| Kultur Zunehmend wird die Freiwilligenarbeit im
Kultur- und Medienbereich wiederentdeckt. Dieser Bereich
ist durch eine lange Tradition bürgerschaftlichen
Engagements geprägt, das die Herausbildung zahlreicher
Einrichtungen des kulturellen Lebens erst möglich
gemacht hat. Mehr als 220 selbständige Verbände und
Organisationen aus den Bereichen Musik, Literatur,
Soziokultur, bildende und darstellende Kunst gehören dem
Deutschen Kulturrat an.
Analog zu der
Vielfältigkeit des kulturellen Lebens in Deutschland
sind die ehrenamtlichen Tätigkeitsfelder breit gestreut.
Die Einsatzmöglichkeiten reichen von Förderkreisen für
die Museen und Orchester über die historischen Vereine
hin bis zum umfassenden Bereich Laienmusik, deren
Aktivitäten und Organisationen fast ausschließlich von
ehrenamtlich Tätigen getragen werden. Die Aufgaben in
der ehrenamtlichen Kulturarbeit können auf verschiedenen
Ebenen ablaufen: sowohl die Leitungsaufgaben im Vorstand
eines Theatervereins, als auch die Durchführung
kultureller Veranstaltungen werden von kulturbegeisterten
Freiwilligen "gemanagt".
Ohne diesen
breitgefächerten ehrenamtlichen Einsatz wäre das
vielfältige kulturelle Leben kaum realisierbar. Das
Engagement in diesem Bereich leistet einen wesentlichen
Beitrag zur Identität des Landes, seiner Regionen und
Orte.
Unterfelder:
Baukultur
(Denkmalschutz, Archäologie)
Bibliotheken
Brauchtum und Heimatpflege
Film
Museum
Musik
Soziokultur
(Amateur-)Theater
TV und Rundfunk
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Baukultur (Denkmalschutz, Archäologie)
Damit Vergangenheit Zukunft hat, braucht es neben
hauptamtlichem auch ehrenamtliches Engagement, um das
Erbe unserer Vorfahren ausfindig zu machen, zu
rekonstruieren, zu pflegen, zu schützen und zu erhalten.
Historische Bauten, Schlösser und Burgen, Kirchen,
Bürgerhäuser, technische Denkmale, historische
Gartenanlagen, geschichtsträchtige Städte und
archäologische Denkmale, auch bewegliche Kulturgüter
wie Altäre oder Skulpturen - beim "Tag des offenen
Denkmals" erleben Millionen Deutsche jährlich
"Geschichte live" und beweisen damit, wie groß
das Interesse für die "Zeitzeugen der
Vergangenheit" ist. Nur wer um Schwierigkeiten und
Aufgaben des Denkmalschutzes weiß, ist bereit, bei der
Bewältigung mitzuhelfen. Daher ist Information, zum
Beispiel bei Führungen, sowie Presse- und
Öffentlichkeitsarbeit ein wichtiges Feld im
Denkmalschutz - eine Aufgabe, die dazu beiträgt,
Jahrhunderte der abendländischen Kultur in ihrer
regionalen Ausprägung zu vermitteln. Weitere mögliche
ehrenamtliche Aufgabenfelder liegen in der Recherche und
Dokumentation von Informationen und Bilddokumenten (z.B.
Heimatpflege), aber auch im handwerklichen Bereich, z.B.
Freilegung, Sanierung oder Wiederinbetriebnahme. Daneben
gibt es Aufgaben in der Organisation, z.B. Abstimmung mit
Denkmalämtern, und in der Verwaltung, etwa den Verkauf
von Eintrittskarten oder Souvenirs. 
Bibliotheken
Bibliotheken entsprechen in besonderer Weise dem
Volksbildungsgedanken. In diesem Bereich ist es nicht
zuletzt aufgrund der massiven Einsparungen in den
Kommunen zu einer Zunahme und wachsenden Akzeptanz der
ehrenamtlichen Mitarbeit gekommen. Eine lange Tradition
ehrenamtlicher Mitarbeit im Bibliothekarswesen haben die
Gemeinde- und Krankenhausbüchereien der katholischen und
evangelischen Kirche, die eigene Organisationsstrukturen
besitzen und fast ausschließlich mit ehrenamtlichen,
kontinuierlich angelernten und fortgebildeten Kräften
arbeiten. Kirchliche Bibliotheken richten ihr Angebot auf
die bekannte Klientel der Gemeinde, dienen eher als
kultureller Ort, denn als Drehscheibe für Informationen.
In öffentlichen Bibliotheken konzentriert sich - je nach
Stärke kommunaler Haushaltsdefizite - die Arbeit der
Freiwilligen entweder auf praktische Buch- und
Medienpflege oder sogar auf Leitungsebenen, d.h.
vielerorts könnten diese Einrichtungen ohne die
Initiative der Bürger/innen nicht offengehalten werden.
Damit ist die bereits vorher existierende ehrenamtliche
Mitarbeit im Bereich Veranstaltungsorganisation oder
Interessenvertretung von Lesern in Beiräten einzelner
Bibliotheken in neue, professionalisierte
Aufgabenbereiche vorgedrungen. Bibliotheksarbeit wird so
organisiert, dass professionelle und ehrenamtliche Arbeit
klar definiert, aufeinander bezogen ist und durch
erhebliche Investitionen in die begleitende Arbeit durch
hauptamtliche Fachkräfte eine veränderte, aber
professionelle Infrastruktur überleben kann. 
Brauchtum und Heimatpflege
Die Pflege der Volkskultur, vor allem auf den Gebieten
Fest, Brauch, Musik, Tanz, Theater, Tracht und Mundart
ist eines der Hauptanliegen der vielen ehrenamtlichen
Mitarbeiter/innen in der Heimatbewegung. Die moderne
Heimatpflege stellt sich seit jeher in der großen
Bandbreite von Natur- und Umweltschutz über den
Kulturlandschaftsschutz, die Denkmalpflege bis hin zur
Regionalgeschichtsforschung und Pflege der Regionalkultur
dar. Die Engagierten in den lokalen Heimat-, Geschichts-,
und Naturschutzvereinen leisten einen zeitgemäßen
Beitrag zur Sicherung der Eigenarten ihrer
Heimatregionen. Das ist keineswegs altmodisch, denn das
Engagement gestaltet sich sehr facettenreich und ist
stark von den unterschiedlichen historischen
Entwicklungen in den jeweiligen Gebieten geprägt. Das
freiwillige Engagement ist in eine sehr aktive
Vereinsarbeit eingebettet: hier werden heimat- und
landeskundliche Seminare angeboten, vereinseigene Museen
ausgestattet und geleitet, volkskünstlerische
Darbietungen vorgeführt, Öffentlichkeitsarbeit
betrieben und in Fachgruppen zu bestimmten Problemfeldern
der Heimatpflege gearbeitet. Die Vereine existieren unter
dem Dach von Landesverbänden, die wiederum Delegierte
zur Vertreterversammlung des Bundes Heimat und Umwelt in
Deutschland (BHU) entsenden. Der BHU ist die
Dachorganisation, die die Arbeitsergebnisse der
ehrenamtlichen Experten aus den Fachgruppen auf
nationaler und internationaler Ebene präsentiert und
publiziert. 
Film
In nahezu allen Bundesländern gibt es regionale
Filmbüros oder Filmverbände, deren Tätigkeit in weiten
Teilen auf sehr qualifiziertem ehrenamtlichen Engagement
beruht. Alle diese Einrichtungen nehmen durch ihre
Vorstände an den filmkulturellen und filmpolitischen
Diskussionen und Auseinandersetzungen teil. Im Rahmen von
Festivals, Symposien, Filmpremieren und anderen
Veranstaltungen wird für die Vielfalt von
filmkünstlerischen Werken geworben. Die Formen der
ehrenamtlichen Strukturen in den Filmbüros sind sehr
unterschiedlich. Manche können mit geringen Mitteln eine
Geschäftsführung bezahlen, während andere
ausschließlich ehrenamtlich ihre Arbeit durchführen.
Die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen der
Filmbüros und Verbände setzen sich dafür ein, dass
neben den großen gewerblichen Kinos auch noch andere
Orte, z.B. in Jugendclubs und Schulen, zur Präsentation
von Filmen genutzt werden. Sie engagieren sich mit dem
Ziel, die Interessen ihrer filmschaffenden Mitglieder aus
allen Bereichen - Produktion, Verleih, und Abspiel - zu
vertreten und diese durch eine breit angelegte Marketing-
und Öffentlichkeitsarbeit zu unterstützen. Dafür
werden die Kontakte zu Verleihfirmen, zu anderen
Verbänden, zu Ministerien und zur Presse genutzt. Im
Bereich der kommunalen Kinos und der Filmclubs tragen
auch hauptsächlich ehrenamtlich tätige Mitarbeiter dazu
bei, dass Aufführungsmöglichkeiten für viele
künstlerische, nichtkommerzielle Werke erhalten bleiben.

Museum
Helfen bei der Vorbereitung von Ausstellungen und
Katalogen, Führungen für Schulklassen durchführen,
Informationsmaterial verteilen, Gastkünstler betreuen
oder wissenschaftliche Mitarbeiter/innen (Kustoden)
unterstützen - die Palette der Möglichkeiten
ehrenamtlicher Mitarbeit im Museum ist sehr
breitgefächert und bietet jedem Interessierten einen
passenden, kurz- oder längerfristigen
Tätigkeitsbereich. Tausende Museen im ganzen Land -
meist in Trägerschaft von Kommunen und Vereinen -
pflegen und vermitteln Volkskultur, Brauchtum, Geschichte
des Verkehrswesens, des Handwerks oder der Ökologie. Die
Museen verstehen sich als Orte für regionale
Kommunikation und ihre Betreiber geben wichtige Impulse
für soziale und kulturelle Aktivitäten "vor
Ort". Die zum größten Teil ländlichen
vereinseigenen Museen werden meist ehrenamtlich geleitet
und bestreiten ihr ganzes Aufgabenspektrum - von der
Vorstandsarbeit bis zur Öffentlichkeitsarbeit - mit
Freiwilligen, während in den größeren Landes- und
Altstadtmuseen Freiwillige die Arbeit des hauptamtlichen
Personals unterstützen und Dinge initiieren, die sonst
brachlägen, wie z.B. das regelmäßige Dokumentieren von
Dias, Fotos, Tonträgern, Archivarbeiten oder das
themenbezogene Malen und Modellieren mit Kindern im
Museum. Die Freiwilligen "vor und hinter den
Kulissen" wirken auf diese Weise als wertvolle
Multiplikatoren des Museums und seines Images in der
Öffentlichkeit. (Siehe auch Brauchtum- und Heimatpflege) 
Musik (Chöre, instrumentale
Laienmusik)
Wöchentliche Probenarbeit, Notenverwaltung, Plakate
kleben, Konzertfinanzierung, Sponsorensuche,
Nachwuchsarbeit - das alles gehört zum Kulturleben der
Musik. Das Chor- und Orchesterwesen ist lebendiges
Engagement in einer Vielfalt, die vom
"einfachen" Mitsingen- und -musizieren bis zur
ehrenamtlichen Organisation von Chor- und
Orchesterauftritten reicht. Dazu ist zwischen dem
organisatorischen und dem künstlerischen Bereich der
ehrenamtlichen Tätigkeiten zu unterscheiden. Im
Management von Chören und Orchestern sind
Vereinsvorsitzende, Schriftführer/innen, Kassenwarte,
Archivare/Notenwarte, Stimmführer/innen ehrenamtlich
tätig. Anders als bei den Aufgabenträgern des
Managements werden Chor- und Orchesterleiter nicht
gewählt, sondern in die Tätigkeit hinein berufen oder
in seltenen Fällen eingestellt.
Ohne den beträchtlichen Einsatz der vielen engagierten
und oft sehr gut geschulten Laienmusiker/innen wären
viele kulturelle Veranstaltungen nicht möglich.
Konzerte, Gottesdienste, Spielmannszüge und gesellige
Veranstaltungen gehören ebenfalls dazu. Chöre,
Orchester, Musikzüge und -gruppen sind in Verbänden
zusammengeschlossen, die den Ehrenamtlichen auf vielen
Ebenen Ausbildung und Hilfen für die Vereinstätigkeit
anbieten. 
Soziokultur
Soziokulturelle Zentren in Landkreisen, Stadtteilen und
Gemeinden bieten interessierten Bürger/innen aller
Altersgruppen die Möglichkeit, eigene Wünsche,
Vorstellungen und Projekte in die kulturelle
Angebotspalette eines Hauses einzubringen. Die offenen
Kommunikations- und Kulturangebote dieser Zentren - die
in Nachbarschaftsheimen, Bürgertreffpunkten oder in
freien Initiativen unter dem Dach der Kommunen, Verbände
und Kirchen angesiedelt sind - stehen in der Tradition
einer nachbarschaftsorientierten Stadtteil- und
Gemeindearbeit. Das Besondere hierbei ist, dass
"fast alle fast alles" machen können:
Programmgestaltung, Tresendienst, Bühnentechnik, Werbung
und Öffentlichkeitsarbeit. Die Projekte der Soziokultur
kommen aus allen Bereichen der Kulturlandschaft -
Theater, Literatur, Kunst, Musik, Tanz- und sie haben das
gemeinsame Ziel des sozialen Miteinanders und kreativen
Austausches zwischen den Generationen und verschiedenen
Kulturkreisen. In Kooperation mit Kulturpädagogen,
Künstlern und freien Mitarbeitern organisieren
ehrenamtliche Mitarbeiter/innen Lesungen, literarische
Spaziergänge durch die Nachbarschaft, Bilderbuchkinos
oder Spiel- und Theaterwerkstätten. Die Produktionen
werden oft in Schulen, Seniorenclubs oder im
öffentlichen Raum gezeigt, um Dialoge zu alltäglichen
Themen, wie Vorurteile, Gewalt oder Generationskonflikte
zu initiieren. Vor allem jüngere Freiwillige sind hier
projektbezogen oder in einzelnen Arbeitsbereichen sozial
und kulturell engagiert. 
(Amateur-)Theater
Im gesamten Bundesgebiet existieren ca. 1700
Amateurtheatergruppen, deren Aktivitäten vorwiegend auf
ehrenamtlichem Engagement basieren. In den Gruppen steht
natürlich die Freude am Schauspielern, das Einüben und
Aufführen der Stücke im Vordergrund. Neben der
unmittelbaren Schauspieltätigkeit auf der Bühne sind
aber viele zusätzliche Tätigkeiten zu bewältigen,
damit eine Infrastruktur erhalten bleibt, die die
Kulturarbeit der Gruppen und Initiativen erst
ermöglicht: dazu gehören in erster Linie Organisations-
und Leitungsaufgaben. In den Vereinen und Verbänden sind
die ehrenamtlichen Vorsitzenden mit der
Mitgliederverwaltung, Organisation von Schulungskursen,
Mitgliederehrungen und Öffentlichkeitsarbeit
beschäftigt. Die Aktiven in den Theatergruppen
entwickeln sich sehr oft zu kreativen "Profis"
im Auftreiben finanzieller Mittel, indem sie Kosten- und
Finanzierungspläne erarbeiten, Anträge bei
öffentlichen Zuschussgebern stellen oder Sponsoren
überzeugen. Sie organisieren Proberäume oder einzelne
Aufführungen in (sozio-) kulturellen Einrichtungen,
initiieren Theaterfestivals - teilweise mit
internationaler Beteiligung - und stellen Unterbringung
und Verpflegung der Gastgruppen sicher. Das erlangte
Know-how und das Wissen um die Situation im deutschen
Amateurtheater fließt in Gremien, Expertengespräche und
Ausschüsse ein, die sich mit kulturpolitischen
Entwicklungen und Entscheidungen in diesem Bereich
befassen. 
TV
und Rundfunk
"Achtung, Ton läuft,...Sie sind auf Sendung",
so hallt es durch die ca. 67 bundesdeutschen Fernseh- und
Rundfunkstudios der "offenen Kanäle", in den
Bürger/innen aktiv, kostenfrei und ohne redaktionelle
Beeinflussung Sendezeiten buchen und füllen dürfen. Die
Sendeformate reichen von Talkshows, über Reportagen und
Kulturbeiträge, bis zu spontanen Meinungsäußerungen zu
allen beliebigen Themen. Hier stellen sich z.B.
türkische Mädchenprojekte vor, witzeln Schüler in
bester Ulkmanier über ihren Schulalltag, steppen
Seniorentanzvereine. Die Sender stellen die Technik,
Verwaltung und professionelle Medienassistenten zur
Verfügung; die Nutzer/innen jedoch - Bürger/innen aus
allen Bevölkerungsgruppen - füllen das Programm
inhaltlich aus. Sie erreichen mit ihrer kreativen,
informativen und oftmals unkonventionellen
"Medienarbeit" einen großen Teil der
Öffentlichkeit. Viele dieser Menschen sind als
ehrenamtliche Mitarbeiter/innen in gemeinnützigen
Projekten und Initiativen, die den "offenen
Kanal" als Forum nutzen. Es gibt auch ehrenamtliche
Redaktions-Teams in Krankenhäusern und Altenheimen, die
hausinterne mobile Rundfunkstationen "über die
Haussprechanlage" betreiben. Hier werden
regelmäßig im Rahmen eines Radio- oder Videoprogrammes
betagte und kranke Menschen unterhalten. Wie bei den
offenen Kanälen gilt: Produktwerbung ist tabu;
stattdessen ist eine Mischung aus Spaß, Information und
Alltagskultur angebracht. 
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