Rezension: Bürgerschaftliches Engagement in Ostdeutschland
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Rezension: Bürgerschaftliches Engagement in Ostdeutschland
Neuer Sammelband von Holger Backhaus-Maul, Olaf Ebert, Gisela Jakob, Thomas Olk (Hg.)
Interessant ist er, der neue Sammelband zum bürgerschaftlichen
Engagement, vor allem für alle Über-den-eigenen-Tellerrand-Gucker: für
Politiker, die sich für Ergebnisse der Wissenschaft interessieren, für Verbändevertreter,
welche über neue Konzepte nachdenken, für kleinere Initiativen und
Infrastruktureinrichtungen, denen es um`s Überleben geht oder für
Westdeutsche, die den Blick in den Osten wagen.
Jedenfalls haben Sie, als potenzielle/r Leser/in auf den insgesamt 350 Seiten
nicht nur viele, sondern auch sehr gut strukturierte Beiträge namhafter Autoren
vor sich liegen.
Warum ein Buch zu diesem Thema?
Anders als vor einigen Jahren ist heute deutlicher erkennbar und anerkannt, dass
es Unterschiede im bürgerschaftlichen Engagement zwischen Ost und West gibt.
Und: dass sich diese nicht nur durch zeitliche Probleme beim Nachholen, beim
Transfer erklären lassen. Bürgerschaftliches Engagement in Ostdeutschland kann
nicht allein an der Engagement-Landschaft in den Altbundesländern gemessen
werden. Es ist anders organisiert, hat ein eigenwilliges, oft bunteres Leben und
passt zunehmend weniger in die empfohlene westliche Schublade.
Das als Ausgangspunkt und die bisher unzureichenden Beschreibungen des bürgerschaftlichen
Engagements in Ostdeutschland im Hintergrund wollen die Herausgeber mit dem
vorliegenden Band vor allem Wissen über die Unterschiede in Ost und West
vermitteln. Dabei stehen - so wie der Untertitel des Bandes verspricht -
Potenziale und Perspektiven im Zentrum der Betrachtungen. Bei den Ausführungen
zu den spezifischen ostdeutschen Potenzialen - wie beispielsweise die
Traditionen und erworbenen Kompetenzen in der DDR, das Erbe der Bürgerbewegungen,
die vorhandenen bunten Netzwerke, die `besondere` Mentalität oder der
intensivere Bezug zur Erwerbsarbeit - bei all dem stellt sich die Frage, warum
kaum ein Niederschlag bei Institutionen und Organisationen auf Bundesebene, bei
aufgelegten Bundesprogrammen zu finden ist. - In jedem Falle sollten diese
genauso wie die im Band aufgezeigten `kleinen und großen` Perspektiven einer
weiteren Diskussion würdig sein.
Nach theoretischen sozialwissenschaftlichen Beiträgen, empirischen Studien zu
verschiedenen Tätigkeitsfeldern und Beiträgen zur länderbezogenen Engagementförderung
geht es um gesamtgesellschaftliche Perspektiven, um notwendige
gesellschaftspolitische Rahmenbedingungen und damit auch um die Frage, wie sich
künftig das Verhältnis von Bürgern und Staat gestalten wird, welche Rechte
und Pflichten die Bürger im Gemeinwesen haben werden und was der Staat künftig
tun muss. Ein entsprechender politischer Wille vorausgesetzt kann ein
wesentlicher Baustein zukunftsweisender Engagementpolitik die Stärkung lokaler
Infrastruktur bürgerschaftlichen Engagements sein, so etwa das Etablieren von
Freiwilligenagenturen und -zentren.
Dieses Buch - so meine ich - gibt Orientierung, Differenzierung und mitunter
auch Kraft für Gestaltende und Fragende im Themenfeld des bürgerschaftlichen
Engagements, nicht nur in Ostdeutschland. Es ermöglicht verschiedene Anknüpfungspunkte
für Theoretiker und Praktiker, um künftig auch gemeinsam (ost-)deutsche
Perspektiven des bürgerschaftlichen Engagements zu diskutieren und zu
gestalten.
Leske + Budrich, Opladen 2003, 351 Seiten, 27,90 Euro, ISBN 3-8100-2855-X
Kerstin Brandhorst
Mitarbeiterin Geschäftsstelle der Bundesarbeitsgemeinschaft der
Freiwilligenagenturen e.V. (bagfa), Torstraße 231, 10115 Berlin, Tel. 030 / 20
45 33 66, Fax 030 / 28 09 46 99, Internet: www.bagfa.de,
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