Bürgerschaftliches Engagement fördert die Integration von Migranten
|
Nach den Jugendkrawallen in
Frankreich:
Bürgerschaftliches Engagement
fördert die Integration von Migranten
Respekt, Anerkennung, Teilhabe, Akzeptanz – das sind Schlüsselbegriffe für eine intakte Bürgergesellschaft, in der Einheimische und Migranten friedlich miteinander leben. Doch Solidarität, gegenseitige Hilfe und Toleranz lassen sich nicht verordnen, sondern müssen tagtäglich neu gelebt und eingeübt werden. Dazu bietet bürgerschaftliches Engagement eine vielfältige Plattform.
Viele Menschen mit Migrationshintergrund engagieren sich bereits in unterschiedlichen Bereichen und Formen in sozialen Netzwerken und freiwilligen Vereinigungen. In Kulturvereinen, sozialen Projekten und Initiativen von Menschen mit Migrationshintergrund geht es oft zunächst einmal um die unmittelbare Hilfe zur Selbsthilfe. Menschen aus der eigenen ethnischen „community“ helfen neu Zugezogenen bei der Suche nach einer Wohnung oder einem Arbeitsplatz, bei Behördenkontakten oder bei der Überwindung von Sprachproblemen. Insoweit wirkt das freiwillige Engagement für die beteiligten oft als „Brücke“ in die Ankunftsgesellschaft und stellt außerdem eine wichtige Unterstützungsressource für Rat und Hilfe Suchende im eigenen Milieu dar. Es geht aber nicht immer um Aktivitäten im eigenen Milieu. Menschen mit Migrationshintergrund wirken vielmehr auch in vielen Vereinigungen und Organisationen der Ankunftsgesellschaft – etwa in Freizeit und Sport – mit und bringen so ihre spezifischen Kompetenzen und Sichtweisen ein. Mit ihrem Engagement betreiben die Migrantinnen und Migranten also nicht nur Selbsthilfe in engerem Sinne, sondern sie bereichern mit ihrem Engagement auch die Ankunftsgesellschaft. Mit ihrem Zugang zu mindestens zwei Kulturen – der Herkunfts- und der Ankunftsgesellschaft – verfügen sie nämlich über besondere Fähigkeiten und Fertigkeiten, die in einer globalisierten Welt immer wichtiger werden. Allerdings wird das Ausmaß und der produktive Wert dieser Fähigkeiten und des hieraus resultierenden Engagements nicht immer genügend erkannt und gewürdigt. Um die Potenziale des freiwilligen Engagements von Menschen mit Migrationshintergrund stärken und besser nutzen zu können, müssen sich daher Vereine, Projekte und Verbände stärker für die besonderen Belange, Sichtweisen und Aktivitäten von Menschen mit Migrationshintergrund öffnen. Darüber hinaus sollten die Projekte und Aktivitäten von Migrantinnen und Migranten öffentlich bekannt gemacht und infrastrukturell unterstützt werden. Auch sind Formen der Anerkennung zu entwickeln und zu erproben, die das Engagement von Menschen mit Migrationshintergrund in besonderer Weise würdigen. Auf dem Weg zu einer lebendigen Bürgergesellschaft muss es darum gehen, die produktiven Potenziale und Chancen des Zusammenleben von Einheimischen und Zugewanderten für die Bewältigung der Herausforderungen der Gesellschaft zu erkennen, und es den Menschen mit Migrationshintergrund zu erleichtern, ihre spezifischen Sichtweisen und Handlungspotenziale in das Gemeinwesen einzubringen.
Dazu will die Stiftung Bürger für Bürger beitragen: Durch das Projekt „Förderung des bürgerschaftlichen Engagemnts bei Aussiedlern und Migranten“ mit inzwischen 70 Veranstaltungen (siehe Seite 5), dem Civitas-Projekt „Förderung des gemeinsamen Engagements von jugendlichen Aussiedlern und Einheimischen“ (siehe Beitrag unten) und mit dem bundesweiten Wettbewerb „Teilhabe und Integration von Migrantinnen und Migranten durch bürgerschaftliches Engagement“. Daran haben sich bereits zahlreiche Vereine, Projekte und Initiativen beteiligt. Mit dem Praxis- und Ideenwettbewerb sollen vorbildhafte Praxis und realisierbare innovative Ideen identifiziert, anerkannt bzw. ausgezeichnet und zur Nachahmung oder erstmaligen Realisierung angeregt werden, in denen Migranten neben Einheimischen gemeinsam ehrenamtlich mitwirken.
Die Auszeichnung der Preisträger erfolgt durch Geldpreise (1. Preis: 2.500 EUR, 2. Preis: 1.500 EUR, 3. Preis: 1.000 EUR – diese sollen vor allem zur Weiterentwicklung bzw. Verbreiterung guter Praxis bzw. zur Erprobung praktikabler Idee eingesetzt werden), Öffentlichkeit (Preisverleihung, attraktive Präsentation im Internet etc.), Kontakten sowie gegenseitiger Hilfe im Netzwerk.
Der Einsendeschluss wurde auf den 15. Dezember 2005 verlängert.
Formlose Bewerbungen mit weiteren Infos wie Projektbeschreibung, Pressebeiträgen, Publikationen und Internetverweisen sind zu richten an die Stiftung Bürger für Bürger, Herrn Bernhard Schulz, Singerstr. 109, 10179 Berlin, E-Mail: info@buerger-fuer-buerger.de, Tel. 030 / 24 31 49-0.
Der Wettbewerb wird unterstützt von der Gemeinnützigen Treuhandstelle e.V. in Bochum und der DFB-Stiftung Egidius Braun.