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Zentrale Ergebnisse der Enquete-Kommission "Zukunft des bürgerschaftlichen Engagements"

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September 2002

 

Zentrale Ergebnisse der Enquete-Kommission "Zukunft des bürgerschaftlichen Engagements"
Überblick und Bewertung vom Stiftungs-Vorsitzenden Prof. Dr. Thomas Olk

Die Bedeutung des in zweieinhalbjähriger, intensiver Arbeit entstandenen Berichts der Enquete-Kommission liegt weniger in dem Umfang des Berichtes (851 Seiten) und in einzelnen Details seiner Ausführungen und Empfehlungen. Entscheidend ist vielmehr, dass die Enquete-Kommission einen konzeptionellen Durchbruch, einen Paradigmenwechsel im Bereich des bürgerschaftlichen Engagements vollzogen hat. Dies soll im Folgenden erläutert werden.

Bislang wurde die Förderung bürgerschaftlichen Engagements als ein Spezialproblem einzelner Ressorts (z. B. Sport, Jugend, Wohlfahrtspflege, Rettungswesen etc.) betrieben. In Zukunft kommt es vielmehr darauf an, in allen Politik- und Handlungsbereichen – wie etwa Gesundheit, Soziales, Arbeit, Jugend und Kultur – Möglichkeiten bürgerschaftlichen Engagements systematisch einzubeziehen. Den Bürgerinnen und Bürgern soll die Möglichkeit geboten werden, nicht nur als Kunde und Klient Einfluss zu nehmen, sondern vielmehr als Bürger Mitverantwortung zu tragen und kompetent mitreden und mitgestalten zu können.

Über die Zukunft bürgerschaftlichen Engagements entscheiden weniger einzelne Maßnahmen der Werbung, Rekrutierung oder sozialen Vergünstigung, als vielmehr die Entwicklung einer Kultur des Handelns und Entscheidens in konkreten Politikbereichen und Organisationsformen, die bürgerschaftlich geprägt und beteiligungsorientiert ist.

Die Analysen einzelner Politikfelder im Enquete-Bericht zeigen, dass sich bürgerschaftliches Engagement bereits heute in allen Bereichen findet. Allerdings gilt, das bürgerschaftliches Engagement primär in solchen Handlungsfeldern akzeptiert und gefördert wird, die sich auf den Umgang mit diskriminierten Gruppen oder mit besonders gefährdeten Bevölkerungsteilen beziehen, während die Entwicklung in bestimmten Kernbereichen des Sozialstaats – etwa Gesundheit oder Arbeitsmarktpolitik – kaum von Debatten um Bürgergesellschaft und bürgerschaftliches Engagement geprägt sind.

Die Akteure der Bürgergesellschaft – also Vereine, Initiativen und Projekte – und Staat und Verwaltung sind Partner, die sich "auf Augenhöhe" begegnen sollten. Für eine kooperative Politik eignen sich nach Auffassung der Kommissionsmitglieder vor allem neue Formen der Zusammenarbeit und Konfliktbewältigung wie Partnerschaften, Bündnisse, Netzwerke und Verträge, die verschiedene Akteure und Aktivitätszentren miteinander verbinden – so z. B. Ämter und Unternehmen, Anbieter und Verbraucher, soziale Dienste und Einrichtungen und Vereine usw.

Engagementfördernde Politik muss lernen, verstärkt in Kategorien der Netzwerkförderung zu denken und zu handeln. Partnerschaften, Bündnisse und Kooperationsstrukturen sind die engagiertem Handeln besonders gemäßen Aktionsformen. Möglichkeiten des Engagements wachsen mit und in Netzwerken, die verschiedene Akteure – z. B. Arbeitsämter, Kammern, Kommunen, Wohlfahrtsverbände, Initiativen etc. miteinander verbinden.

Eine verbesserte Kooperation von engagierten Bürgerinnen und Bürgern und hauptamtlichen Kräften ist nachhaltig nur dann zu erwarten, wenn die Modernisierungskonzepte der hiervon betroffenen Organisationen, Einrichtungen und Dienste die Dimension der bürgerschaftlichen Mitwirkung systematisch einbeziehen und eine Kultur des Entscheidens und Planens entwickelt wird, die offen ist für die knappe und begehrte Ressource der freiwilligen Mitarbeit.

Flexiblere Arbeitszeiten und größere Freiräume für die Beschäftigten verbessern die Bedingungen für bürgerschaftliches Engagement – inner- und außerhalb von Büros und Betrieben. Engagierte Bürgerinnen und Bürger bringen die Erfahrungen und sozialen Fähigkeiten auch als Qualifikationen in ihre berufliche Tätigkeit ein. Die Förderung bürgerschaftlichen Engagements in und durch Unternehmen ist daher eine echte "win-win-Situation". Es sollten daher alle Projekte und Bestrebungen unterstützt werden, die dazu beitragen, dass sich Unternehmen in Deutschland mehr als bisher als "corporate citizens" verstehen.