Integration durch Selbsthilfe und Ehrenamt: Ehrenamtlichenbörse für Spätaussiedler und russischsprachige Zuwanderer
Stefanie Schiffer, Geschäftsführerin des Deutsch-Russischen Austausch e.V.

Ziel:

Mit dem im September 2000 eröffneten Freiwilligenprogramm wendet sich der Deutsch-Russische Austausch e.V. (DRA) an in Berlin lebende Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedler und andere russischsprachige Zuwanderer.

Ihnen soll die Möglichkeit geboten werden, sich bei interessierten Berliner Trägern, Organisationen, Gemeinden und in deutsch-russischen Kooperationsprojekten ehrenamtlich zu engagieren.

Ziel ist zum einen, durch ehrenamtliches Engagement die sozialen Kontakte von Spätaussiedlern und russischsprachigen Zuwanderern zu fördern und ihr Selbsthilfepotential zu unterstützen. Zum anderen profitieren Berliner Träger und Projekte von den Kenntnissen und Fähigkeiten dieser Menschen, ihren Sprach- und Landeskenntnissen, aber auch ihren beruflichen Kompetenzen.

Die Ehrenamtlichenbörse stellt somit einen wichtigen Beitrag zur Vernetzung zwischen verschiedenen Strukturen im Bereich Aussiedlerarbeit und Freiwilligengagement dar und fördert die soziale und gesellschaftliche Integration der Spätaussiedler.

Vermittlung/Vorgehensweise

Bei der Gewinnung und Begleitung von Ehrenamtlichen legen wir sehr viel Wert auf den persönlichen Kontakt. Aus diesem Grund versuchen wir an die Gruppe der Spätaussiedler und russischsprachigen Zuwanderer über Einrichtungen heranzutreten, die Deutschkurse anbieten. Ferner stellen wir unser Projekt – sofern die Möglichkeit dazu besteht, z.B. in Arbeitskreisen, Veranstaltungen – immer gerne persönlich vor.

Interessierte Personen und Organisationen wenden sich für ein erstes Informationsgespräch telefonisch oder per e-mail an die DRA-Projektleiterin bzw. Projektassistentin.

Träger und Organisationen, die Interesse an der Mitarbeit von Ehrenamtlichen haben, beantworten einen Fragebogen. Darin werden die Betätigungsfelder, Angebote und Rahmenbedingungen für ehrenamtliches Engagement ermittelt. Es existiert bereits ein Pool an Aufnahmeorganisationen, der von uns aktualisiert wird.

Zwischen Personen, die sich engagieren möchten, und der Projektleiterin bzw. Projektassistentin wird ein persönlicher Gesprächstermin vereinbart. Dieses Gespräch dient zur Klärung der Interessen und Vorstellungen des Ehrenamtlichen. Bestehende konkrete Angebote für ehrenamtliche Mitarbeit in Organisationen werden besprochen.

Es erfolgt anschließend die Vermittlung zwischen den entsprechenden Organisationen und den Ehrenamtlichen. Soweit dies nötig ist, helfen wir bei ersten Terminabsprachen. Wichtig ist, die Interessen, Erwartungen und Möglichkeiten beider Seiten im Vorfeld konkret zu erfragen und aufeinander abzustimmen.

Die Vermittlung ist kostenlos – sowohl für die Ehrenamtlichen als auch für die Aufnahmeorganisationen.

Angebot

Betätigungsfelder

Die Aufgabenfelder für ehrenamtliches Engagement sind so vielfältig wie die Bereiche, in denen die Aufnahmeorganisationen und Träger aktiv sind. Möglich sind zum Beispiel:

Ausschlaggebend für die Vermittlung der Ehrenamtlichen ist in erster Linie ihre eigene Vorstellung über Art und Umfang ihres freiwilligen Engagements.

Bisher nahmen an dem Projekt ca. 45 Personen teil.

Projektberatung

Unter den Besuchern und Klienten der Ehrenamtlichenbörse finden sich Spätaussiedler und russischsprachige Zuwanderer, die ihre eigenen Ideen in Projekte umsetzen wollen. Sie verfügen über spezielles Wissen in einem Fachgebiet und wollen dieses zugunsten des Gemeinwesens, in dem sie nun leben und zur Bereicherung des Angebots am neuen Wohnort einsetzen. Dabei stoßen sie auf Barrieren und Probleme, die mit Kenntnissen und Erfahrungen aus dem alten Kulturkreis nicht zu bewältigen sind.

Diesen Menschen, die eigene Projektideen realisieren möchten, bietet der DRA Seminare "Von der Idee zum Projekt" an: Es werden Grundbegriffe des Projektmanagements und des Fundraisings erarbeitet. Darüber hinaus werden Techniken der Problem- und Zielanalyse vermittelt. Alle Übungen und Aufgaben im Seminar werden direkt an den Projektideen der Teilnehmer zur Anwendung kommen.

Bisher fanden 2 Seminare statt, an denen insgesamt 25 Personen teilgenommen haben.

Probleme

In Bezug auf die Teilnehmer:

Zum einen ist der Begriff Ehrenamt den Spätaussiedlern und russischsprachigen Zuwanderern, die aus der ehemaligen Sowjetunion kommen, unbekannt. Mit der öffentlichen Arbeit dagegen verbindet man eher negative Assoziationen, da sie in ihrer alten Heimat öfters erzwungen, zuweilen mit gewissen Privilegien oder Verpflichtungen verbunden war.

Zum anderen stellt sich die Frage, ob Aussiedler und Zuwanderer – aufgrund ihrer neuen Lebenssituation – die nötige Zeit und Energie dafür aufbringen. Die meisten suchen eine bezahlte Arbeit und sehen keinen Sinn in einer unentgeltlichen Tätigkeit.

In Bezug auf Projektmanagement: