Bürgerorientierte Länderpolitik - Ein Überblick
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Bürgerorientierte Länderpolitik - Ein Überblick
Zusammenfassung und Auszüge aus dem Vortrag von Prof. Dr. Thomas Olk
Der landespolitischen Ebene kommt im Kontext
einer Politik der Förderung und Unterstützung bürgerschaftlichen Engagements
eine wichtige Rolle zu. Die stark ausgeprägte Vielfalt an Aktivitäten in den
einzelnen Bundesländern zeigt, dass sich die Förderung bürgerschaftlichen
Engagements noch nicht als ein etabliertes und fest umrissenes politisches
Handlungsfeld mit identifizierbaren Gegenstand, Instrumenten, Institutionen und
Strategien entwickelt hat. Vielmehr befinden sich die meisten Bundesländer
weitgehend noch in der Phase des "Konzipierens und Experimentierens".
Allerdings ist seit drei bis fünf Jahren ein zunehmende Intensität der Beschäftigung
mit dem Thema Engagement zu beobachten und in den letzten zwei bis drei Jahren
eine wachsende Beschleunigung in der Entwicklung von Maßnahmen.
Die bisherige Förderpraxis läßt sich als in hohem Maße fragmentiert,
ressortbezogen und zurückhaltend-mittelbar charakterisieren. Im Wesentlichen
wurden in diesem Rahmen traditionelle Formen des ehrenamtlichen Engagements, zum
Beispiel in Wohlfahrts- und Sportvereinen, aber auch in Kultur- und
Rettungswesen gefördert. Von dieser Ausgangslage hat sich die überwiegende
Mehrheit der Länder angesichts der wachsenden politischen Sichtbarkeit und
Relevanz des Themas entfernt.
Baden-Württemberg ist das einzige Bundesland, in dem die Entwicklung einer
Landesstrategie zur Förderung des bürgerschaftlichen Engagements (BE) eine
Vorlaufphase von inzwischen ca. 13 Jahren vorweisen kann. Hier hat sich seit
1990 ein eigenes politisches Handlungsfeld mit eigenständigen Institutionen,
hochrangiger politischer Bedeutung und wachsender Einbindung in übergreifende
landespolitische Strategien herausgebildet. Die Beteiligten betrachten ihre
Arbeit als eine kontinuierliche Daueraufgabe. Entstanden ist ein komplexes
Geflecht von Netzwerken und Bündnissen, mit dessen Hilfe alle wichtigen
landespolitischen Akteure in eine BE-Politik einbezogen wurden.
Bei einer Typologisierung ist dieses Beispiel am ehesten als
"integriert", d.h. durch eine systematische Bündelung und Integration
von Einzelmaßnahmen und Instrumenten zu einer umfassenden Gesamtstrategie auf
der Ebene des Landes zu kennzeichnen. Dabei üben zentrale Koordinationsstellen
wie interministerielle Arbeitsgruppen und entsprechende Funktionsstellen in der
Staatskanzlei Initiierungs- und Koordinationsfunktionen aus.
Der "fragmentierte" Typ stellt bislang den politisch-administrativen
Normalzustand in den meisten Ländern dar. Eine Mehrzahl an Ministerien legt
relativ eigenständig und unkoordiniert Programme und Maßnahmen der Engagementförderung
für unterschiedliche Zielgruppen und Förderbereiche auf. Eine gemeinsame übergreifende
Strategie der Förderung des Engagements existiert (noch) nicht und die
landespolitische Relevanz des Themas rangiert allenfalls auf der mittlere Ebene.
Durch die Bildung koordinierender Instanzen und die Entwicklung von Netzwerken
ist es einigen Bundesländern inzwischen gelungen, den Status ausschießlich
fragmentierter Politik zu überwinden.
Der "symbolisch-diskursive" Typ bezieht sich auf eine Realität der
Engagementförderung, bei der eine durchaus intensive Diskussion und politische
Thematisierung der Förderpolitik mit vergleichsweise geringen Aktivitäten der
Umsetzung und Ressourcenausstattung verbunden ist. Diesem Typ entsprechen
graduell vor allem diejenigen Länder, die im wesentlichen erst im Vorfeld der
Vorbereitung des Internationalen Jahres der Freiwilligen mit der Thematisierung
und Politisierung einer Politik der Förderung des bürgerschaftlichen
Engagements begonnen haben und aus diesem Grunde erst am Anfang der Entwicklung
von Maßnahmen, Programmen und Instrumenten sind.
Der vollständige Vortrag, den Herr Prof. Dr. Olk beim CIVITAS-Netzwerk am 21.
Februar 2003 in Bremen hielt, ist in unserem Internetangebot unter www.buerger-fuer-buerger.de
in der Rubrik "Bürgergesellschaft" nachzulesen.