Reform der Sozialsysteme durch bürgerschaftliches Engagement
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Stellungnahme von Pfarrer Jürgen
Gohde, Präsident des Diakonischen Werkes der Ev. Kirche
Bei den derzeit geführten Diskussionen und Vorschlägen zur Reform der Sozialsysteme kommen bürgerschaftliches Engagement und Stärkung der Zivilgesellschaft so gut wie nicht vor. Dabei wäre die Forderung nach mehr Eigenverantwortung eine hervorragende Grundlage, Zivilcourage, Engagement und Nächstenliebe einzufordern. Eigenverantwortung wird jedoch durchgängig auf den finanziellen Aspekt verkürzt und individualisiert verstanden.
Dass Eigenverantwortung auch heißen kann, etwas für andere, für die Gemeinschaft und damit auch etwas Gutes für sich selbst zu tun, kommt in der Debatte nicht vor. Wer sich auf eine rein quantitative und rechtliche Debatte einlässt, wer nur mit finanziellen Kürzungen und Leistungseinschränkungen droht, wird keine nachhaltige Qualitätsverbesserung der Sozialsysteme erreichen können.
Die Menschen müssen bei
Reformen mitgenommen werden nicht nur als Beitragszahler, Konsumenten und Wähler,
sondern auch als Gemeinschaftswesen, Nachbarn und Helfer/innen. Solange es also
nicht gelingt, bürgerschaftliches Engagement und eine zivilgesellschaftliche
Weiterentwicklung als zentrales Fundament und Ziel funktionierender
Sozialsysteme in die Diskussion zu bringen, ist es nicht verwunderlich, wenn das
‚weiche’ Thema Engagement öffentlich ausgeblendet wird.
(Entnommen aus: Förderung des bürgerschaftlichen Engagements, Fakten, Prioritäten, Empfehlungen, Berlin 2003, Hg.: Stiftung Bürger für Bürger, Akademie für Ehrenamtlichkeit, Thomas Olk)