Vorbildliche Bürgerbeteiligung in der Bürgerkommune Nürtingen
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Vorbildliche Bürgerbeteiligung in der Bürgerkommune Nürtingen
Wenn
wir in unserer bürgerorientierten Kommune Nürtingen von Beteiligung sprechen,
meinen wir damit nicht jene klassischen Formen der Bürgerbeteiligung, die
landauf, landab zum technokratischen Standard der Verwaltungen erhoben wurden.
Wir meinen nicht die Bürgeranhörungen zu Bebauungsplanverfahren oder gar die Bürgersprechstunde
der Verwaltungsspitze. Dies sind selbstverständliche Elemente jeder kommunalen
Demokratie und darüber hinaus in der Gemeindeverordnung verankert. Wenn wir von
Beteiligung, Partizipation und Teilhabe reden, meinen wir damit immer ein
Vorgehen, das auf einem dialogischen Prinzip, einer – wenn auch nur
zeitweiligen - Auflösung von Hierarchien basiert.
Wie
sieht diese Grundhaltung bei uns in der Praxis aus? Dazu ist es einerseits
notwendig, Nürtingen zu „erleben", wie Besucher immer wieder sagen. Die
Grundhaltung drückt sich in unserer Kommune in Stimmung, in Gefühl aber auch
in konkret anwendbaren Methoden aus.
Bei
Beteiligungsformen geht es immer auch um das Entstehen einer neuen sozialen
Kultur, in der der Mensch im Mittelpunkt des Geschehens steht. Gefunden oder
besser mitgebracht haben wir die Grundlagen dafür in der eigenen Biographie.
Die Sozialen Bewegungen der 70er und 80er Jahre lehrten uns vor allem diese
Werte: Selbstverwaltung und Selbstorganisation. Sie lehrten uns den Abschied vom
Wohlfahrtsdenken, den Aufbruch und die Suche nach Idealen, sich einem Ziel,
einer Idee leidenschaftlich zu verschreiben. Nachfolgend einige Verfahren:
„Bürgerschaftliches
Engagement vor der Haustür“: „Kultur im Zelt“ bedeutet Kultur von Bürgerinnen
und Bürgern für Bürgerinnen und Bürger, Kultur von und für alle
Generationen, Kultur von Schulen, Vereinen und Einzelkönnern. Bürgerschaftliche
Beteiligung bezieht sich auf die Programmgestaltung ebenso wie auf die
Mitbestimmung bei der Verwendung der Finanzen.
Die
gewählten Kommunalpolitiker des Stadtparlamentes gehen schon immer im Bürgertreff
ein und aus. Sie haben nach der Eröffnung schnell gemerkt, was ihnen eine
solche „permanente Bürgerversammlung“ bringt. Und umgekehrt haben die Bürger
die Nähe zu Gemeinderat und auch Verwaltungsspitze als unverkrampft und
selbstverständlich erlebt. Bürgerorientierung und Bürgerengagement steht
grundsätzlich im Spannungsverhältnis und im „magischen Dreieck“ zwischen Bürger,
Politik und Verwaltung. Durch die kontinuierliche Einbeziehung der
Kommunalpolitiker in die alltägliche Arbeit kam bei uns nie die Machtfrage auf.
Immer waren die Rollen klar verteilt und richteten sich stets an dem aus, was in
Schweden mit „großer und kleiner Demokratie“ gemeint ist: Die „große
Demokratie“ als die klassische, gewählte, parlamentarische Form, also Politik
schlechthin und Bürgerengagement als die „kleine Demokratie“, die alltägliche
Form der Mitwirkung auf vielen verschiedenen, nicht immer politischen Feldern.
Die
Beteiligung wird lebendig beim „Dämmerschoppen-Dialog“. Der ganze Titel
lautet: „Es dämmert beim Schoppen im Bürgertreff - Kommunalpolitiker fragen
- Bürger antworten“. Klarer kann man es nicht sagen, deutlicher kann man
nicht auffordern, Politiker sollen zuhören und Bürger geben ihnen die
Antworten.
Ob Freibadsanierung, wo die Veranstaltung am Schwimmbecken in Badekleidung stattfindet, ob ein vom OB geführter Stadtspaziergang oder ein Rundblick vom Kirchturm, hier entstehen Impulse und manchmal auch neue Projekte.
Politiker,
Bürger und Verwaltung, die zwischenzeitlich bei keinem „Dämmerschoppen“
mehr fehlt, werden mit kreativen Mitteln, in entspannter Atmosphäre,
zusammengebracht. Ob Stimmungsbarometer, Modellaktion, Brainstorming,
Rollenspiel, Blitzlichtrunde oder unser schwäbischer „Maultaschendialog“,
all das fördert das Zusammenspiel der Kräfte.
In
den seit 1997 jährlichen Nürtinger Sozialkonferenzen werden Gegenwartsthemen
und Zukunftsentwürfe gemeinschaftlich bearbeitet. Gemeinsinn und solidarisches
Handeln im Alltag sind gefragt. Auf der Sozialkonferenz sollen Denkanstöße für
ein Zusammenleben zwischen Eigennutz und Gemeinsinn gesucht und BürgerInnen als
ExpertInnen beteiligt werden. Die Nürtinger Sozialkonferenz soll helfen, Fragen
nach sich selbst und der Rolle in der Gesellschaft zu suchen.
Expertenbeteiligung steht für Betroffenenpartizipation. Unser Ansatz geht davon
aus, dass gerade auch Betroffene Experten sein können und setzt diese Tatsache
in einem „dritten Sektor", neben der Politik und der Wirtschaft als
relevanten Gesellschaftsfaktor – dem Bürgerengagement - ein. Die
Sozialkonferenz ist konzipiert als Kooperationsprojekt von Profis und BürgerInnen
und setzt die Bereitschaft der Beteiligten zu lokaler Netzwerkarbeit voraus.
Seit
1998 finden in Nürtingen außerdem regelmäßig Zukunftswerkstätten zu
wichtigen sozialen Fragestellungen statt. Ziel ist, in Gruppen gemeinsam
Zukunftsvorstellungen zu entwickeln und Möglichkeiten ihrer praktischen
Umsetzung zu erarbeiten. Dabei gibt es drei Phasen: Kritik-, Ideen- und
Phantasie- sowie Umsetzungs- und Verwirklichungsphase.
Weitere Infos im Internet unter www.nuertingen.de oder beim Bürgertreff am Rathaus, Herrn Hannes Wezel, Marktstr. 7, 72622 Nürtingen, Tel. 07022/75366, E-Mail: buergertreff@nuertingen.de