Ergebnisse der bundesweiten Modellprojekte zur Förderung der Integration von Migranten
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Ergebnisse der bundesweiten Modellprojekte zur Förderung der Integration von Migranten
Seit September 2006 war die Stiftung Bürger für Bürger fachliche Begleitung von bundesweit 16 Modellprojekten zur besseren Integration von Migrant(inn)en. Dabei wurden Erkenntnisse und Handlungsempfehlungen formuliert - nachfolgend ein Auszug:
Bürgerschaftliches Engagement fördert den interkulturellen Austausch in unserer Gesellschaft sowie demokratisches Miteinander.
Bürgerschaftliches Engagement kann professionelle Strukturen nicht ersetzen, aber sinnvoll ergänzen.
Bürgerschaftliches Engagement kann nicht als Integrationsinstrument vom Einzelnen gefordert werden, wohl aber kann es gefördert werden, denn es ist Ausdruck von Integration und Partizipation.
Bürgerschaftliches Engagement in der Integrationsarbeit hat sich gewandelt vom Engagement für die Zuwanderer (das es natürlich immer noch gibt) zum Engagement von und mit Menschen mit Migrationshintergrund.
Die Formen des bürgerschaftlichen Engagements von und mit Menschen mit Migrationshintergrund sind vielfältig und als solche zu akzeptieren, z.B. auch in Migrantenselbstorganisationen.
Die Bedeutung des bürgerschaftlichen Engagements ist vielfach noch zu wenig bekannt und muss daher offen kommuniziert werden. Vielfältige Angebote und Zugangswege sind anzubieten.
Die Anerkennung von bürgerschaftlichem Engagement ist von zentraler Bedeutung.
Menschen mit Migrationshintergrund benötigen wie Einheimische Unterstützung bei ihren Aktivitäten, etwa durch Qualifizierung und Fortbildung zu Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Fundraising und Organisationsentwicklung.
Angebote von und für Menschen mit Migrationshintergrund sollten auch zielgruppenspezifisch entwickelt werden, um z.B. auf die Interessen von Jugendlichen, Senioren oder Frauen einzugehen.
Projekte und Aktivitäten sollten nachhaltig arbeiten können, d.h. notwendige Ressourcen wie Räumlichkeiten, Sachausstattung und Personal sollten langfristig gesichert werden.
Die interkulturelle Öffnung von Verbänden und Diensten ist unabdingbar für eine gelingende Zusammenarbeit mit Menschen mit Migrationshintergrund.
Die Modellprojekte arbeiteten innerhalb von vier Themenschwerpunktpunkten - hier ein Überblick.
Bei Freiwilligenagenturen (und Netzwerkbildung) reicht es nicht aus, sich auf eine reine Vermittlungstätigkeit zu beschränken, also dem durch einen Zeitungsbericht oder einen Flyer neugierig gewordenen Interessenten die Adresse, Telefonnummer und den Ansprechpartner einer Organisation mitzuteilen.
Vielmehr muss die Tätigkeit der Freiwilligenagentur früher ansetzen: Schon das Interesse am Engagement zu wecken, ist eine Herausforderung etwa bei Russlanddeutschen, die allein schon mit dem Begriff Ehrenamt kaum etwas anfangen können, weil sie keine entsprechenden, gesellschaftlichen Erfahrungen in den Herkunftsländern, wo die Zivilgesellschaft unterentwickelt war, machen konnten. Als Erfolg versprechend erwies sich, dass Freiwilligenagenturen eigene Projekte zur Gewinnung der neuen Zielgruppen entwickeln und durchführen - die Einbindung von Migranten als Prozess, der von Anfang an begleitet wird.
Innerhalb der Integrationsprojekte zur Stärkung der Engagementbereitschaft wurden Aktivitäten von Menschen mit Migrationshintergrund zur Verbesserung der eigenen Lebenssituation, ihrer Landsleute bzw. aller Migranten und des Gemeinwesens unterstützt. Wie dies in Trägerschaft und mit Unterstützung einheimischer Verbände gelingen kann, erprobten fünf Modellprojekte.
Weit verbreitet ist die informelle Hilfe von Migranten untereinander bei Anforderungen des täglichen Lebens: Behördengänge, Schule, Ausbildung, Beruf, Gesundheit, Verträge für Telefon und Versicherungen etc. Wer schon einige Jahre in Deutschland lebt, kann Zugewanderte aufgrund seiner Erfahrungen und Sprachkenntnisse bei der Integration unterstützen.
Die Modellprojekte sammelten Erfahrungen mit der Ausrichtung auf verschiedene Zielgruppen wie Frauen und Jugendliche, aber auch mit Schulungen sowie Stärkung der Kommunikationsfähigkeit und der Handlungskompetenzen der Akteure.
Als Mentoren / Paten fungieren Persönlichkeiten, die ihre Erfahrungen, aber auch Unterstützung und Kontakte für Migranten einbringen, um sie bei der Bewältigung einer komplexeren Aufgabe, etwa dem Finden eines Ausbildungsplatzes, zu unterstützen.
Ein Mentor ist ein erfahrener Experte mit langjähriger praktischer Erfahrung, der diese zur Verfügung stellt, um weniger Erfahrenen bei der Bewältigung bestimmter Aufgaben zu helfen und deren persönliche / berufliche Entwicklung zu fördern. Aus dem Zusammenwirken kann sich ein freundschaftliches, ja sogar einer Verwandtschaft vergleichbares Verhältnis entwickeln, daher spricht man auch von Paten.
In den Modellprojekten wurde eruiert, auf welche Weise Mentoren bzw. Paten den Integrationsprozess von Migranten begleiten können. Durch den direkten Kontakt können beispielsweise Jobpaten den Jugendlichen aus ihrer persönlichen Erfahrung Ratschläge geben, Erfolgsrezepte sowie Kontakte zu Betrieben vermitteln.
Die drei Modellprojekte im Bereich interkulturelle und fachliche Qualifizierung weisen die höchste Heterogenität auf. So geht es beim Projekt in Bochum darum, Migranten für ein bürgerschaftliches Engagement speziell in der Altenhilfe zu gewinnen. Eine Befragung entsprechender Einrichtungen ergab, dass der Bedarf an Freiwilligen in der Altenarbeit hoch ist. Das heißt aber noch lange nicht, dass es auch entsprechend viele Engagierte gibt – sie müssen erst einmal gewonnen, qualifiziert und motiviert werden, wozu inzwischen wichtige Praxiserkenntnisse vorliegen.
Die Zusammenarbeit von Haupt- und Ehrenamtlichen lässt sich hier klar abgrenzen: Die Hauptamtlichen übernehmen die pflegerischen und medizinischen Tätigkeiten, die Ehrenamtlichen ergänzen dies durch zusätzliche menschliche Zuwendung wie Gespräche, vorlesen, spielen, spazieren gehen oder einkaufen, wofür die Hauptamtlichen oft keine Zeit haben. Die Engagierten sorgen damit für einen Zugewinn an Lebensqualität.
Da das Verständnis der Hauptamtlichen für die Ehrenamtlichen aber gerade bei belastenden Tätigkeiten etwa in Seniorenpflegeheimen nicht einfach vorausgesetzt werden kann, besteht auch in der Phase der Einbindung der Ehrenamtlichen großer Bedarf an Begleitung und Betreuung. Dies gilt auch für die weiteren Projekte in diesem Bereich, die ein Qualifizierungskonzept im Bereich Engagement und Integration entwickelten und umsetzten bzw. Migranten als Partner für die Umsetzung gemeinwohlorientierter Aktivitäten begleiteten.
Bei aller Unterschiedlichkeit der Ansätze bestand das Verbindende aller 16 Modellprojekte darin, dass Engagierte zur Verbesserung und Intensivierung der Integrationsmaßnahmen aktiviert, eingebunden, unterstützt und fortgebildet wurden.
Die fachliche Begleitung der Stiftung Bürger für Bürger diente der Unterstützung der haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an den Projektstandorten, zur Erarbeitung, Diskussion und Aufbereitung von Erfahrungen und (Zwischen-)Ergebnissen, zur Ausarbeitung von übertragbaren Handlungsempfehlungen und zur Qualitätssicherung.
Die Abschlussdokumentation wird voraussichtlich im Januar 2010 ins Internet gestellt und ist als Druckfassung verfügbar.
Weitere Infos: Bernhard Schulz, Geschäftsführer der Stiftung Bürger für Bürger, Tel. 030 / 24 31 49-0, info@buerger-fuer-buerger.de