Neues CIVITAS-Projekt für Demokratie und Toleranz
Neues
CIVITAS-Projekt für Demokratie und Toleranz:
Förderung des gemeinsamen Engagements
von jugendlichen Aussiedlern und Einheimischen
Stiftung realisiert Integrationsprojekt in Potsdam und Weißwasser (Oberlausitz)
Der
Ausländeranteil in den neuen Bundesländern ist mit etwa zwei Prozent im
Vergleich zu westdeutschen Bundesländern sehr gering. Daher dürfte die dortige
vielfach vorhandene Fremdenfeindlichkeit kaum auf negativ empfundene
Erfahrungshintergründe mit Migranten zurückzuführen sein.
Problemsituationen gibt es jedoch in Wohngebieten mit einer hohen Konzentration
von Spätaussiedlern. Während in der ersten Hälfte der 90er Jahre rund 80 Prozent
Spätaus-siedler nach Deutschland kamen, die die deutsche Sprache weitgehend
beherrschten und damit gute Chancen zur Integration hatten, kamen in den
vergangenen Jahren rund 80 %, die keine deutschen Sprachkenntnisse haben – wohl
aber einen deutschen Pass. Unter ihnen sind viele Jugendliche, die entweder
ungefragt, mitunter sogar gegen ihren Willen und vielfach mit völlig anderen
Vorstellungen den Weg nach Deutschland fanden.
In der
neuen, fremden Umgebung, entwurzelt und „sprachlos“, sind sie mit der neuen
Situation völlig überfordert. Die Folgen sind häufig ein Rückzug in die eigene
Community, oft verbunden mit übermäßigem Alkoholkonsum, Drogen, Gewalt,
Kriminalität. Der Anteil jugendlicher Straftäter, nicht vorhandener bzw. abgebrochener Ausbildungen und Schulabschlüsse ist bei männlichen, jugendlichen Migranten bzw. Aussiedlern signifikant höher als bei Einheimischen.
Einen
Ausweg aus dieser Misere bieten sicherlich nur gesamtgesellschaftliche
Anstrengungen aller gesellschaftlichen Gruppen, also z.B. von
Ausbildungsstätten, öffentlichen Verwaltungen, Unternehmen,
Wohnungsbaugesellschaften, Volkshochschulen, Stadtteil- und Begegnungszentren,
Jugendzentren, Vereinen, Projekten und Initiativen.
Als
integrationsunterstützende Maßnahme richtet sich das neue Projekt der
Stiftung„Förderung des gemeinsamen Engagements von jugendlichen Aussiedlern und
Einheimischen“ nicht nur an die Spätaussiedler selbst, sondern auch an das
Gemeinwesen und die einheimische Bevölkerung. Mit Förderung durch das auf
zivilgesellschaftliche Strukturen im Gemeinwesen ausgerichtete Programm CIVITAS
sollen Modelle erprobt werden, die nachhaltige Lösungsansätze für
Konfliktsituationen in lokalen Brennpunkten aufzeigen.
In dem
auf knapp zwei Jahre angelegten Modellprojekt (April 2005 bis Ende Dezember
2006) sollen entsprechende, bereits erprobte Handlungsansätze eruiert, weiter
entwickelt und deren Übertragbarkeit auf andere Gemeinwesen erprobt werden.
Dazu
wurden zwei Orte (mit Potsdam eine Großstadt, mit Weißwasser eine mittlere)
ausgewählt, an denen gemeinsam mit lokalen Partnern Projekte umgesetzt werden,
die ausgehend von Gemeinwesenstrukturen einheimische und Aussiedler-Jugendliche
bei gemeinsamen Aktivitäten zusammenbringen. In den beiden Ländern Brandenburg
und Sachsen haben rechtsradikale Parteien bei den jüngsten Landtagswahlen den
Einzug ins Parlament geschafft.
Durch
gemeinsame Erlebnisse sollen die Teilnehmer/innen (schwerpunktmäßig Schülerinnen
und Schüler im Alter von 12-18 Jahren) die Zusammenarbeit miteinander einüben,
gegenseitiges Verständnis entwickeln, aber auch darin bestärkt werden, aktiv zu
werden und sich einzubringen. Dazu sind Aktivitäten notwendig, die bei den
Interessen der Jugendlichen ansetzen.
So wird eine Gruppe Jugendlicher ein Theaterstück
entwickeln, einüben und aufführen, was von einer anderen Gruppe gefilmt und zu
einer Dokumentation verarbeitet wird.Musikinteressierte Jugendliche sorgen für den guten Ton bei den Auftritten, an
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Interessierte rühren die Werbetrommel und
gestalten Pressemitteilungen, Flyer und Plakate.
Damit
entstehen in sich abgeschlossene Projekte von der Idee bis zur Realisierung,
also etwa der Aufführung des Theaterstücks oder der Vorführung des fertigen
Films. Dies schafft einen großen Anreiz, dass die Jugendlichen auch „bei der
Stange bleiben“, am Projekt bis zum Ende mitwirken und anschließend
möglicherweise neue Aktivitäten in Angriff nehmen.
Bei
all den genannten Aktivitäten steht die praktische Arbeit im Mittelpunkt, an der
einheimische und Aussiedler-Jugendliche gemeinsam mitwirken - ein wichtiger
Beitrag zum außerschulischen Lernen in der Praxis, das gerade den im
theoriebeladenen Schulunterricht schwächeren Schülern sehr entgegenkommt und ihr
Selbstvertrauen stärkt.
Im
Vordergrund steht nicht mehr die sonst so oft dominierende defizitorientierte
Betrachtung der jugendlichen Zuwanderer, sondern die Hinwendung zu Kompetenzen
und Erfahrungen. Jugendliche Zuwanderer verfügen über Fähigkeiten und
Kenntnisse, die auch unser Leben in Deutschland bereichern können.
Quasi
als „Nebeneffekt“ lernen sich die Jugendlichen (besser) kennen und fungieren als
Teil eines erfolgreichen Teams. Das stärkt das Verständnis für- und das
Vertrauen ineinander und leistet damit letztendlich einen wichtigen Beitrag für
gelebte Demokratie, die vom Mitwirken jedes Einzelnen abhängt. Durch die
Projektpräsentationen (z.B. Theater-Aufführung) kann dieser positive Effekt im
Idealfall sogar auf die Zuschauer „überspringen“.
Darüber hinaus wird die soziale Kompetenz der Teilnehmer/innen (sowohl der
einheimischen als auch der Aussiedler) gestärkt, Sprachprobleme der
Aussiedler-Jugendlichen werden durch „learning by doing“ verringert, neue
Freundschaften können entstehen.
Die
Ergebnisse der modellhaften Erprobung werden aufbereitet, dokumentiert und in
einer Abschlussveranstaltung kommuniziert und deren Übertragbarkeit auf andere
Kommunen diskutiert. Die
Projekte sind so angelegt, dass sie nach der Anschub- und Modellphase von den
Beteiligten künftig – zumindest in abgespeckter Form – in Eigenregie organisiert
und weitergeführt werden können.
Die lokalen Partner:
Der Malteser
Treffpunkt Freizeit (MTF) ist die größte Kinder- und
Jugendfreizeiteinrichtung des Landes Brandenburg und besitzt in Potsdam (ca.
130.000 Einwohner) gesamtstädtische Bedeutung. Es stehen zahlreiche
Räumlichkeiten (gesamt ca. 15.000 qm Nutzfläche) zur Verfügung wie z.B.
Theatersaal, Spiegelsaal, Foyerräume, Werkstattbereich, Turnhalle mit
Kletterwand, Jugendclubbereich mit Küche und drei Veranstaltungsräume sowie 2000
qm Freifläche direkt am Heiligen See.
Generationsübergreifend und altersdifferenziert gibt es u.a. Kurs- und
Schulungsangebote, Projektentwicklung, Veranstaltungen, Aufführungen und
Ausstellungen zu den Themenkomplexen Theater / Tanz / Kreativ, Sport /
Gesundheit, Jugendclub und Mathe / Naturwissenschaften / Technik. Außerdem
arbeiten rund ein Dutzend weiterer Vereine im Haus.
Adresse: MTF, Am
Neuen Garten 64, 14469 Potsdam, Tel. 0331 / 50 58 600, Fax 0331 / 50 58 60 20,
E-Mail:
treffpunktfreizeit@aol.com, Internet:
www.treffpunktfreizeit.de
Der
Schlupfwinkel Weißwasser & Lausitzer Bildungsgesellschaft e.V. arbeitet als
freier Träger der Jugendhilfe im Bereich Hilfen zur Erziehung, Kindergarten und
Hort. Weiterer Schwerpunkt ist in verschiedenen Projekten die nachhaltige
präventive Arbeit mit Kindern und Jugendlichen mit sozialräumlichen und
generationsübergreifenden Arbeitsansatz.
Der
Generationstreff „SpinnNetz“ ist als Präventionsangebot in einem sozialen
Brennpunkt etabliert und bietet gute Zugangsmöglichkeiten zu den geplanten
Zielgruppen.
Weißwasser (ca.
22.000 Einwohner) gehört im ostsächsischen Raum zu den Ballungsgebieten des
Aussiedlerzuzuges. Der Anteil beträgt mit ca. 2.500 mehr als elf Prozent.
Adresse: Forster
Strasse 22, 02943 Weißwasser, Tel. und Fax 03576 / 20 90 16, E-Mail:
spimowsw@lycos.de
Stellungnahmen örtlicher Stellen:
Ronald Krause, Bürgermeister für Finanzen, Bildung, Freizeit und Soziales der Großen Kreisstadt Weißwasser (Oberlausitz): „Die Idee mit einem gemeinsamen Projekt alle Jugendlichen in die Planung und Umsetzung von Freizeitaktivitäten mit einzubeziehen, wird von uns außerordentlich befürwortet und unterstützt.“
N. Schweers, Jugendamt der Landeshauptstadt Potsdam: „Mit der Projektpartnerschaft erweitert der Malteser Treffpunkt Freizeit die außerschulische Jugendbildung durch eine kreative und bewusste Auseinandersetzung mit bestehenden Wertesystemen und aufgrund aktueller Tendenzen und Erfordernisse.“