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Beispielhafte Integrationsarbeit: Das Sondheimer Modell

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Online-Informationsdienst der Stiftung Bürger für Bürger

September 2003

 

Beispielhafte Integrationsarbeit: Das Sondheimer Modell

Seit 1990 läuft das Integrationsprojekt im bayrischen Sondheim (Landkreis Rhön-Grabfeld). Es basiert auf der Idee, die Spätaussiedler nicht zentral im Wohnheim, sondern in Privathäusern unterzubringen. Aus dieser Arbeit wuchs das „Modell Sondheim“ des Münchener Juristen und Politologen Prof. Dr. Bernhard Stangl, das inzwischen bundesweit Beachtung findet. Drei Diplomarbeiten von Stangls Studenten liefern auch eine wissenschaftliche Auswertung.

Das Modell legt vier Säulen der Integration zugrunde: Das Wohnen zusammen mit Einheimischen, politische Seminare mit Integrationshilfe, Sprachkurse und kulturelle Aktivitäten vor Ort.

Die für Aussiedler oft schwierigen Gänge zu Ämtern, Schul- und Kindergartenanmeldung für die Kinder werden von Einheimischen und Aussiedlern gemeinsam erledigt – ehrenamtlich. „Mutter“ und „gute Seele“ der Arbeit ist Jenny Schober, Aussiedlerbeauftragte der CSU für Rhön-Grabfeld und Unterfranken. „Die Aussiedler wollen dazu lernen. Und das funktioniert hier wirklich sehr gut“, zieht sie nach inzwischen 13jähriger Tätigkeit Bilanz.

Die politischen Seminare unter der Leitung von Prof. Stangl behandeln Themen wie Bevölkerungsbewegungen von und nach Deutschland, Grundzüge und –aspekte deutscher Geschichte, politische, wirtschaftliche und soziale Probleme sowie den Heimatbegriff. Dabei kommt der Austausch mit Vertretern aus Stadt- und Kreisrat nicht zu kurz. Im Vorjahr gab es rund 20 dieser zweieinhalbtägigen Seminare – mit Unterstützung der Hanns-Seidel-Stiftung. „Gerade für Schulklassen und Jugendliche schafft das Lernen außerhalb der Schule eine besondere Atmosphäre für die Reflexion der eigenen Persönlichkeit und die der Klassenkameraden“, sagt Jenny Schober. Sie achtet darauf, dass etwa gleich viele Aussiedler und Einheimische eingeladen werden. Das begünstigt Rollenspiele und das persönliche Kennenlernen.

Für sein außergewöhnliches Engagement erhielt Prof. Stangl im Dezember 2002 die Bayerische Europa-Medaille. Diese Medaille erhalten Persönlichkeiten, die sich in besonderer Weise um die Förderung Bayerns und eines vereinten Europas verdient gemacht haben.

Von der fachlichen Qualität der Veranstaltungen, der Begeisterung der Teilnehmer und des „besonderen Händchens“ von Prof. Stangl beim Gespräch mit Jugendlichen haben sich inzwischen auch Referenten der Stiftung Bürger für Bürger ein Bild machen dürfen. Geschäftsführer Bernhard Schulz: „Dieses bürgerschaftliche Engagement leitet einen wichtigen Beitrag zum gegenseitigen Verstehen und Zusammenleben.“

Als gutes Beispiel stellte sich das Projekt bereits bei der Tagung „Förderung des bürgerschaftlichen Engagements bei Spätaussiedlern“ im Herbst 2001 im Berliner Abgeordnetenhaus vor.

Bei der Tagung „Wege zum lebendigen Gemeinwesen: Integration von jungen Spätaussiedler(inne)n“ des Bayerischen Jugendrings und der Stiftung Bürger für Bürger am Samstag, 29. November im Haus Eckstein in Nürnberg berichtet Jenny Schober über aktuelle Ergebnisse und Entwicklungen ihrer Arbeit.