Beispielhafte Integrationsarbeit: Das Sondheimer Modell
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Seit 1990 läuft das
Integrationsprojekt im bayrischen Sondheim (Landkreis Rhön-Grabfeld). Es
basiert auf der Idee, die Spätaussiedler nicht zentral im Wohnheim, sondern in
Privathäusern unterzubringen. Aus dieser Arbeit wuchs das „Modell Sondheim“
des Münchener Juristen und Politologen Prof. Dr. Bernhard Stangl, das
inzwischen bundesweit Beachtung findet. Drei Diplomarbeiten von Stangls
Studenten liefern auch eine wissenschaftliche Auswertung.
Das Modell legt vier Säulen
der Integration zugrunde: Das Wohnen zusammen mit Einheimischen, politische
Seminare mit Integrationshilfe, Sprachkurse und kulturelle Aktivitäten vor Ort.
Die für Aussiedler oft
schwierigen Gänge zu Ämtern, Schul- und Kindergartenanmeldung für die Kinder
werden von Einheimischen und Aussiedlern gemeinsam erledigt – ehrenamtlich.
„Mutter“ und „gute Seele“ der Arbeit ist Jenny Schober,
Aussiedlerbeauftragte der CSU für Rhön-Grabfeld und Unterfranken. „Die
Aussiedler wollen dazu lernen. Und das funktioniert hier wirklich sehr gut“,
zieht sie nach inzwischen 13jähriger Tätigkeit Bilanz.
Die politischen Seminare
unter der Leitung von Prof. Stangl behandeln Themen wie Bevölkerungsbewegungen
von und nach Deutschland, Grundzüge und –aspekte deutscher Geschichte,
politische, wirtschaftliche und soziale Probleme sowie den Heimatbegriff. Dabei
kommt der Austausch mit Vertretern aus Stadt- und Kreisrat nicht zu kurz. Im
Vorjahr gab es rund 20 dieser zweieinhalbtägigen Seminare – mit Unterstützung
der Hanns-Seidel-Stiftung. „Gerade für Schulklassen und Jugendliche schafft
das Lernen außerhalb der Schule eine besondere Atmosphäre für die Reflexion
der eigenen Persönlichkeit und die der Klassenkameraden“, sagt Jenny Schober.
Sie achtet darauf, dass etwa gleich viele Aussiedler und Einheimische eingeladen
werden. Das begünstigt Rollenspiele und das persönliche Kennenlernen.
Für sein außergewöhnliches
Engagement erhielt Prof. Stangl im Dezember 2002 die Bayerische Europa-Medaille.
Diese Medaille erhalten Persönlichkeiten, die sich in besonderer Weise um die Förderung
Bayerns und eines vereinten Europas verdient gemacht haben.
Von der fachlichen Qualität
der Veranstaltungen, der Begeisterung der Teilnehmer und des „besonderen Händchens“
von Prof. Stangl beim Gespräch mit Jugendlichen haben sich inzwischen auch
Referenten der Stiftung Bürger für Bürger ein Bild machen dürfen. Geschäftsführer
Bernhard Schulz: „Dieses bürgerschaftliche Engagement leitet einen wichtigen
Beitrag zum gegenseitigen Verstehen und Zusammenleben.“
Als gutes Beispiel stellte
sich das Projekt bereits bei der Tagung „Förderung des bürgerschaftlichen
Engagements bei Spätaussiedlern“ im Herbst 2001 im Berliner Abgeordnetenhaus
vor.