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Dezember 1998

 

Kultur, die nichts kostet – außer Freizeit

Viele Vereine beklagen das mangelnde Engagement ihrer Mitglieder. Einer nicht: der Verein "Ehrenamt in Darmstadt" (EAD). Von den 230 Vereinsmitgliedern sind 190 aktiv und leisten jährlich rund 12.000 Arbeitsstunden in 30 kulturellen Einrichtungen – uneigennützig. Die Liste der Einsatzfelder birgt klangvolle Namen und reicht vom Hessischen Landesmuseum über das Staatstheater und die Kunsthalle bis zum Hessischen Staatsarchiv.

Friedrich-Wilhelm Bremer, zweiter Vorsitzender und Mitinitiator des Vereins, bringt das Erfolgsrezept auf den Punkt: "Im Gegensatz zum traditionellen Ehrenamt können unsere Mitarbeiter ihre eigenen Ideen weiterentwickeln. Sie haben ein Mitspracherecht und die Möglichkeit, ihre Arbeitszeit flexibel einzuteilen." So basieren etwa die Angebote "Märchenerzählen im Museum" oder das Infomobil im Vivarium auf Anregungen von EAD-Mitstreitern. Wurde die Arbeit der Ehrenamtlichen in den Anfangsjahren aus Privatwohnungen koordiniert, lädt der Verein seit Juni voller Stolz in einen eigenen Raum im Literaturhaus ein. Möbel, Computer und die Eröffnungsfeier wurden gesponsort.

Den Vorwurf einer Arbeitsplatzvernichtung weist Bremer vehement zurück: Die Ehrenamtlichen trügen dazu bei, die städtische kulturelle Infrastruktur teilweise sogar auszubauen. Dafür Professionelle zu bezahlen, würde die Stadt in Zeiten chronisch knapper Kulturetats völlig überfordern. Und die Zeit, die beispielsweise die "grünen Damen" in der Krankenbetreuung einbrächten, könne keine Krankenschwester von ihrem täglichen Arbeitspensum "abknapsen". Ausdrücklich steht in den Statuten: Eine Hilfe wird nur dort geleistet, wo sichergestellt ist, daß kein Angestellter dadurch seinen Arbeitsplatz verliert oder nicht in Anspruch nehmen kann.

Dagegen erzielten die EAD-Mitstreiter auch einen persönlichen Gewinn. Wer sich zu früh in den Ruhestand abgeschoben fühlt, kann durch das Ehrenamt sein Selbstwertgefühl stärken. Frauen nach der Familienphase finden im Ehrenamt oft Anregungen für den Wechsel in einen neuen Beruf. Bei Bewerbungen ist der vom Verein ausgestellte Nachweis eine gute Empfehlung. Außerdem bietet das kulturelle Engagement Gesprächsstoff und soziale Kontakte. Man blickt hinter die Kulissen, arbeitet sich in neue Fachgebiete ein.

Obwohl alle Akteure ehrenamtlich arbeiten, benötigt der Verein natürlich Geld für Sachmittel, zumal eine bei anderen Vereinen sonst übliche Geldquelle nicht sprudelt: Die Mitarbeiter zahlen keine Beiträge. Nicht zuletzt durch das weitreichende Einsatzgebiet gelingt es dem Verein aber immer wieder, Sponsoren für eine Unterstützung zu begeistern.

Kontakt:

Ehrenamt für Darmstadt e.V.
Herr Friedrich-Wilhelm Bremer
Kasinostr. 3
64293 Darmstadt
Tel. 06151/272 322