Projekt zur Stärkung der Integrationsfähigkeit und des ehrenamtlichen Engagements ausländischer Frauen (Pro:SIE)
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Projekt zur Stärkung der Integrationsfähigkeit und des ehrenamtlichen Engagements ausländischer Frauen (Pro:SIE)
Das Projekt "Pro:SIE" der AWO Stuttgart richtete sich sowohl an bereits länger hier lebende als auch neuzugewanderte Frauen, die sich über alltags- und integrationsrelevante Themen informieren und ihre Kommunikationsfähigkeit stärken wollten, Kontaktmöglichkeiten suchten, an einem freiwilligen Engagement Interesse hatten oder bereits freiwillig engagiert waren und Informations- und Kontaktbedarf hatten.
Inhalt des Projektes war die Initiierung und Förderung des ehrenamtlichen Engagements durch Stärkung der Persönlichkeit, des Selbstbewusstseins und Orientierungsfähigkeit der Frauen mit Migrationsgeschichte.
Kurzfristige Ziele des Projektes wie Wissens- und Informationsvermittlung, Vermittlung von Orientierungshilfen in Bezug auf integrationsrelevante gesellschaftliche Strukturen und Einrichtungen, Gewinnung der Frauen als Multiplikatorinnen wurden definiert und waren die Grundlage für die Erfolge beim Erreichen der mittel- und langfristigen Ziele. Die Intensivierung der sozialen Kontakte zwischen Frauen unterschiedlicher Ethnien als persönlichkeitsstabilisierender Faktor und Erlernen von gegenseitiger Akzeptanz bei individueller Unterschiedlichkeit, Aufarbeitung der Migrationserfahrung, Förderung der Kommunikationsfähigkeit waren mittelfristige Ziele, die kontinuierlich und parallel verfolgt wurden. Außerdem waren sie thematisch und inhaltlich in der Gruppenarbeit verankert und wurden entsprechend methodisch – didaktisch berücksichtigt.
Um die langfristigen Ziele - Gewinnung für bürgerschaftliches Engagement (Patinnen, Vereine, Institutionen), Stärkung des Selbstwertgefühls und der eigenen Persönlichkeit, Förderung des Vertrauens auf die eigenen Ressourcen (Empowerment), Stärkung der Fähigkeit zum selbstbewussten Handeln und Agieren in der deutschen Gesellschaft - erreichen zu können, wurden die Frauen in Schulungen, Seminaren, Kursen, Vorträgen, Workshops zu integrationsrelevanten, alltagsorientierten und frauenspezifischen Themen qualifiziert.
Neben den intern stattfindenden Qualifizierungsmaßnahmen wurden regelmäßig Informationsveranstaltungen in anderen Institutionen angeboten. Dies waren Institutionen, die Frauen eine weitere Unterstützung geben konnten (Mütterzentrum, Kinderschutzbund, Freiwilligenagentur, Kaleidoskop, KISS usw.), Institutionen, in denen ein freiwilliges Engagement möglich ist (Bürgerhaus, Generationenenhaus, Begegnungsstätte, Frauenkulturzentrum, betreutes Wohnen usw.) oder deren Besuch von allgemeinem Interesse war, da sie zur Kenntnis der Stadt und des Lebensumfeldes gehören (Haus der Geschichte, Landesmuseum, Staatsgalerie etc.).
Darüber hinaus wurden diejenigen, die unmittelbar ehrenamtlich aktiv werden wollten, persönlich beraten, begleitet und unterstützt. Für die bereits ehrenamtlich Tätigen gab es eigene Reflexionstreffen.
Im Sinne des Empowermentansatzes wurde in den Seminaren und der Einzelberatung dazu ermutigt, die eigenen Stärken zu entdecken und sich mit ihnen auseinanderzusetzen, und darüber hinaus wurde Hilfestellung bei der Aneignung von Selbstbestimmung und Lebensautonomie vermittelt. Besonders hervorzuheben ist die Durchführung von der Schulungsreihe "Encouraging Training nach dem Schonaker Konzept" (Ermutigungstraining). Dieses Training hat sich als geeignet erwiesen zur positiven Auseinandersetzung mit den eigenen Stärken, Wünschen und Zielen (Ressourcen) und bewirkte bei den teilnehmenden Frauen unmittelbar eine Stärkung ihres Selbstwertgefühls. Zur Stärkung der erzieherischen Position der Frauen/Mütter wurde der zertifizierte Elternkurs "Starke Eltern - Starke Kinder" initiiert, organisiert und durchgeführt.
Über die thematischen Seminare und Schulungen hinaus wurde eine Reihe von informellen Kontaktmöglichkeiten initiiert. Diese für alle Frauen offenen Treffen fanden regelmäßig zwei Mal im Monat statt. Die teilnehmenden Frauen setzten sich, oftmals in Form einer Diskussion, mit ihren Integrationserfahrungen, dem ehrenamtlichen Engagement, mit politischen und gesellschaftlichen Geschehnissen auseinander.
Neben den Gruppenangeboten lag das Hauptaugenmerk auf einer verstärkten Einzelberatung. In dieser wurden die persönlichen Kompetenzen, Vorstellungen und Wünsche der Frauen systematisch herausgearbeitet und analysiert.
Das Projekt zeichnete sich durch die intensive und erfolgreiche Öffentlichkeits- und Vernetzungsarbeit aus. Ziele und Programm des Projekts wurden regelmäßig in den Integrations- und Sprachkursen für Frauen vorgestellt. Die Kontakte zu Einrichtungen des bürgerschaftlichen Engagements wie Kontaktstelle Selbsthilfe (KISS), Frauen helfen Frauen e.V., Kinderschutzbund, Krankenhaushilfe/Grüne Damen usw. wurden kontinuierlich gepflegt. Die Monatsprogramme Pro:SIE wurden den Teilnehmerinnen und Kooperationspartnern zugeschickt. Diese waren auch im Internet abrufbar. Das Projekt wurde regelmäßig in der örtlichen - auch türkischsprachigen - Presse vorgestellt.
Pro:SIE stieß auf großes Interesse bei ausländischen Frauen, weil die Angebote auf die Bedürfnisse und Wünsche der Migrantinnen zugeschnittenen waren. Dies ermöglichte eine hohe Quote bei der Erreichung der Zielgruppe. Der Erfolg des Projektes zeigte sich auch daran, dass 235 Frauen aus 43 Ländern an den 215 Veranstaltungen teilgenommen haben (in Gruppen je 10 bis 15). Erreicht wurde auch, dass 53 Frauen sich in Bereichen Kinderbetreuung, Nachbarschaftshilfe, familienunterstützende Hilfen/Patenschaften, journalistische Tätigkeit, Hausaufgabenhilfe, Unterstützung beim Erlernen der deutschen Sprache bei unterschiedlichen Trägern engagieren.
Schwierig war die Vermittlung von Frauen mit geringen Deutschkenntnissen. Der Verlauf und die Ergebnisse des Projektes haben bestätigt, dass ein Verständnis von freiwilligem Engagement in den jeweiligen Kulturen unterschiedlich ist. Frauen sind bürgerschaftlich engagiert, indem sie Informationen und Wissen in ihr soziales Umfeld tragen und so andere Frauen unterstützen, die ansonsten nicht erreicht werden könnten. Ausländische Frauen engagieren sich erst dann bürgerschaftlich, wenn sie selbst genügend Wissen und Erfahrung im Umgang mit der deutschen Gesellschaft haben und sich als vollwertige Mitglieder dieser Gesellschaft wahrnehmen.
In Folge der Übungen in Seminaren und Schulungen waren die Frauen in der Lage, reale Situationen im Alltag besser zu meistern. Außerdem hat sich durch die regelmäßigen Kontaktmöglichkeiten das Hören und Reflektieren von Inhalten der Seminare die Sicherheit in der Anwendung der deutschen Sprache objektiv bei den Teilnehmerinnen erhöht. Es zeigte sich zunehmend, dass die Heterogenität der Herkunft der Frauen einen positiven Faktor in der Gestaltung des Projektes darstellte und sorgte für den informellen Erwerb interkultureller Kompetenz.
Auf große Zustimmung stießen die regelmäßig stattfindenden EDV- Einführungskurse "Grundlagen Betriebssystem, Textverarbeitung und Internet". Ausländische Frauen, vor allem jene mit kleinen Kindern, gehören zu den gesellschaftlichen Gruppen, die zu den "neuen Medien" oft nur schwer Zugang finden. Ergänzend dazu konnten die Frauen ihre erworbenen Basiskenntnisse am PC in offenen EDV-Nachmittagen (zwei Mal monatlich) festigen und vertiefen. EDV-Kenntnisse und Internetrecherche sind für die Frauen wichtige Hilfsmittel zur Orientierung und gesellschaftlichen Teilhabe.
Kontakt: Arbeiterwohlfahrt Kreisverband Stuttgart e.V., Projekt "PRO:SIE", Frau Thielmann / Herr Ceschan, Olgastr. 63, 70182 Stuttgart, Tel. 0711 / 2106152