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Jochen Welt setzt auf Bürgerengagement in der Aussiedler- und Integrationspolitik

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September 2004

 

Jochen Welt setzt auf Bürgerengagement in der Aussiedler- und Integrationspolitik

Auszüge aus der Veröffentlichung „betrifft: Bürgergesellschaft“ des Aussiedler-Beauftragten der Bundesregierung

Die Politik muss Rahmenbedingungen schaffen, die den Menschen die Beteiligung am Gemeinwesen ermöglichen. Bürgergesellschaft bedeutet Kultur der Partizipation.
Gerade der Integrationsbereich ist ein ideales Feld für bürgerschaftliches Engagement: Integration hängt nicht zuletzt davon ab, ob die Zuwanderer auf Akzeptanz und Unterstützung bei der einheimischen Bevölkerung stoßen.
Ehrenamtlich Tätige können Patenschaften übernehmen und die Neubürger in ihrer schulischen, sozialen, kulturellen, wirtschaftlichen und beruflichen Eingliederung in unsere Gesellschaft begleiten, bis sie einen festen Standort gefunden haben.
Nicht zuletzt sind die Zuwanderer, die schon länger bei uns leben, aufgerufen, ihre speziellen Sprach- und Mentalitätskenntnisse in den Dienst ihrer neu ankommenden Landsleute zu stellen.
Das Betreuungs- und Beratungssystem für die Aussiedler stützt sich auf einen hohen Anteil an ehrenamtlichen Mitarbeitern. Allein bei der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland gibt es rund 600 ehrenamtliche Bürgerinnen und Bürger, die die hauptamtlichen Mitarbeiter bei der Beratung und Betreuung unterstützen.
Die Sozialberatung für Aussiedler muss mit Integrationsverträgen und Integrationslotsen angereichert werden und sollte u.a. folgende neue Aufgaben wahrnehmen: Erstellung des Integrationsvertrages, Abstimmung der Integrationselemente mit den gesellschaftlichen Integrationsträgern (Arbeitsamt, Sozialamt, Bildungsträger, Ausbildungsträger), Begleitung, Controlling und ggf. Korrektur im Rahmen der Vertragsphase. Durch ehrenamtliche Patenschaften zwischen einem hiesigen Bürger und Neubürgern könnte die Aufgabenerweiterung ohne zusätzlichen Personalbedarf realisiert werden.
Ohne ehrenamtliches Engagement wäre die Integration der mehr als zwei Millionen Aussiedler, die seit 1990 aus der ehemaligen Sowjetunion und osteuropäischen Staaten nach Deutschland gekommen sind, viel schwieriger verlaufen. Integration ist eine der wichtigsten innenpolitischen Aufgaben und Herausforderungen der kommenden Jahre; zu Recht in die Rede vom „Jahrzehnt der Integration“. Integration und Zuwanderung gehören untrennbar zusammen. Ohne Integration kann es keine sozialverträgliche Zuwanderung geben.
Das Bundesministerium des Innern fördert Maßnahmen zur gesellschaftlichen Integration der Aussiedler. Die Integration insbesondere der jugendlichen Aussiedler ist zunehmend problematisch. Im Hinblick darauf habe ich eine deutliche Erhöhung der Mittel erreicht: Sie sind, trotz aller Sparzwänge, von umgerechnet rund 16,4 Mio. Euro im Jahr 1998 auf 28,08 Mio. Euro im Jahr 2003 erhöht worden. Im Jahr 2004 kann dieser Betrag gehalten werden. Diese Entwicklung zeigt, wie ernst es dieser Bundesregierung mit der Eingliederung der Spätaussiedler ist.
In Form von Projektförderung zielt das Konzept zur sozialen Integration im Wohnumfeld insbesondere auf die präventive Arbeit mit Jugendlichen, die Entschärfung sozialer Konflikte, die Akzeptanzsteigerung bei der einheimischen Bevölkerung, die Verbesserung der Kontakte zwischen Spätaussiedlern, Ausländern und Einheimischen sowie die Heranführung an soziale Einrichtungen. Im Jahr 2003 wurden rund 1.100 Maßnahmen mit den BMI-Integrationsmitteln gefördert.
Die ehrenamtliche Tätigkeit unserer Bürgerinnen und Bürger in Vereinen und Wohlfahrtsverbänden, die ihre sozialen Intentionen mit tragfähiger Nächstenliebe verbinden, ist heute mehr denn je von größter Bedeutung. Jeder ehrenamtliche Mitarbeiter ist ein Werber für mehr Akzeptanz und Toleranz für unsere Neubürger.

Jochen Welt ist seit 1990 Mitglied des Bundestages und seit 1998 Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten.

Der vollständige Text ist erschienen als „betrifft: Bürgergesellschaft 08“ des Arbeitskreises Bürgergesellschaft und Aktivierender Staat der Friedrich-Ebert-Stiftung. Er ist zu finden im Internet www.buerger-fuer-buerger.de im Nachrichten-Telegramm vom 23.06.04