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"Ehrenamt und Wirtschaft" Internationale Beispiele bürgerschaftlichen Engagements der Wirtschaft
von Heinz Janning und Heinz Bartjes
Herausgegeben von der Robert Bosch Stiftung GmbH
Ein bislang kaum untersuchtes Feld: Beispielhafte Projekte, die Angestellte von Unternehmen durch ehrenamtliche Arbeit unterstützen. Heinz Janning und Heinz Bartjes haben nach Aktivitäten von Unternehmen für das Gemeinwesen gesucht und sind vor allem im Ausland fündig geworden.
Denn Ehrenamt ist in Deutschland strikt auf den Bereich der Freizeit bzw. der Nicht-Erwerbsarbeitszeit beschränkt, so die Autoren. Ausnahmen sind Freistellungsvereinbarungen, etwa für Feuerwehr, Katastrophenschutz und Schöffen, Mitarbeit in Personalververtretungen, Berufsverbänden und Gewerkschaften sowie politische Arbeit. Fazit: Deutsche Unternehmen unterstützen gemeinnützige Organisationen wenn überhaupt - fast ausschließlich durch Geld- oder Sachspenden.
Anders in den USA, Großbritannien, der Schweiz oder den Niederlanden, wie die anschaulich beschriebenen Projekte und die Beschreibung des gesellschaftlichen Hintergrundes belegen. In den USA, wo das Volunteering als Bestandteil der nationalen Kultur gilt, hat die Unterstützung durch Unternehmen die quantitativ wie qualitativ umfassendste Dimension. Projekte wie "Ein Tag für die Gemeinschaft" oder bezahlte Freistellung auf Zeit sind sehr beliebt und etabliert.
Rund die Hälfte der 1000 größten Unternehmen in Großbritannien nehmen inzwischen an einem Programm zur Förderung des Volunteering durch die Wirtschaft teil. Vorteile für die Arbeitgeber, so die Autoren: intensive Entwicklung von Kompetenzen ihrer Angestellten, verbessertes Teamwork, gesteigerte Moral, Schaffung eines gesünderen Gemeinwesens, Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit und der Fähigkeit, Veränderungen anzuregen bzw. damit umzugehen.
Ein weiteres interessantes Projekt stammt aus der Schweiz, genannt Seitenwechsel. Die Grundidee: "Führungskräfte verbringen eine Woche aktiv in einer sozialen Institution und lernen dabei den Alltag, die Herausforderung und den Reichtum sozialer Arbeit kennen. Sie bringen diese Erfahrung in ihren persönlichen Alltag zurück und erweitern so ihre Sozialkompetenz, mit zwischenmenschlichen Situationen sensibler und differenzierter umzugehen." Verschiedene Gorßunternehmen, Banken und Versicherungen ermöglichten einzelnen leitenden Angestellten, im Rahmen ihres Fortbildungskontingentes mitzumachen. 80 Prozent der Teilnehmer/innen empfanden die Erfahrungen nicht nur als persönlichen Gewinn, sondern auch als nützlich für den eigenen Betrieb.
Ansätze einer fruchtbaren Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Non-Profit-Organisationen in Deutschland sind die Pro-bono-Projekte ("Für das Gute") der Beratungsfirma McKinsey, deren Mitarbeiter/innen im Rahmen sozialer, karikativer, kultureller und ähnlicher Aktivitäten Aufgaben als "good citizen" wahrnehmen.
100 Kleintransporter im Wert von 3,5 Millionen Mark stellte die DaimlerChrysler AG für die Tafel-Bewegung bereit. Einwandfreie Lebensmittel, die auf dem Müll gelandet wären, werden an Bedürftige verteilt. Symptomatisch für die schwierige Situation dieser Zusammenarbeit in Deutschland: IBM hat sein 1984 begonnenes Secondment-Programm, in dem Mitarbeiter/innen für die Wahrnehmung gesellschaftlicher Aufgaben bei voller Bezahlung an gemeinnützige Organisationen "verliehen" hat, inzwischen aus Kostengründen eingestellt.