Podiumsdiskussion

Frau Schwarz:

...Ich darf Ihnen kurz noch einmal die Podiumsgäste vorstellen:

Petra Schwarz:

Herr Willenberg, nach allem, was sie heute gesehen und gehört haben und was Sie zur Thematik wissen, (es ist ja auch Ihr Arbeitsgebiet) die Frage an Sie:

Sind denn die Möglichkeiten bürgerschaftlichen Engagements im Zusammenhang mit dem Thema heute ausgeschöpft?

Und wenn nicht, dann wüssten wir gerne, wo Sie weitere Betätigungsfelder für Spätaussiedler im bürgerschaftlichen Engagement sehen und welche Sie als Hauptfelder betrachten? Geben Sie uns eine kleine Zusammenfassung?

Herr Willenberg:

Sehr gern, Frau Schwarz. Zunächst muss ich sagen, dass derartige Veranstaltungen, wie die heutige hier in der Tat ein Beispiel abgeben, in welcher Form ehrenamtliches Engagement gerade auch für die Spätaussiedler, aber nicht nur für die, sondern für die Aussiedler auch hier möglich und machbar sind. Und natürlich gibt es wie in allen anderen Bereichen auch immer noch Dinge, die noch besser und noch intensiver und konzentrierter gemacht werden können. Ich möchte nur zunächst einmal folgendes feststellen hier:

Das ehrenamtliche Engagement gerade in dem Bereich der Integration hat ja vielfältige Wurzeln. Hat in den Städten und Gemeinden sicherlich schon zu guten Ergebnissen geführt und wir haben heute Nachmittag einige Beispiele kennen gelernt, wo wirklich in der Praxis diese Integration gut verläuft. Und insoweit auch noch ausgebaut werden kann. Aber es gibt auch Gemeinden, und das muss man klar und deutlich feststellen, die eben noch nicht so weit sind. Und die müssen wir dazu bringen, sollten wir dazu bringen - auch unter anderem mit solchen Veranstaltungen wie dieser – Maßnahmen zusätzlich zu überlegen, die auf ehrenamtlichem Engagement basieren. Ich darf das kurz an einem Beispiel von meiner Heimatgemeinde erläutern. Auch bei uns, in der Nähe von Bonn bin ich beheimatet, gibt es einige, oder ich will schon sagen, es ist auch eine Vielzahl von Aussiedlern, die sowohl vom Kindergarten, wie über die Schulen, auch in Jugendklubs teilweise jedenfalls beheimatet sind. Und was ich immer festgestellt habe, war die Tatsache, dass die Abneigung, will ich schon fast sagen, der einheimischen Bevölkerung gegenüber den Deutschen aus der ehemaligen Sowjetunion doch relativ groß ist. Das hängt damit zusammen, dass man nicht weiß, woher sie kommen, welches Schicksal sie haben und welche großen Mühen sie hinter sich gebracht haben, auf dem Weg, nach Deutschland zu kommen. Das heißt also, es bedarf da noch einer gewissen Aufklärung in der Bevölkerung, in der einheimischen Bevölkerung, um dieses Thema noch etwas virulenter zu machen und auch für jeden verständlich zu machen.

Damit komm ich dann gleich zu der Akzeptanzfrage. Das ist meines Erachtens eine ganz wichtige Tatsache. Denn wenn ich zum Beispiel von Eltern höre, die es bedauern, dass Aussiedlerkinder in einer durchaus höheren Zahl, manchmal klassenweise von 20 –25% in diesen Klassenverbänden sind und mir dann gesagt wird, dadurch wird das ganze Lernniveau nach unten gezogen, weil die eben kein richtiges Deutsch können, oder gar kein Deutsch können, dann muss ich ganz deutlich sagen, ist das bedauerlich. Denn hier wird dann eine Gruppe sozusagen voll aus dem Verband herausgenommen und wird in die Ecke gestellt. Viel wichtiger ist es, dass man diese Diskrepanz, die noch immer besteht, auch die Klüfte, die noch immer bestehen überbrückt werden. Deshalb ist das so wichtig, und ich rate auch, den Eltern, die zu mir kommen, (natürlich weiß man, wo ich beschäftigt bin und das ich auch mit dieser Thematik beschäftigt bin) rate ich Ihnen wirklich, gehen Sie auf diese Menschen zu. Ich glaube, das ist das Wesentliche. Man muss auf diese Leute zugehen. Man muss versuchen, trotz ihrer Sprachbarrieren, sie in Vereinen, Sport mit Aussiedlern, oder wie es jetzt heißt, Integration durch Sport, zu begeistern. Dann kommen sie in den Verband. Aber genauso deutlich muss ich sagen, das ist keine Einbahnstrasse, sondern es muss auch von den Spätaussiedlern kommen.

Und hier ist genauso groß eine Kluft vorhanden, in dem Sinne nämlich, dass man früher den großen Fehler gemacht hat, dass Spätaussiedler in gewissen Gebieten konzentriert worden sind. Dass man Wohnblocks erstellt hat, von den Gemeinden, wo nur Aussiedler sind. Da hatte man dann den internen Kontakt. Man sprach unter sich russisch und man hatte so weit wie möglich Distanz bewahrt zu der Nachbarschaft. Dieses wird heutzutage nicht mehr so durchgeführt. Wir sind dabei, eine Wohnkonzeption bei uns zum Beispiel in der Gemeinde zu erstellen, wo wir sukzessive diese Bewohner auch aus diesen Ghettos, so will ich sie mal bezeichnen, herausholen in die normale Wohnfeldbebauung, um dann mit den Einheimischen unmittelbar den Kontakt zu haben. Und wie kann man schneller auch mit Spätaussiedlern in Kontakt kommen, wenn nicht durch das tägliche Leben. Bei der Arbeit genauso gut wie auch im Freizeitbereich und auch im Bereich des Wohnens. Und das wäre, glaube ich, eine Aufgabe, die wir uns alle noch vornehmen können. Soweit das in einigen Städten schon gelungen ist, um so besser. Aber ich glaube, es gibt bei uns in Deutschland noch genügend Defizite, um dieses genauer ins Blickfeld zu nehmen und hier aufeinander zuzugehen.

Petra Schwarz:

Herr Willenberg, der Appell ist das eine, aber ich denke hier in diesem Raum ist es natürlich ganz klar, dass man aufeinander zugehen muss. Dafür gibt es ja sozusagen die Aktivitäten und viele, viele Projekte. Haben Sie denn eine Idee, wo sie sagen, wie schaffen wir das, die Leute wirklich zusammenzukriegen? Wir haben ja hier etwas ganz Praktisches gesehen.

Appelle wie gesagt, sind das eine. Wie schaffen Sie es wirklich, die Leute offen zu machen, offen zu kriegen?

Herr Willenberg:

Ja, wir haben ja durch unsere Maßnahmen in der Integration eine gewisse Umstrukturierung vorgenommen. Was für uns ganz wesentlich ist und was wir in den letzten zwei Jahren ganz besonders praktizieren, ist, in gewisse Brennpunkte hineinzugehen. Nicht zu warten, bis die Leute zu irgendwelchen Seminaren oder Veranstaltungen kommen, sondern, und das sind die Projekte, die wir auch fördern, wir gehen in die Brennpunkte hinein. Wir sagen das und nennen das als wohnumfeldbezogene Maßnahmen. Wir gehen in diese Bereiche rein, wo insbesondere eine hohe Bewohnerzahl von Spätaussiedlern sind. Und machen dort unmittelbar unsere Projekte, führen Aussiedler, und auch Ausländer und die einheimische Bevölkerung und darauf kommt es mir im Wesentlichen an, zusammen. Und solche Projekte laufen. Sehr erfolgreich laufen sie und daran kann man auch noch weiter arbeiten und das lässt sich auch von unserer Seite auch mit gewissen Geldern fördern.

Petra Schwarz:

Danke fürs Erste, Herr Willenberg. Ich will Frau Nazarenus fragen. Sie kümmern sich, der Vereinsname sagt es, um Jugendliche. Deutsche Jugend aus Russland e.V., so heißt der Verein. Es geht ja heute sowohl darum, wie man sich ehrenamtlich um Aussiedler kümmert aber auch, wie Aussiedler ehrenamtlich etwas tun können. Wie funktioniert das bei Jugendlichen? Interessiert die das überhaupt?

Frau Nazarenus:

Also, der Herr Willenberg hat es eben, glaub ich, auf den Punkt gebracht. Und zwar: Integration ist natürlich keine Einbahnstrasse. Also das heißt, für uns ist es auch eine Selbstverständlichkeit, dass wir uns auch aktiv an der Integrationsarbeit beteiligen wollen.

Wir, die Russlanddeutschen Jugendlichen, die selbst einmal denselben Weg gegangen sind, die bereits Fuß gefasst haben, und den anderen jugendlichen Russlanddeutschen bei der Integration helfen wollen. Denn, wir gehen davon aus, dass eigentlich keiner so gut unsere Probleme, aber auch Träume und Wünsche kennt wie wir selbst. Deswegen wie gesagt, war das eigentlich damals die Grundidee, wieso es zu der Gründung unseres Vereins, unserer Jugendorganisation kam. Offiziell wurde der Verein vor 2 Jahren gegründet. Heutzutage zählen wir schon 5.000 Mitglieder. Wir sind bundesweit organisiert, auch auf der Landesebene und auf der Orts- und Kreisebene. Das Hauptziel ist natürlich, Hilfe zur Selbsthilfe. Und gerade bei den Jugendlichen, wo in der öffentlichen Diskussion immer öfters darüber gesprochen wird, dass die eigentlich gar nicht motiviert sind, sich in die Gesellschaft zu integrieren, trifft dies überhaupt nicht zu. Also das können wir aus eigener Erfahrung sagen, denn gerade die Russlanddeutschen Jugendlichen sind sehr motiviert und machen ganz begeistert bei unseren Aktivitäten mit. Man muss sich natürlich fragen, aus welchen Gründen es manchmal dazu kommt, dass sie sich in den eigenen Kulturkreis zurückziehen und praktisch eine Mauer um sich aufbauen. Dafür gibt es mehrere Gründe.

Also ich persönlich finde, und das ist einer der wichtigsten Gründe, dass es das mangelnde Selbstbewusstsein der Jugendlichen ist. Wir haben aus der Erfahrung jetzt gemerkt, dass in der Jugendarbeit, dass nur ganz wenige Russlanddeutsche in die reguläre Jugendarbeit in Deutschland eingebunden ist. Und als wichtigsten Grund sehen wir das mangelnde Selbstbewusstsein. Nur ganz wenige trauen sich, diese Hemmschwelle zu überwinden und in einheimischen Sport-, Jugend-, Tanzvereinen, wie auch immer, mitzumachen. Die meisten suchen aber nach diesem Schutzfeld. Und seitens unserer ehrenamtlichen Multiplikatoren finden sie halt diese Unterstützung. Wir helfen den Jugendlichen vor Ort diese Schutzfelder, Selbsthilfegruppen aufzubauen. Sei es eine Sport-, Tanz-, Theater- oder Musikgruppe. Sehr viel machen wir auf dem Weg der Öffentlichkeitsarbeit. Denn gerade in der letzten Zeit prägen mehr Vorurteile das Bild des Russlanddeutschen in der Öffentlichkeit. Und wir fragen uns natürlich auch immer, wie kommt es denn überhaupt zu diesen Vorurteilen. Und was kann man dagegen tun, um die zumindest abzubauen. Unsere Meinung ist, man muss auch positive Beispiele der Integration an die Öffentlichkeit transportieren. Denn über Negatives wissen wir, glaube ich, alle Bescheid. Über das Positive leider zu wenig. Also diese positiven Beispiele gibt es natürlich. Nur wenige wissen zum Beispiel, dass in der Olympiamannschaft mehrere Russlanddeutsche dabei waren. Keiner spricht davon. Aber wenn etwas Negatives passiert, heißt es sofort in den Medien, das war ein Russe, oder es war ein Kasache oder es war ein Russlanddeutscher. Wie auch immer.

Also wie gesagt, auf dem Gebiet der Öffentlichkeitsarbeit machen wir sehr vieles.

Veranstaltungen wie Begegnungsabende, Informationsveranstaltungen. Wir richten unsere Arbeit aber nicht nur nach außen, sondern auch nach innen. Das heißt, für die Jugendlichen bieten wir Unterstützung bei der Gründung dieser Selbsthilfegruppen. Wir veranstalten Multiplikatorenschulungen. Wir machen auch sehr vieles in der Bildungsarbeit. Und das alles auf ehrenamtlicher Basis. Das heißt zum Beispiel, wenn ein Informatiker, also auch ein Russlanddeutscher, weiß, wie man mit einem Computer umzugehen hat, dann engagiert er sich bei uns in unserem Jugendverein und bringt sein Wissen weiter. An diejenigen, die vielleicht weniger Ahnung haben. Das heißt über Hilfe zur Selbsthilfe. Es wird eine sehr produktive Integrationsarbeit geleistet.

Frau Schwarz:

Frau Nazarenus, zur Integration trägt es aber, wenn ich es recht verstehe, relativ wenig bei. Wenn Sie helfen, dass sich die jungen Leute, die sich ja natürlich erst zurechtfinden müssen, zusammenfinden und ihr Ding machen. Sag ich mal so salopp. Oder habe ich das missverstanden?

Frau Nazarenus:

Erst mal zusammenfinden, um sich auch als Wert zu erleben. Also Sie müssen zum Beispiel eine Tanzgruppe auf der Szene erleben. Wo auf einmal der Akzent gar keine Rolle mehr spielt. Und wenn die Leute dann merken, wie toll sie rüberkommen, auf einmal zählt das, was sie können. Und wie toll, das ihr Selbstbewusstsein dann aufbaut. Dann, wenn sie erst einmal so weit sind, wenn das Selbstbewusstsein gestärkt ist, dann öffnen sie sich auch automatisch den anderen. Es ist auf keinen Fall das Ziel, im stillen Kämmerlein im eigenen Saft zu schmoren. Auf gar keinen Fall. Also wir streben diese Einbindung in das kommunale Netzwerk an, wir streben auch die Einbindung in das Gemeinwesen an. Das heißt, wir suchen diese Kooperation auch mit anderen Partnern der Integrationsarbeit.

Frau Schwarz:

Danke schön für erste, wenn sie klatschen wollten, tun sie das bitte. Also alle Fragen, die Sie jetzt schon entwickeln, bitte noch ganz kurz bei sich behalten. Es geht dann in Kürze los, wenn wir die anderen beiden auf dem Podium gehört haben. Frau Stefanie Schiffer kennen Sie ja schon. Sie hat uns vorhin ja ihre Art Freiwilligenagentur vorgestellt. Wo Sie versuchen, zu vermitteln. Das heißt, wir haben schon einiges von Ihnen gehört, wie sich Spätaussiedler ehrenamtlich engagieren. Die Frage jetzt mal weitergehend, sie haben ja auch gesagt, wir könnten uns noch mehr vorstellen, sie versuchen auch noch ein paar Sachen. Aber ausgehend davon, dass man ja wirklich erst mal im Alltag versuchen muss, sich zurechtzufinden und dann möglicherweise anstrebt, einen Job zu bekommen, für den man logischerweise eine Bezahlung haben möchte, stelle ich mir dann doch schwer vor, dass man noch Energie hat, ein Ehrenamt zu machen. Wie sehen Sie das?

Frau Schiffer:

Ja, ich habe ja schon gestanden, dass unsere statistische Basis nicht sehr breit ist. Also die 20 Personen, die wir vermittelt haben, da kann man keine generellen Schlüsse ziehen. Aber sie waren wirklich aus allen Altersgruppen. Und ich würde auch sagen, das Ehrenamt ist für alle möglich. Jeder kann ein Ehrenamt ausführen. Die Frage ist natürlich schon, an wen man als nächstes oder als erstes herantreten kann und wer auch leicht zu motivieren ist für ein Ehrenamt. Und da kann man so aus der Erfahrung schon sagen, dass es sehr viel auch junge Leute sind. Solche, die studieren zum Beispiel, die Zeit haben und die es auch als professionelle Qualifikation sehen. Also a) als gesellschaftliches Ereignis, aber auch als ein Einstieg, auch mal etwas anderes kennen zulernen, und als professionelle Qualifikation in dieser Form auch. Und auch Leute, die schon im Rentenalter sind, die vielleicht schon, wenn es Russlanddeutsche sind, hier gearbeitet haben. In Deutschland, in ABM-Maßnahmen oder in anderen Projekten. Und vielleicht auch schon wissen, was ein Verein ist, wie so etwas funktioniert und dann sagen, das kann ich doch auch ehrenamtlich machen. Also ich würde sagen, auf diese Frage kurz geantwortet: alle Altersgruppen sind vertreten und potenziell ist Ehrenamt auch für alle möglich. Was die Deutschen betrifft, die wir jetzt auch vermitteln wollen in Ehrenamtsprojekte, von russischsprachigen Zuwanderern, da haben wir auch diese zwei Altersgruppen. Also wir haben da so einen Stamm von 25 Ehrenamtlichen, die selber in unserem Verein beim deutsch-russischen Austausch helfen und das sind vor allem auch Studenten: Slawisten, Slawistinnen, Leute die mal in Russland waren, Journalisten, die russisch können und dann auch eine große Gruppe von älteren DDR-Bürgern, die russisch können, die das halt beruflich gemacht haben. Russischlehrer, Russischlehrerinnen, Leute, die im russischen Fernsehen von der DDR gearbeitet haben. Die interessieren sich sehr dafür. Und die sind auch bereit, dann schon mal in unserem Verein zu helfen, aber wir werden jetzt auch versuchen, diesen Personenkreis an Ehrenamtsprojekte in Berlin zu vermitteln.

Also kurz zusammengefasst: alle Altersgruppen prinzipiell, aber ein gewisser Schwerpunkt auf den ganz jungen oder etwas älteren Leuten.

Darf ich jetzt noch eine Sache sagen? Zu Ihrer Frage an Frau Nazarenus. Nämlich, ob es denn wirkliche Integration ist, wenn man sich im Kreis der Eigenen engagiert.

Ich möchte schon sagen, das ist Integration. Und es ist ein ganz wichtiger Schritt, sich zu engagieren und aktiv zu sein und zu schauen, was man machen kann, auch erst einmal für die eigene Zielgruppe und für sich. Ich glaub, das ist im Prozess der Integration ein ganz wichtiges Stadium. Natürlich denkt man erst mal, dass integriert, wenn man möglichst viel Kontakt hat zur einheimischen Bevölkerung. Aber ich glaube, im Prozess der Integration ist dies ein ganz wichtiges Stadium und gar nicht zu unterschätzen und wir versuchen auch wirklich, diese Selbsthilfegruppen deswegen zu unterstützen durch das Angebot, das ich vorhin geschildert habe. Weil das ein ganz wichtiger Prozess ist, wenn man sagt, Integration geht auch von innen nach außen. Über so eine Selbstkonsolidierung oder Selbstbeschäftigung schon mit der eigenen Zielgruppe, aber dann kann man sagen, dann als nächstes macht man auch mal was anderes.

Frau Schwarz:

Frau Schiffer, vielleicht noch einmal ein Gedanke zu dem Aspekt, dass - das haben sie ja alle betont – es keine Einbahnstrasse ist, wenn sich Spätaussiedler eben auch ehrenamtlich betätigen wollen, allerdings aber möglicherweise auf der Suche nach einem festen Job sind. Gibt es da Erfahrungen, dass man da sagt, aus dem Ehrenamt erwächst möglicherweise auch die Möglichkeit, in einen Job zu kommen, der ordentlich bezahlt wird?

Frau Schiffer:

Ja, das gibt es wirklich. Also es gibt konkrete Beispiele, die werde ich jetzt nicht namentlich sagen, aber es gibt bei uns im Verein und im Umfeld vom Verein solche Beispiele, dass es idealtypisch auf unbefristete Arbeitsverhältnisse auf dem ersten Arbeitsmarkt hinausläuft. Aber das ist es vielleicht nicht als erstes. Aber vielleicht ist es mal eine Honorartätigkeit. Das man sagt, ja der hat jetzt schon so viel ehrenamtlich fotografiert. Jetzt haben wir da mal ein Budget, dann kann man dem Fotografen auch mal 100 DM zahlen. Das ist jetzt auf kleiner Stufe. Aber so kann das schon mal passieren, dass man vom Ehrenamt zum Honorar oder im Ehrenamt ergeben sich ja auch Kontakte, auch professionelle Kontakte. Oder, was auch häufig ist, dass man vom Ehrenamt in die geförderte Arbeitsmaßnahme kommt. Also in ABM. Da ja die Grenzen auch da fließend sind - die dann nach der ABM bereit sind, ehrenamtlich weiter zu machen. Das gibt es wirklich auch. Insofern ist, denke ich, das Ehrenamt im Feld der beruflichen Qualifikation auch ein wichtiger Faktor.

Frau Schwarz:

Also diese Potenzen sollte man dann auch wirklich nicht unterschätzen und versuchen, in eine solche Richtung möglicherweise auch nachzudenken. Danke fürs Erste.

Herrn Spangenberg möchte ich bitten, etwas zu sagen, wie gesagt vom Deutschen Sportbund. Wenn man so schaut, wie die in Deutschland geborenen Deutschen sich ehrenamtlich engagieren, dann steht der Sport ganz ganz weit oben und ich denke mir auch bei den Spätaussiedlern, über die wir ja heute reden, ist dem so. Ja, anknüpfend auch an dem Beispiel, was wir ja heute von Herrn Wille gehört haben. Darf ich Ihnen das Wort geben.

Herr Spangenberg:

Ja, schönen Dank, ich möchte vielleicht zwei Gesichtspunkte zunächst schildern. Zu dem, was in den letzten zehn, zwölf Jahren gewesen ist, um dann auch einen kleinen Ausblick zu geben.

Bei dem Beispiel, was sie heute gehört haben, müssen wir davon ausgehen, dass es eines von sehr zahlreichen Beispielen ist. Herr Willenberg kann das sicher bestätigen, diese Aktion läuft jetzt seit zirka zwölf Jahren. Mit über tausend Mitarbeitern in der bisherigen Zeit und es wird davon ausgegangen, dass das System des Sports quasi als Vehikel dazu dient, Spätaussiedler, auch ausländische Mitbürger, zu integrieren in die Gesellschaft und dort den Sport eben als Medium, als Vehikel zu benutzen. Wenn Sie wissen, dass ein Drittel der Bevölkerung von Deutschland in Sportvereinen Mitglied ist, und aus der Freiwilligen-Untersuchung vom Familienministerium im vergangenen Jahr wissen wir, dass etwa 4 Millionen Menschen im Sport engagiert sind. Das sind ungefähr 11% derjenigen, von denen Herr Bürsch heute morgen sprach, dass sie ehrenamtlich engagiert sind. Und so gesehen ist der Sport natürlich ein hervorragendes System oder Strukturelement, um Mitbürger zu integrieren. Ein Gesichtspunkt der Integration.

Die Veranstaltung hier steht aber unter dem Titel "Bürgerschaftliches Engagement" und nicht nur sozusagen unter dem Siegel Integration. Und dazu bietet der Sport natürlich auch eine Möglichkeit, das Erfahrungswissen der Spätaussiedler hier insbesondere zu nutzen - bei der Zielsetzung bürgerschaftliches Engagement zu ermöglichen. Auf diese Weise dient sozusagen der Sport, das Sportangebot in der Weise, dass man zu den Spätaussiedlern hingeht, aber auch, dass man sie bittet, in Vereine zu kommen. Bietet der Sport eine hervorragende Möglichkeit erst einmal in Kontakt zu kommen, dann aber auch über die örtliche Nähe, den lokalen Kolorit sozusagen, den Aufschluss zu finden und den Übergang zu finden, zu tatsächlich ehrenamtlichem und bürgerschaftlichem Engagement. Vielleicht erst einmal soweit zu diesem Thema.

Frau Schwarz:

Können Sie uns denn Zahlen nennen? Apropos, Sie hatten ja hingewiesen auf eine Zahl von heute morgen. Gibt es Prozente und Erhebungen, wie viele Spätaussiedler sich sportlich betätigen? Oder gibt es so etwas gar nicht?

Herr Spangenberg:

Also, da müsste mir der Herr Willenberg vielleicht noch mal helfen.

Frau Schwarz:

Also, Sie können ja im Verbund

Herr Spangenberg:

Wir haben ein Stützpunktsystem. Praktisch in jedem Bundesland existiert ein Landessportbund, wo mehrere Mitarbeiter Spätaussiedler betreuen, in den letzten zehn Jahren betreut haben und einfach dort hingehen, wo Spätaussiedler sich aufhalten, oder mit Ihnen gemeinsame Sportprogrammen machen. Ein Beispiel haben wir ja heute vorgestellt bekommen. Es ist nicht so, dass alle dort natürlich sich angesprochen fühlen. Selbst wenn der Organisationsgrad so hoch ist mit etwa 30% der Bevölkerung, muss man nicht erwarten, dass jeder gleich Sport treibt. Man kann auch davon ausgehen, dass neben dem Sport natürlich auch sehr viel andere gesellschaftliche Aktivitäten stattfinden. Wir wissen aus empirischen Untersuchungen, dass zum Beispiel 50% der Zeitanteile noch anderen Inhalten gewidmet werden. Also nach dem Sport sitzt man zusammen und betreibt das eine oder andere an gesellschaftlichen Überlegungen.

Frau Schwarz:

So nennt man das also, nach dem Sport, dies und jenes. Das gehört dazu Zu dem Zweck muss man auch mal ein Bier trinken zum Beispiel, dann geht das auch besser. Nicht? Oder Kaffee, so hatte wir das ja...

Herr Willenberg:

Ich möchte nur noch mal ganz kurz ergänzen, was Herr Spangenberg gesagt hat. Wir haben keine genauen Zahlen, wie viele Spätaussiedler bei dieser Initiative mitmachen, aber was wir wissen, ist folgendes:

Dieses Angebot des deutschen Sportbundes, was voll durch uns gefördert wird und im Laufe der Zeit mit immer höheren Beträgen gefördert wird, ist seinerzeit sehr gut angelaufen, aber hat eine Eigendynamik erreicht, das man wirklich hier von einer Bewegung sprechen kann. Einer Bewegung im positiven Sinne, das hier der Anreiz gerade auch für die jugendlichen Spätaussiedler in den Vereinen, in den Sportvereinen mitzumachen, sehr groß ist. Und ich möchte in diesem Zusammenhang auf zwei Dinge besonders hinweisen.

Wenn hier vom Selbstwertgefühl der Jugendlichen gesprochen wird, dann ist das vollends richtig. Denn gerade die Jugendlichen, die nach Deutschland kommen, in einen ganz anderen Kulturkreis hier hineingesetzt werden, mit vielen Unannehmlichkeiten, von der Schule angefangen, noch zu rechnen haben, dann finden sie sich im Sportverein mit Sicherheit sehr wohl.

Und zwar warum? Wir stellen immer wieder fest, dass gerade die jugendlichen Spätaussiedler in Mannschaftssportarten mitwirken. Mannschaftssportarten bedeutet, dass man gemeinsam ein Erlebnis hat. Und wir haben es ja heute auch erfahren, heute Nachmittag durch das Beispiel, dass hier viele Mannschaftssportarten gewählt werden. Wo der eine oder andere eben merkt, es kommt auf einen selbst an, ob man ein gutes Ergebnis in dieser Mannschaftssportart hat, oder nicht. Das ist das eine und insoweit kann auch das Selbstwertgefühl des Jugendlichen erheblich gesteigert werden.

Und das zweite ist: Und daran arbeiten wir ja auch gemeinsam mit dem Deutschen Sportbund. Wir müssen auch sehen, dass wir die Jugendleiter entsprechend ausbilden. Und für diese Zwecke gerade auch besonders pädagogisch schulen. Denn nichts ist schwieriger als Jugendliche anzusprechen, die möglicherweise noch in der Ecke stehen, nicht wissen, was sie machen sollen. Sie müssen in diese sportlichen Aktivitäten mit einbezogen werden. Und wir arbeiten daran, gemeinsam mit dem Deutschen Sportbund, dass eben diese Aus- und Fortbildung der Übungsleiter weiterhin praktiziert wird. Ich glaube, über diese Maßnahme kann auch so manches bewerkstelligt werden. Und wenn dann erst mal ein Jugendlicher, ein Spätaussiedler in einem Verein sich integriert hat, der hat dann wiederum Freunde. Der zieht dann diese wieder mit. Oder aber, es gibt in der Schule dann eben die Schulgemeinschaft, wo man sagt, komm doch mal in den oder jenen Sportverein. Dann glaube ich, haben wir den Multiplikationseffekt erreicht und deshalb kann man im guten Sinne von Bewegung sprechen.

Frau Schwarz:

Danke, Herr Willenberg. Meine Damen und Herren, mischen Sie sich bitte mit ein. Wir haben noch zwanzig Minuten ungefähr Zeit, miteinander zu reden. Vielleicht auch im Sinne der Ergänzung, dass Sie vielleicht ein Wort zu dem sagen, was Sie tun, was, wovon wir noch gar nichts heute gehört haben und das andere möglicherweise ganz tolle Idee noch davon bekommen.

Ich will Frau Nazarenus noch einmal ansprechen auf die Jugendlichen. Stichwort Selbstbewusstsein bekommen. Sie haben uns beschrieben, wie. Kann man die Jugendlichen dann gewinnen, selber ehrenamtlich tätig zu sein? Geht das bei Ihnen so weit?

Frau Nazarenus:

Ich habe ja von Anfang an gesagt, dass das Hauptprinzip unserer Jugendarbeit – Hilfe zur Selbsthilfe – ist. Jeder, der heutzutage aktiv ist bei der Jugendorganisation, der vor fünf Jahren mit dieser ehrenamtlichen Jugendarbeit begonnen hat, hat sich hier auch ein Stück sich selbst geholfen, weitergeholfen. Und wenn man merkt, wie diese Jugendarbeit auch dazu beiträgt, das eigene Selbstwertgefühl aufzubauen, dann möchte man natürlich auch den anderen helfen.

Frau Schwarz:

Und das funktioniert. Können Sie uns da Beispiele geben, wie man sich das vorstellen muss?

Frau Nazarenus:

Also es gibt sehr viele positive Beispiele. Ja, müsste ich mir jetzt ganz genau überlegen.

Frau Schwarz:

Jawohl, vielleicht so lange sie überlegt. Weil, wenn wir in der Presse von positiven Beispielen berichten sollen, dann muss man sie auch kennen, Frau Nazarenus. Also füttern Sie uns heute noch so ein bisschen?

Frau Nazarenus:

Also, wir sind da zum Beispiel schon ganz stolz, dass es uns in der Kreisgruppe Stuttgart oder in Altenkirchen gelungen ist, die Trägerschaft der freien Jugendhilfe bekommen zu haben. Das heißt ja, dass wir auch schon bereits in das kommunale Gemeinwesen eingebunden sind.

Wir streben auch die Mitgliedschaft in den Jugendringen an und bringen regelmäßig auch ehrenamtliche Jugendliche mit. Die dann auch aktiv bei der Integrationsarbeit vor Ort mitmachen. Also ich glaub, das ist schon mal genug.

Frau Schwarz:

Dankeschön.

Beitrag aus dem Publikum:

Ich möchte positive Beispiele in Sachsen angeben. Sachsen ist - ich weiß nicht wie das in anderen Ländern vonstatten geht, aber das Wirtschaftsministerium, also weder das Sozial- noch Familienministerium, noch Jugendämter. Wir haben jetzt ein Programm "Taurus" aufgelegt. Seit zwei Jahren läuft das Pilotprojekt, auch in Dresden. Und wir im Deutschen Kulturinstitut beschäftigen 18 Spätaussiedler und Kontingentflüchtlinge, die im Rahmen ehrenamtlicher Tätigkeit für 56 Stunden im Monat 150 Mark Aufwandsentschädigung erhalten. Und natürlich: 40 Mark zahlt unser Verein für sogenannte Schecks, also 110 Mark für 56 Stunden, das könnte man auch sagen, das ist eine verdeckte Ausbeutung. Aber Sie können sich nicht vorstellen, welcher Andrang dort ist.

Ja also, a) die Leute kommen endlich mal untereinander in Kontakt, zweitens geben wir ihnen zusätzlichen, kostenlosen Deutschunterricht und drittens leisten sie etwas. Wir haben eine Immobilie, wir sanieren die, wir nutzen auch natürlich die Elektroniker oder EDV- oder die HTML-Programmierer für unser eigenes Internet.

Es geht voran. Man muss sich vorstellen, durch dieses ehrenamtliches Engagement von auch älteren Bürgern ist es uns zum Beispiel gelungen, einem Kollegen, Diplomphysiker, dass er mit 62 Jahren eine feste bezahlte Stelle als Diplomphysiker erhalten hat. Er ist zwar Tschernobylexperte, also er hat laufend Dienstreisen zu diesem Sarkophag. Also nicht jeder Einheimische kriegt noch mit 62 Jahren eine feste Anstellung. Das ist auch ein Beitrag eines solchen Vereins. Ein Beispiel dessen, das man sich engagieren muss.

Die Frage an Frau Nazarenus oder auch an das Podium:

Was mir auffällt: Seit 10 Stunden diskutieren wir über Integration. Aber der Begriff der Identität ist hier kaum gefallen. Ich möchte mal die Position des deutschen Kulturinstituts erläutern. Weil das sehr gefährlich ist, wenn man das nämlich nicht erläutert, besteht die Gefahr oder das man unter Integration, Eingliederung in Richtung der Assimilation versteht. Ich sage, es besteht die Gefahr. Ich habe mich für uns ganz bewusst, ganz vorsichtig ausgedrückt. Für uns ganz bewusst, das deutsch-russische Kulturinstitut legt großen Wert auf die Zweisprachigkeit. Das ist gerade, das ist die Gabe, das ist Gottesgabe, mit der die Russlanddeutschen auch die neuzugereisten Migranten allgemein, die herkommen. Sie müssen sich integrieren über die deutsche Sprache, über Berufe. Das alles, was wir diskutiert haben.

Auch über das ehrenamtliche Engagement. Aber die russische Sprache nicht verlernen und pflegen und was der Minister Schily auf der letzten großen Versammlung der deutschen Landsmannschaft in Stuttgart erzählt hat, ich hoffe, dass das nicht nur eine Losung ist, aber er wandte sich an alle Russlanddeutschen: Pflegt bitte die Sprache Puschkins, Dostojewskis, des Tolstoi. Ich weiß nicht, ob es da Fördergelder gibt, oder ob das nur eine Phrase ist. Und deshalb ist jetzt mal die Frage an die Jugend, der deutschen Jugend aus Russland.

Das Selbstwertgefühl ist natürlich entscheidend, aber das Selbstwertgefühl ist, dass sie stolz sind, dass sie zweisprachig sind, dass sie Mittler der Kulturen sind. Dass sie Mittler der Völkerverständigung sind. Und diese Programme, Städtepartnerschaften, Kriegsgräberfürsorge, Deutsch-russische Gesellschaften. Es gibt ja hunderte deutsch-russische Gesellschaften, die klagen, dass sie Schwierigkeiten haben mit der russischen Sprache. Aber wir haben 2 Millionen Neuzugereiste. Das ist das Problem!

Frau Schwarz:

Dankeschön, Frau Nazarenus hat schon heftig genickt und sagt gleich was dazu.

Frau Nazarenus:

Also natürlich setzen wir uns auf unseren Tagungen und Integrationsseminaren mit solchen Themen wie Identität auseinander. Auch wir fragen uns ständig, wer bin ich, was will ich. Und einig sind wir uns eigentlich darüber geworden, dass solange man nicht weiß, wer man ist, kann man sich auch nicht in die neue Gesellschaft integrieren. Und für uns ist zum Beispiel auch das Wissen über den eigenen Kulturkreis eine Vorraussetzung für die Integration. Also wir wurden uns darüber einig, dass obwohl wir eine konsequente Integration in beruflicher, schulischer, gesellschaftlicher Hinsicht anstreben, wollen wir aber auch das Beibehalten unserer eigenen Kulturen und unsere eigenen Eigenschaften, so was natürlich wie Sprache, Freizeitverhalten innerhalb des Familien- und Freundeskreises, Küche, was auch immer alles so dazugehört, was wir alles als Bereicherung sehen, nicht nur für uns selbst, sondern für die gesamte Gesellschaft, deren Teil wir bereits geworden sind.

Frau Schwarz:

Herr Willenberg sagt nachher noch etwas dazu in seinem Abschlusswort. Wir sammeln jetzt, denke ich, Fragen und Erfahrungen.

Publikum

Ja, Heinrich Buch ist mein Name, ich bin auch von der Deutschen Jugend...

Eigentlich bin ich jetzt ans Mikro geeilt, um Albina Nazarenus Hilfe zu leisten, bei der Benennung der guten Beispiele. Wenn wir über gute Beispiele der Integration sprechen, über gute Integration.

Ich denke vor allem an solche Beispiele, wie in Stuttgart. Vitali Talibat (?), 1982 in Kasachstan geboren, hatte hier in Deutschland Probleme mit dem Alkohol. Jetzt ist er hier im

Oktober diesen Jahres Deutscher Meister im Boxen geworden. Das ist schon ein gutes Beispiel, denke ich mal. Und das ist auch der Beitrag des Deutschen Sportbundes, aber auch der Deutschen Jugend aus Russland. Denn der ist ja über die Deutsche Jugend aus Russland in den Deutschen Sportbund reingekommen. Wir haben es geschafft, Leute, die früher in dem ersten Aufnahmelager Marienfelde hier in Berlin waren, von der Strasse wegzuholen und ungefähr 300 Meter weiter von diesem Haus entfernt in dem Jugendklub unterzubringen. Wo die sich regelmäßig treffen können, wo die nicht auf der Strasse stehen müssen und ihre Nachbarn ärgern. Sondern einfach in einer gemütlichen Atmosphäre ihre Freizeit sozusagen ausleben können, das ist auch ein gelungenes Beispiel. Wenn ich von mir spreche, der vor 5 Jahren, als ich gerade nach Deutschland gekommen bin, noch mächtig Probleme hatte, als ich mich mit dem heutigen, mit dem hiesigen System auseinandersetzen musste, dann ist es mir auch gelungen, mittlerweile soweit zu sein, dass ich auch selbst die anderen beraten kann, wie es im einzelnen aussieht.

Und noch einmal zur Sprache:

Ob wir die Sprache bewahren müssen, oder nicht. Zu dem Herrn, der vor mir gesprochen hat. Das haben mir meine einheimischen Kommilitonen gesagt, in der Fachhochschule. Und spätestens nach der Rede Putins, im Deutschen Bundestag wissen wir alle, dass Russisch wichtig ist. Danke.

Publikum:

Mein Name ist Günter Krause. Ich bin Pfarrer an einer evangelischen Kirchengemeinde in Humboldthain in Berlin-Wedding. In der Aussiedlerarbeit in unserer Gemeinde gibt es Deutschsprachkurse verschiedener gesellschaftlicher Gruppen.

Ich will nur ein paar Anmerkungen machen, nicht um diesen Nachmittag einfach zu versauen, sondern um einfach auch mal das Augenmerk darauf zu lenken, das es auch in Zukunft möglich sein muss, von möglichst vielen guten Erfahrungen erzählen zu können.

Erste Anmerkung: Es wäre fatal, wenn wir vom Ehrenamt, beispielsweise bei Aussiedlern reden, nachdem diverse, verschiedene berufliche Integrationsversuche gescheitert sind. Das wäre für die Person aber auch für die Sache, für die sie nachher stehen sollen, eine fatale Situation. Die Diskussion über bürgerschaftliches Engagement würde viel leichter fallen, wenn wir auch anfangen würden, über Begriffe zu reden, die heute gar nicht gefallen sind. Also, Ehrenamt hat auch Grenzen. Ehrenamt muss man sich leisten können. Und das definieren von Grenzen beispielsweise, schafft einen wunderbaren Freiraum. Schafft nämlich die Möglichkeit, über die Chancen und über die Möglichkeiten zu reden, die man dann hat, wenn man die Grenzen denn erst einmal benannt hat. Mal als Beispiel: Also diese Schule da bei uns, da reicht die Kraft halt, die Samstag für Samstag für über 100 Kinder zu betreiben. Die Kraft jetzt aufzuwenden, logistisch sich noch Töpfe anzugucken, aus denen man vielleicht nach vielen enttäuschenden Erfahrungen doch noch etwas finanzieren könnte, die reicht einfach nicht. Die Schule existiert, sie existiert noch und ich hab die dringende Bitte, auch in Richtung Enquete-Kommission, vorhin war schon der Gedanke von Lotsen mal erwähnt worden, dass man sich einfach mal so überlegt, administrativ oder parlamentarisch, wenn wir uns bestimmte Dinge einfach nicht mehr leisten können, und wenn wir uns manchmal sogar trauen, dies also auch so zu sagen, dann wäre mal bei den Kriterien vielleicht eins besonders wichtig, nämlich diejenigen, die dazu bereit sind, ehrenamtliche Arbeit zu leisten, auch in den Stand zu versetzen, dass sie dieses können. Und das bedeutet, dass wir qualifizierte hauptamtliche Unterstützung brauchen im Bereich der Logistik, im Bereich der Organisation. Und zwar an die Initiativen, die wir vor Ort da jetzt haben. Da gibt es viel Nachholbedarf, aber vielleicht kann ja die Enquete-Kommission über eine parlamentarische Idee, über Lotsen vielleicht Kontakte auch zu unseren Projekten bekommen und Möglichkeiten zur Unterstützung geschaffen werden. Das soll mal reichen.

Frau Schwarz:

Das soll er mitnehmen. Vielleicht kann er schon mal eine kleine Idee äußern, wie er das umsetzen will.

Herr Spangenberg:

Das war natürlich eine wertvolle Anregung. Der Vorsitzende hat ja heute morgen schon eine Reihe von Vorschlägen entwickelt, die möglicherweise im Abschluss-Empfehlungskatalog stehen werden. Mit der Reihenfolge von Fördern und Fordern gibt es natürlich eine Reihe von Möglichkeiten, ehrenamtliches Engagement zu fördern. Wenn es zum Beispiel darum geht, Freistellungsregelungen zu bekommen für Berufstätige, die freiwilliges Engagement ermöglichen. Aber es gibt verschiedene Modelle, die auch praktiziert werden. Ich nenne nur einmal das Stichwort Switch, wo zwischen Betrieben und kommunalen Einrichtungen und Freiwilligenorganisationen sozusagen ein Leistungsaustausch organisiert wird, damit freiwilliges ehrenamtliches Engagement möglich ist. Das alles ist natürlich auch mit Geld verbunden. Und spätestens dann muss der Bundesfinanzminister oder wer auch immer, der das Bundesgeld oder Ländergeld verwaltet, gefragt werden, wie viel ist ehrenamtliches Engagement wert.

Aber nicht alles ist mit finanziellem Aufwand verbunden. Es gibt auch viele Möglichkeiten, die sich anders arrangieren lassen. Und da wird eine Reihe vor allem auch rechtlicher Möglichkeiten empfohlen werden. Zum Beispiel: Haftpflichtversicherungsschutz zu ermöglichen, Unfallversicherungsschutz zu ermöglichen, Aufwandsentschädigungen zu ermöglichen und dergleichen.

Frau Schwarz:

Also, Sie sind schon im Gespräch, habe ich das Gefühl. Jetzt auch in einer vertraulichen Ansprache. Wir haben noch drei Wortmeldungen.

Publikum:

Okay, danke! Mein Name ist Andrea Rösel. Ich arbeite beim CJD Lichtenberg, ehemalig Jugendgemeinschaftswerk. Zuerst einmal das Negative. Es wurde mehrmals gesagt, dass die Medien ziemlich negativ berichten. Der letzte Artikel im Spiegel über Aussiedler beziehungsweise in Russland geborene Deutsche, an den ich mich erinnern kann, ging um abstruse Strukturen, von Jugendlichen, die im Knast sitzen. Und danach ist eigentlich nichts weiter gekommen. Und ich denke das ist schon ziemlich ein harter Spiegel, der da von der Presse rüberkommt. Und daran müsste eine ganze Menge geändert werden.

Nun zu meiner Arbeit: Ich selber arbeite hauptamtlich, mache aufsuchende Mädchenarbeit und innerhalb dieses Projektes passiert auch einiges an ehrenamtlicher Arbeit. Und während meiner Arbeit ist mir aufgefallen, dass sich die Aussiedlerinnen 15 bis 18, 19, 20 Jahre alt, innerhalb ihres Klubs, innerhalb ihres Rahmens auf total selbstsicheren Boden bewegen. Sie haben in der Schule Kontakte zu Einheimischen, zu Eingeborenen. Sie haben in der Berufsausbildung diese Kontakte, aber darüber hinaus gehen sie selten.

Und darum hatten wir auch mal die Idee, dass ganze Pferd einmal von hinten aufzuzäumen. Indem wir nämlich gemeinsame Projekte zwischen Aussiedlerjugendlichen und einheimischen Jugendlichen herstellen. Also seien es Fahrten, Theaterbesuche. Alles aber immer an den Bedürfnissen Jugendlichen gemessen. Die haben nämlich meistens ganz andere Vorstellungen, als ich sie ursprünglich hatte. Ich habe auch sehr, sehr viel in dem letzten Jahr von ihnen gelernt. Daraus ist entsprungen, dass teilweise einheimische jugendliche Studenten, die ich aus früheren Arbeiten kenne und ich über ihre Qualifikation auch Bescheid weiß, direkt Projekte mit den Aussiedlerjugendlichen zusammen mache. Sie haben vorher die Chance gehabt, sich auf verschiedenen Fahrten, verschiedenen Besuchen verschiedener Veranstaltungen kennen zu lernen. Und daraus entsprang eigentlich eine ehrenamtliche Tätigkeit, die den Jugendlichen eigentlich überhaupt gar nicht bewusst ist. Sie werden dafür nicht bezahlt. Sondern wenn sie Zeit und Interesse haben, treffen sie sich in den entsprechenden Jugendklubs, machen miteinander Hausaufgaben, reden miteinander. Es kam mittlerweile schon zu Geburtstagsbesuchen. Also, das ist so ein ganz, ganz langsamer Prozess, den man auch nicht so direkt, finde ich, als Erfolg abrechnen kann. Es geht auch nicht darum, jetzt die Jugendlichen, die aus Russland, aus Kasachstan etc. kommen, zu assimilieren. Sondern, dass sie ganz einfach die Chance haben, über den bisherigen Kulturkreis, den sie haben und hatten und der ihnen auch sicher ist und wertvoll ist. Also diese Sache der Zweisprachigkeit, Hut ab vor Ihnen, dass Sie das so perfekt beherrschen. Dass sie die Möglichkeiten haben auch, ja einfach Dinge, die über ihren Kulturkreis hinausgehen, kennenzulernen und auch für sich in Anspruch zu nehmen. Und ich habe festgestellt, das funktioniert. Man fängt an, sich füreinander zu interessieren. Es war für sie sehr überraschend: Wir waren in Kyritz in einem Jugendklub. Es fand eine Diskothek statt. Sie waren entsetzt, wie erstens die Jugendlichen aussehen, zweitens waren sie entsetzt wegen der Musik. Sie hören in ihrem Klub ganz andere. Drittens wollten sie um 23:00 Uhr verschwinden. Viertens hatte ich um 4:00 Uhr früh zu tun, alle nach Hause zu bringen.

Sie haben plötzlich gemerkt: auch die deutschen, die einheimischen Jugendlichen interessieren sich für sie. Sie haben keine Ablehnung erfahren. Und ich denke, das ist auch ein ganz wichtiger Aspekt dieser Arbeit.

Frau Schwarz:

Ganz herzlichen Dank.

Publikum:

Ernst Strohmeier, deutsche Jugend aus Russland. Einige Bemerkungen in eigener Sache, das was die deutsche Jugend aus Russland bezwecken möchte, ist eine sehr wichtige Sache. Wir möchten nicht, dass die Russlanddeutschen oder die Jugendlichen, die aus Russland gekommen sind, oder ihre Freunde, Ausländer wie Griechen, Türken, Einheimische die Mitglieder in dieser Organisation sind zu 20%, dass sie ganz einfach die Konsumenten von der sozialen Fürsorge sind. Es war der sehr wichtige Ansatz bei uns, dass nicht nur die Sozial- oder die Fachkräfte im sozialpädagogischen Bereich, für diese Jugendlichen zuständig sein müssen. Selbstverständlich, wie der Herr jetzt auch korrekt gesagt hat, eine finanzielle Unterstützung bekommen sollen, in dem Sinne, dass das Gehalt bezahlt werden soll. Und so weiter. Selbstverständlich brauch man solche Fachkräfte. Aber das Problem war bei uns, dass an 1,3 Millionen Jugendlichen, die aus Russland gekommen sind, die allgemeine Jugendarbeit ganz einfach vorbeigegangen ist.

Mit allgemeiner Jugendarbeit ist gemeint nicht nur die Freizeitgestaltung, nicht nur Sport, sondern auch die jugendpolitische Arbeit. Und das ist sehr wichtig, diesbezüglich. Denn die Leute möchten oder wir erwarten von den russlanddeutschen Jugendlichen, dass sie gleichberechtigte Mitbürger in dieser Gesellschaft sind. Dass sie diese Gesellschaft mitgestalten.

Dazu die deutsche Jugend aus Russland. Wie das erreicht wird?

Dadurch, dass diese Gruppen, von denen Albina Nazarenus gesprochen hat, herangeführt werden an die allgemeine oder an die reguläre Jugendarbeit. Jugendringe oder Mitarbeiter auf der kommunalen Ebene, in Altenkirchen haben sie die gesamte Ehrenamtsbörse zum Beispiel übernommen. Wir wollen das gleiche auch in Stuttgart, in einigen Bezirken. Hier gibt es auch jetzt, mit den Worten von Herrn Willenberg, eine Bewegung. Ich bitte das zur Kenntnis zu nehmen. Hier gibt es sogar eine wilde, eine Eigendynamik. Es reicht zu sagen, dass in Stuttgart, zum Beispiel innerhalb von einem Jahr die Organisation von 0 auf 500 Mitglieder gestiegen ist.

Frau Schwarz:

Also von Stuttgart lernen, sozusagen an der Stelle, habe ich das Gefühl. Eine Art Hochburg.

In dem Zusammenhang. Okay.

Publikum:

Dieter Grimsmann, Pastor in der Aussiedlerarbeit der Hannoveranischen Landeskirche.

Nur noch ein Hinweis auf die Kirchen. Ich denke, dass bei uns von den zwölf- bis dreizehnhundert Gemeinden inzwischen bestimmt schon 70 oder 80 in ihren Kirchenvorständen russlanddeutsche Mitglieder haben. Bewusst gewählt oder berufen. Und damit sind Leute auch in der Verantwortung für die Leitung der Gemeinden. Das ist also eine Bewegung geworden, die eigentlich ein Selbstläufer ist. Allerdings noch einmal zu dem Thema: Ist es denn nicht integrierend, wenn Russlanddeutsche unter sich auch vernetzt und versammelt werden. Wir machen uns schon die Mühe, diese russlanddeutschen Mitglieder von Kirchenvorständen auch für sich selbst noch einmal zu einer Fortbildung einzuladen. Denn es gibt eine ganze Reihe von Fragen, die sie beschäftigen, unabhängig davon, was andere Kirchenvorsteherfortbildung angeht. Ich denke, was Erwachsene und junge Leute angeht, ist es wirklich ein Fehler. Integrieren ist immer nur dort zu vermuten, wo so´ ne und solche Leute was zusammen machen. Wenn Russlanddeutsche unter sich was machen, etwa so eine Fortbildung im Bereich der Kirche oder der Jugendarbeit, kann es der Integration sehr dienlich sein.

Frau Schwarz:

Dankeschön!

Da haben wir eine ganze Menge Beispiele noch gehört, wie es sehr gut funktioniert. Ich kann nur hoffen, dass meine Kollegen von den schreibenden und anderen Zünften das auch aufgreifen, wobei Sie müssen es auch verbreiten. Also das ist auch das Problem, natürlich. Aber Sie haben ja gesagt, dass Sie Anstrengungen unternehmen, um das in die Öffentlichkeit zu bringen.

Gut meine Damen und Herren, ich darf Herrn Willenberg bitten, zu guter Letzt eine Art Resümee zu ziehen, eine Art Abschlusswort zu sprechen, zur Fachtagung "Integration und bürgerschaftliches Engagement bei Spätaussiedlern" und zum Stellenwert der ehrenamtlichen Arbeit!

Herr Willenberg:

Vielen Dank! Meine Damen und Herren, diese Veranstaltung hier reiht sich ein in eine Reihe von Veranstaltungen, die wir bisher schon vorgenommen haben, aber auch noch in Zukunft planen werden. Im vorletzten Jahr die Veranstaltung "Netzwerke der Integration", heute diese Veranstaltung. Wir werden in Zukunft sicherlich weitere Veranstaltungen dieser Art machen, um eben diejenigen zusammenzuführen, die einerseits schon viel im Rahmen der Integration tun und das ist dankenswert, dass hier so ein großes Engagement auch ehrenamtlich vor allen Dingen vorhanden ist, und vor allen dingen auch als Informationsbörse für diejenigen, die eben noch nicht so hineingekommen sind in diese Arbeit. Und die vielleicht doch in der einen oder anderen Form bei dieser Arbeit mithelfen wollen. Das ist ein ganz wichtiger Faktor bei diesen Veranstaltungen, die wir ja wie gesagt auch durchführen und weiterhin durchführen wollen. Und Frau Nazarenus, ich will Ihnen nur kurz antworten.

Sicherlich machen sie viel PR-Arbeit auch für Ihre Arbeit. Und wir wissen das auch im Innenministerium, auch hier mal ein ganz herzliches Dankeschön an die Deutsche Jugend aus Russland, die sich wirklich in diesem Bereich sehr engagieren. Nur, was ich festgestellt habe, es findet schon genügend PR-Arbeit auch von Gruppen, von Selbsthilfegruppen, auch von Institutionen vor Ort statt. Das findet sich weitgehendst in Regionalzeitungen wieder. Und da ist auch gut so, dass da die eine oder der andere auch mit angestossen wird. Leider noch nicht so in den überregionalen Medien. Aber was noch nicht ist, kann ja noch werden. Und wir arbeiten gemeinsam daran. Wir, vom Innenministerium wollen diese Arbeit auch insoweit unterstützen, dass wir Informationsbroschüren herausgeben, wo wir positive Beispiele von Integrationsmaßnahmen hervorheben. Und am 13. Dezember wird wiederum eine Veranstaltung von uns hier stattfinden, in Berlin, indem wir besonders gute Beispiele der Integration auszeichnen. Also wir von unserer Seite aus tun einiges. Wir werden noch mehr tun. Aber auch die Selbsthilfegruppen, auch die Institutionen vor Ort, sollten mit helfen, dass dieses an die Medien herangetragen wird.

Lassen Sie mich ganz kurz noch einmal auf das Argument eingehen, dass die Jugendlichen die große Chance haben, die aus Russland kommen, eben zweisprachig hier aufzuwachsen. Kein Mensch will uns -es ist auch nicht beabsichtigt-, Integrationsmaßnahmen in dem Sinne durchzuführen, dass sie sich assimilieren. Sie sollen gerade auch ihre Kultur beibehalten. Herr Welt hatte das Ziel eigentlich auch schon betont, wir können gegenseitig lernen von den verschiedenen Kulturen. Und so wie wir genauso von der moslemischen Kultur etwas lernen können, so können wir auch von der russischen Kultur was lernen. Und insoweit ist das ein gegenseitiges befruchten. Und jeder, der dann zweisprachig aufwächst, ist ein besonderer Grund dafür, dass auch die Verbindung zu Russland zum Beispiel weiterhin fortgesetzt und ausgebaut wird. Insoweit wollen wir dieses Moment einmal beibehalten. Aber es kommt eben darauf an, dass die jungen Russlanddeutschen, aber auch alle Russlanddeutschen, eben ihre Sprache verbessern. Und das führt zu besserer Integration, das erhöht die Berufschancen und das lässt dann auch in der einen oder anderen Form ein ehrenamtliches Engagement durch die Spätaussiedler selbst herbeiführen.

Herr Welt hat heute morgen einen ganz wichtigen Satz, unter vielen anderen, gesagt. Und zwar, und ich bin hier in den Pausen auch darauf angesprochen worden.

Welche Fördermöglichkeiten gibt es? Wir müssen uns über eines klar werden, wir sollten in der Tat zunächst erst einmal ein konzipiertes Projekt uns überlegen. Und dann an die entsprechenden Stellen herantreten. Das Bundesverwaltungsamt ist hier die erste Adresse, die dann gemeinsam mit Ihnen versuchen, dieses Projekt dann auch auf einen Weg zu bringen, damit auch eine öffentliche Förderung möglich ist. Ich sage aber genauso klar und deutlich, es ist nicht immer gut, nur nach dem Staat zu rufen für solche Maßnahmen. Wir haben heute

Nachmittag sehr deutlich gemerkt, dass es auch ohne Geld geht. Diese Initiativen, die hier vorgestellt werden, sind aus Eigenengagement heraus entstanden. Und wenn es dann bei der einen oder anderen Mark fehlt, auch da gibt es Möglichkeiten. Und da ist auch das Bundesverwaltungsamt sicherlich die erste Ansprechadresse. Ich sage nur, wir wollen diesen Bereich des ehrenamtlichen Engagements fördern. Insoweit auch, dass es nicht nur leere Worte sind, sondern wir haben uns vorgenommen, im nächsten Jahr gerade für Projekte im ehrenamtlichen Bereich eine erträgliche Summe zur Verfügung zu stellen. Speziell für diesen Bereich, damit auch dieses Engagement entsprechend durchgeführt wird. Und vor Ort auch Früchte trägt. In diesem Sinne möchte ich, auch im Namen von Herrn Welt, der mich extra beauftragt hat, Ihnen das zu sagen, herzlich danken für Ihre Mitarbeit, für Ihr Kommen. Wir sind erfreut, dass Sie so zahlreich gekommen sind. Und nehmen Sie bitte mit nach hause, dass es noch viel zu tun gibt. Aber, dass wir auch unsererseits diese Maßnahmen ganz massiv unterstützen wollen, auch in Zukunft. Und dass sicherlich dieser Kongress nicht der letzte sein wird, sondern dass wir in gewisser Weise Fortsetzungsveranstaltungen in diesem Sinne weiter fortführen.

Recht herzlichen Dank für Ihr Herkommen.

Frau Schwarz:

In diesem Sinne, ich danke den Damen Nazarenus und Schiffer und den Herren Willenberg und Spangenberg

Viel Kraft weiterhin für Ihr Tun, für Ihr hohes Engagement. Danke fürs Mitreden, fürs Vorstellen der Projekte hier und winen schönen Abend wünsche ich Ihnen noch weiterhin. Herzlichen Dank.