürlich kann man auch anonym eine Stiftung unterstützen oder verlangen, dass der eigene Name nicht genannt wird. Für diejenigen, die Gutes tun und darüber reden wollen: Durch 60 Jahre Frieden und Wohlstand in unserem Lande sind zum Teil erhebliche Vermögen entstanden. Da das letzte Hemd bekanntlich keine Taschen hat, empfehle ich, bereits frühzeitig Kontakt zu einer Stiftung aufzunehmen, sich schon einmal mit kleineren Beiträgen zu engagieren und zu prüfen, ob die Mittelverwendung zur vollsten Zufriedenheit geschieht. Dann ist auch an eine testamentarische Zuwendung zu denken. Denn wer von unserem Gemeinwesen ein Leben lang profitiert hat, kann sich nach einem erfüllten Leben revanchieren und etwas zurückgeben – dafür bieten sich Stiftungen an.
Was fördern Stiftungen?
Es gibt etwa gleich viele finanziell fördernde und sogenannte operative Stiftungen in vielfältigen Bereichen wie Soziales, Kunst, Kultur, Sport, Denkmalschutz, Forschung. Bei den finanziell fördernden kann man in der Regel einen Antrag stellen, über den dann ein Fachgremium entscheidet. Die Verfahren (Formulare, Termine, Kriterien) sind sehr individuell und daher im Einzelfall zu prüfen. Eine Anfrage als Serienbrief an zig Stiftungen zu schicken, macht auf jeden Fall keinen Sinn – besser vorher im Internet und telefonisch recherchieren.
Die operativ tätigen Stiftungen fördern nur ihre eigenen Projekte bzw. suchen sich Kooperationen selbst – da macht ein Förderantrag keinen Sinn, ein Angebot zur Zusammenarbeit schon eher.
Wie ist die konkrete Situation bei der Stiftung Bürger für Bürger?
Leider ist das Stiftungskapital mit 118.000 Euro denkbar gering, d.h. wir erzielen bei einer Rendite von 5,19 % nur ca. 6.000 Euro jährlich an Erträgen. Das reicht immerhin für die Büromiete, Telefon, Porto, Fax, E-Mail, Schreibwaren etc.. Für die Projekte muss aber weiteres Geld eingeworben werden bzw. sie müssen sich durch Einnahmen finanzieren. Daher gibt es zur Zeit eine klassische Mix-Finanzierung aus öffentlicher Förderung, eigenen Einnahmen etwa aus Vorträgen, Beratungen und Dienstleistungen sowie Spenden und Sponsoring.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Stiftung?
Da die Förderung des bürgerschaftlichen Engagements eine große Bedeutung und einen zunehmenden Stellenwert in unserem Gemeinwesen hat, hoffe ich, dass dies auch Stifterinnen und Stifter verstärkt erkennen und sich in diesem Feld engagieren. Das Stiftungskapital muss dringend erhöht werden, um den vielfältigen Aufgaben gerecht zu werden und weitere Impulse auf dem Weg zu einer solidarischen und gerechten Bürgergesellschaft zu geben. Auch Spenden und Sponsoring können uns helfen, wichtige Projekte zu realisieren.
Weitere Infos:
Bernhard Schulz
Geschäftsführer der Stiftung Bürger für Bürger
Tel. 030 / 24 31 49-0
E-Mail:
info@buerger-fuer-buerger.de
Bernhard Schulz (44), geb. in Soest (NRW), gelernter Industriekaufmann, Diplom-Medienwirt, ist seit 1999 Geschäftsführer der Stiftung, ab Mai 1998 Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Stiftung und davor freiberuflicher Journalist u.a. bei der Berliner Morgenpost.