Corporate Citizenship kommt an...
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Corporate
Citizenship kommt an . . .
Auszüge
aus dem Beitrag von Dieter Schöffmann auf der Tagung am 21.11.03 in Leipzig
"Corporate
Citizenship" und "Corporate Volunteering" sind angelsächsische
Begriffe, die zunehmend auch in der deutschen Wirtschafts- und Sozialpresse
auftauchen. Hierbei geht es um das gesellschaftliche Engagement von Unternehmen,
um neue konzeptionelle Ansätze des Unternehmensengagements, die zunehmend auch
in Deutschland ankommen.
. . . im Unternehmen
Dass
sich Unternehmen oder Unternehmer in Deutschland gesellschaftlich engagieren,
ist nicht neu. Allerdings ist dieses Engagement meist eher von den ethischen
Motiven oder persönlichen Vorlieben des oder der Inhaber/in bzw. der Führungskraft
geprägt. Die Unternehmenspraxis eines "guten Bürgers des
Gemeinwesens" (good corporate citizen) als wesentlich für das Kerngeschäft
zu betrachten, ist dagegen eine noch ungewohnte Betrachtungs- und
Handlungsweise.
Seit
zwei, drei Jahren sind die ersten deutschen Groß- und einzelne mittelständische
Unternehmen dabei, ein unternehmensstrategisch ausgerichtetes Corporate
Citizenship-Engagement zu entwickeln. Inwiefern sich dieses neue vom
altbekannten Engagement unterscheidet, lässt sich anhand der folgenden drei
Entwicklungsstufen Unternehmer- bzw. Unternehmensengagements erläutern:
Auf
der ersten Stufe findet das „altruistische"
Engagement statt. Dies dürfte derzeit noch die in Deutschland am weitesten
verbreitete Form gesellschaftlichen Unternehmensengagements sein: Hier gibt es
keine strategische Ausrichtung oder Einbindung des Engagements in das
Unternehmensgeschehen. Getragen wird es vor allem von Inhabern, Vorständen oder
anderen Leitungskräften mit großer (finanzieller) Eigenständigkeit, die sich
ad hoc für die eine oder andere Unterstützung eines gemeinnützigen Anliegens
entscheiden. Sie bewegen vorwiegend Geld und orientieren sich dabei stark an
persönlichen Vorlieben, Empfehlungen des Ehepartners oder der persönlichen
Ansprache durch "Bedürftige". Eine Nutzen- oder „Win-Win"-Orientierung
des Engagements wird von ihnen teilweise ausdrücklich abgelehnt.
Auf
der zweiten Ebene, der „Strategischen
Philanthropie", werden bislang isolierte Aktivitäten gebündelt und
das Engagement systematisiert. Es gibt beispielsweise feste Zuständigkeiten für
Spenden und Social Sponsoring. Das Unternehmensengagement ist auf bestimmte
Themen- und Zielgebiete festgelegt, in denen eine Unterstützung stattfindet. In
diesen Bereichen wird auf Anfragen von außen reagiert. Der finanzielle Transfer
ist gegenüber anderen Unterstützungsformen stark bis dominierend vertreten.
Die
dritte Stufe schließlich wird in England zum Beispiel als „Corporate
Community Investment", also als "Investition
in das Gemeinwesen" bezeichnet. Auf dieser Stufe geschieht das
gesellschaftliche Unternehmensengagement mit einem eindeutigen Geschäftsfokus.
Corporate Citizenship ist Teil der Unternehmensidentität und findet in allen
Unternehmensbereichen und Geschäftstätigkeiten seinen Niederschlag. Mit
Gemeinwohlorganisationen bzw. dem Gemeinwesen werden langfristige
Partnerschaften eingegangen, und es sind vor allem die Kernkompetenzen und
Personalressourcen, die das Unternehmen in ein Engagement investiert. Dieses
Unternehmensengagement wird von allen Unternehmensfunktionen getragen und
professionell gemanagt. Es wird nicht auf Unterstützungsanfragen gewartet,
sondern das Unternehmen ergreift selbst die Initiative, identifiziert Probleme,
spricht potenzielle Partner an und entwickelt Projekte und Maßnahmen. Bei solch
einer strategischen Ausrichtung haben in einzelne Unternehmensbereiche oder
"Abteilungsfürstentümer" aufgeteilte Spenden- und Social
Sponsoring-Etats keinen Platz mehr. Konsequenter Weise sind Corporate
Citizenship-Verantwortliche bestrebt, solch zerstückelte Etats unter einem
strategischen Dach zu bündeln. In diesem Prozess befinden sich derzeit die
ersten deutschen Unternehmen.
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. . im Markt
Ob
Absatz-, Kapital- oder Personalmarkt: Das Image und die Praxis als guter Bürger
wird Unternehmen zunehmend Wettbewerbsvorteile bringen. Nach und nach wird in
unterschiedlichen Märkten ein glaubwürdiges und nachhaltiges Corporate
Citizenship-Engagement ein weiteres hartes Kriterium für den erfolgreichen
Geschäftsabschluss. Die Erfüllung erforderlicher gesetzlicher Auflagen sowie
das Vorhandensein der notwendigen Kompetenz und Potenz zur Realisierung eines
Auftrages reichen dann alleine nicht mehr aus. Und spätestens dann, wenn Qualität
und Preis von Wettbewerbsprodukten vergleichbar sind, kann der Imagefaktor
"Corporate Citizenship" ausschlaggebend werden.
Und
Unternehmen mit einem gut entwickelten Corporate Citizenship-Programm - wie das
mittelständische Pharmaunternehmen betapharm z.B. - machen jetzt schon die
Erfahrung, dass sie auf Grund dieser Tatsache zum Arbeitgeber der ersten Wahl
werden.
.
. . bei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern
In
der Tat kommt Corporate Citizenship bei potenziellen wie aktuellen
Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gut an, besonders dann, wenn sie direkt in
solche Aktivitäten eingebunden sind. Ein solches Corporate Volunteering - das
Engagement von Unternehmen mit ihren Mitarbeiter(inne)n
- kann viele Gestalten annehmen: Mitarbeiter bringen an einem Tag ihre
Arbeitskraft ein und renovieren z.B. einen Kindergarten. Oder sie stellen ihr
fachspezifisches Know-how z.B. im Bereich Marketing oder PR zur Verfügung und
entwickeln ein Konzept für eine gemeinnützige Einrichtung. Oder sie übernehmen
Vorstandstätigkeiten im gemeinnützigen Verein.
Mitarbeiter
erleben in Corporate Volunteering-Projekten oft, dass sie mehr erreichen können
als sie dachten. Sie entwickeln bzw. erproben neue und verbessern bestehende Fähigkeiten
in einer lebensechten Situation und stärken so ihr Selbstvertrauen. Sie
erfahren die Zufriedenheit, etwas Wertvolles und Sinnvolles zu tun.
Corporate
Citizenship entwickelt sich weiter
Rund
um das Thema Corporate Citizenship werden derzeit von Unternehmen insbesondere
zwei Aspekte diskutiert: Zum einen beschäftigen sie sich zunehmend mit Fragen
eines strategischen Corporate Citizenship-Engagements und seiner zielgerichteten
und messbaren Wirkung. Dies ist vor allem der Tatsache geschuldet, dass
angesichts der wirtschaftlichen Situation und des gestiegenen Kostendrucks auch
das gesellschaftliche Unternehmensengagement unter Effizienzdruck gerät.
Zum
anderen werden Möglichkeiten der Engagementkooperation zwischen Unternehmen
gesucht. Zurzeit gibt es einige wenige eher informelle Corporate
Citizenship-Gesprächskreise, an denen Praktiker und Interessierte aus dem
Unternehmensbereich teilnehmen. Zwei dieser Gesprächskreis („Rhein-Ruhr“
und „Rhein-Main“) organisiert meine Agentur. Ein Großunternehmen ist an
seinem Standort initiativ geworden und hat andere Unternehmen zur Zusammenarbeit
eingeladen – zum Beispiel zur gemeinsamen Lösung der Obdachlosigkeit vor Ort.
Die Idee, in Deutschland eine der britischen Organisation „Business in the
Community“ (www.bitc.org.uk)
vergleichbare zu gründen, wird schon länger von einzelnen Unternehmen
ventiliert. In UK sind 700 Unternehmen Mitglied von Bitc - unter anderem 70
Prozent der börsennotierten (FTSE100) Großunternehmen. BitC entwickelt und
realisiert für und mit seinen Mitgliedern Kampagnen zur Lösung
gesellschaftlicher Probleme. Bislang ist die Initiative für eine deutsche
BitC-Organisation allerdings nicht weit voran gekommen. Inwieweit die im
Mai 2003 erfolgte Gründung des Unternehmensnetzwerkes im Umfeld von
„Unternehmen Partner der Jugend“ den Charakter von BitC erreichen kann,
bleibt abzuwarten.
Weitere Infos: Dieter Schöffmann, Geschäftsführer der Vis a Vis Agentur für Kommunikation GmbH, Stolberger Str. 3, 50933 Köln, Tel. 0221 / 95 45 67-1, Fax 0221 / 95 45 67-5, E-Mail: ds@visavis-agentur.de, Internet: www.visavis-agentur.de