Finanzierungsmöglichkeit für die Arbeit gemeinnütziger Organisationen durch Spenden, Sponsoring und Stiftungen
In Deutschland gibt es genau 544.701 eingetragene Vereine (Erhebung der V&M Service GmbH bei den 600 örtlichen Vereinsregistern im Frühjahr 2001).
Mehr als ein Drittel aller eingetragenen Vereine (39,6 Prozent / absolut 215.439) sind Sportvereine. Freizeitaktivitäten werden in 95.044 (17,4 Prozent) eingetragenen Freizeitvereinen ausgeübt. Im sozial - karitativen Bereich sind 72.530 eingetragene Vereine (13,3 Prozent) engagiert. Etwa jeder neunte Verein (11,4 Prozent / absolut 61.983) ist im kulturellen Bereich tätig. Ungefähr ein Zehntel (9,5 Prozent / absolut 51.581) aller eingetragenen Vereine widmen sich wirtschaftlichen, beruflichen und politischen Themen wie beispielsweise Berufsverbände, Wirtschaftsverbände und politische Parteien. Bürgerinteressen werden von 42.510 Interessensgemeinschaften (7,8 Prozent) vertreten. (Quelle: nonprofitNEWSLETTER 3. Jahrgang Ausgabe 16/2001 vom 10. Oktober 2001)
Ein Großteil dieser Organisationen benötigt für seine Aufgaben Spenden. Dabei handelt es sich überwiegend um Initiativen von lokaler Bedeutung. Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) schätzt, dass von den gemeinnützigen Organisationen 20.000 aktiv Fundraising betreiben; davon treten wiederum 10% durch überregionale Spendenaufrufe in Erscheinung, 250 - 300 davon sind bundesweit tatsächlich profiliert.
Spenden erfüllen in unserer Gesellschaft wichtige gesellschaftliche und soziale Funktionen. Sie haben heute weitgehend die persönliche und direkte Hilfe in Notlagen, wie sie früher üblich war, abgelöst. Ebenso ersetzen Spenden häufig die direkte Mithilfe bei der Bewältigung von Gemeinschaftsaufgaben. Spenden helfen, Aufgaben zu erfüllen, die mit staatlichen Maßnahmen nicht ausreichend gelöst oder vom Staat allein nicht bewältigt werden können und auch sinnvollerweise nicht erledigt werden sollten. Private Initiative ist auf vielen Gebieten unverzichtbar. Das Spendenwesen ist eine wichtige Ergänzung des staatlichen Wirkens in vielen Bereichen.
Das Deutsche Spendeninstitut Krefeld (DSK) schätzt das Spendenaufkommen auf 10 Milliarden DM (Stand 1998), wobei in den Folgejahren kaum Zuwächse erzielt wurden.
Rund neun von zehn privaten Haushalten haben gemeinnützige Anliegen schon einmal unterstützt. Im Durchschnitt wird pro Jahr rund fünfmal gespendet, wobei sich Geldspenden (54,9 %) und Sachspenden (45,1 %) nahezu die Waage halten.
Zeitspenden, also ehrenamtliche Arbeit für ideelle Zwecke, wurden 1998 in einem Wert von 29 Milliarden DM geleistet (bsm-Newsletter 1/99, S. 11). Etwa 34 Prozent der Bevölkerung in Deutschland über 14 Jahren waren 1999 nach eigenen Angaben im weitesten Sinne ehrenamtlich tätig, das sind 22 Millionen Menschen. ("Freiwilligenarbeit, ehrenamtliche Tätigkeit und bürgerschaftliches Engagement". Umfrage von Infratest Burke im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, veröffentlicht im Oktober 1999).
Spenden können im Rahmen der Einkommenssteuer-Erklärung als Sonderausgaben steuermindernd abgesetzt werden. Dazu reicht bis zu 200 Euro der Einzahlungsbeleg samt Kontoauszug als Nachweis gegenüber dem Finanzamt. Für darüber hinausgehende Beträge ist eine Zuwendungsbestätigung auszustellen.
Das Sponsoring beruht auf dem Prinzip "Leistung und Gegenleistung", d.h. es handelt sich um eine Vereinbarung, welche Leistung der Gesponserte für das Sponsoring erbringt. Dabei kann es sich z. B. um Aktivitäten handeln, die aus Marketinggründen für Unternehmen von Vorteil sind ("Tue gutes und rede darüber!"), etwa die Präsentation von Veranstaltungen oder die Namensnennung der Sponsors auf Druckerzeugnissen. Für Unternehmen kann Sponsoring zu einem positiven Image beitragen, einen Anteil zur guten Unternehmenskultur beitragen und die Identifikation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit dem Unternehmen verbessern.
Unter Fundraising (aus dem Englischen übersetzt etwa: Geldsammlung, Vermögensbildung) versteht man alle Massnahmen, die dazu beitragen, dass gemeinnützige Organisationen in die Lage versetzt werden, ihre Arbeit in angemessenem Rahmen zu erledigen. Die Vielfalt der Möglichkeiten reicht von Anträgen an Stiftungen und öffentliche Verwaltungen über die Teilnahme an Wettbewerben bis hin zu Spendenbriefen und dem Erzielen eigener Einnahmen, z.B. durch Leistungserbringung (Service, Verfassen von Zeitungsbeiträgen, Beratung etc.)
Literaturempfehlung:
Elisa Bortoluzzi-Dubach und Hansrudolf Frey: Sponsoring: Der Leitfaden für die Praxis, ISBN: 3258061351
Das Buch bietet eine Einführung in alle Fragen des Sponsorings für Sponsoren und Gesponserte in den Bereichen Sport, Kultur und Umwelt. Es richtet sich an alle, die sich haupt- oder nebenberuflich mit der Mittelbeschaffung beschäftigen. Ein praktischer Leitfaden für Mitarbeiter in Klein- und Mittelbetrieben, Stiftungen, Verbänden, kommunalen und privaten Einrichtungen sowie für Vereine, Verbände, Non-Profit-Organisationen und Veranstalter. Checklisten und Musterkonzepte geben Unterstützung für die Praxis, im Anhang finden sich eine ausführliche Sponsoring-Bibliografie, Problemschilderungen und Lösungskonzepte, eine Info-Datei mit Datenbanken, Adressen und Weiterbildungseinrichtungen sowie Testfragen zum Thema Sponsoring.
Bernd Jaenicke: Fundraising-Lexikon, Lexikon und praktischer Ratgeber für Ihr erfolgreiches Fundraising, ISBN: 3-932624-32-7, 69 Euro, 260 Seiten, 2002
Das Lexikon erklärt nicht nur Begriffe aus der Arbeit des Fundraisings, sondern vermittelt Methoden, Techniken und Tipps. Es gibt umfangreiche praktische Ratschläge und Hinweise zum erfolgreichen Fundraising für die tägliche Praxis. Ausserdem bietet das Lexikon weiterführende Adressen, Internet-Links und Literaturhinweise. Begriffe aus der Werbung, der Öffentlichkeitsarbeit und dem Spenden- und Stiftungsrechts sind als Hinweise ebenfalls aufgenommen.
Internethinweise:
www.Gute-Tat.de, www.spendenportal.org und www.helpdirect.org
Non-Profit-Organisationen können jetzt über die o.g. Internetplattformen hilfsbereiten Menschen kostenlos ihre Organisation und ihre Projektaktivitäten vorstellen. Zu der detaillierten Präsentation der Projekte gehören auch Angaben über den konkreten Unterstützungsbedarf an Geldspenden, Sachspenden oder aktuell benötigter ehrenamtlicher Tätigkeit. Umgekehrt können hilfsbereite Menschen aktuelle Projekte nach unterschiedlichen Kriterien wie räumliche Nähe, Projektgegenstand, Unterstützungsbedarf oder Organisation auswählen. Ziel der gemeinnützigen Initiativen ist es, über das Medium Internet vor allem kleinere und mittlere Non-Profit-Organisationen mit hilfsbereiten Bürgern zusammenzubringen.
Stiftungen fördern: mit Rat und Tat – und mit Geld
In Deutschland gibt es mehr als 10.000 Stiftungen – und es werden jedes Jahr mehr. Im Vorjahr stieg deren Anzahl fast um 1000 – die höchste Zunahme innerhalb der Jahresfrist seit dem Kriegsende. Und die Bedeutung von Stiftungen für die Finanzierung sozialer, gesellschaftspolitischer und kultureller Aktivitäten nimmt zu.
Doch gerade kleinen Organisationen bereitet es Schwierigkeiten, die grosse Anzahl an Stiftungen mit ihren unterschiedlichen Zielstellungen und Förderbedingungen zu überschauen und die richtige Stiftung als Finanzier ausfindig zu machen. Daher nachfolgend Hinweise, die die Akquisition erleichtern können, aber gleichwohl eine ganze Menge Arbeit bedeuten:
- Nicht jede Stiftung vergibt Zuwendungen an Dritte. Rund 50 % aller Stiftungen sind operativ, d.h. unmittelbar, tätig – und fördern damit nur eigene Projekte. Hier bietet sich evtl. eine Zusammenarbeit bzw. eine Beratung, aber keine finanzielle Förderung an.
- Förderungen sind immer befristet, in den meisten Fällen beziehen sie sich auf ein konkretes, abgeschlossenes Projekt, das möglichst genau beschrieben und mit einem genauen Kostenplan versehen sein sollte. Die Beantragung einer Regelfinanzierung oder nur eines Mietzuschusses für ein Vereinsbüro sind damit nicht möglich.
- Stiftungen fördern in aller Regel nur Projekte, die noch nicht begonnen haben. Sie sind also kein Reparaturbetrieb für nachträglich auftauchende Finanzierungslücken. Anträge daher frühzeitig stellen (Entscheidungsgremien tagen manchmal nur ein- oder zweimal jährlich.)
- Stiftungen können nur im Rahmen ihres Stiftungszweckes fördern, der sich aus der Satzung ergibt. Das bedeutet, dass mögliche Förderzwecke meist eng begrenzt sind. Daraus ergibt sich, dass bereits im Vorfeld Kontakt mit der Stiftung (z.B. per Telefon) aufgenommen werden sollte, um die Praxis der Mittelvergabe zu klären. Die Ablehnung ohnehin chancenloser Anträge macht sowohl dem Antragsteller als auch der Stiftung nur unnötige Arbeit.
- Stiftungsmittel dürfen nur zweckgebunden verwendet werden. Das bedeutet, dass Stiftungen keine Spenden vergeben (brauchen daher ebenfalls gar nicht erst beantragt zu werden), sondern in aller Regel eine Fehlbedarfsfinanzierung vornehmen, d.h. die Lücke zwischen den realen Kosten und dem bereits vorhandenen Geld "schliessen". Daraus ergibt sich, dass Kosten projektspezifisch nachgewiesen werden müssen und bei zu viel beantragten Mitteln eine Rückzahlung fällig werden kann.
- Bei Projektanträgen sollten auch mögliche Einnahmen z.B. durch Eintritt oder Getränkeverkauf veranschlagt werden. Stiftungen z.B. für Veranstaltungen die entstehenden Kosten "aufzudrücken", die Einnahmen aber selbst zu behalten, ist ein dicker Fauxpas.
- Mögliche Zuwendungsempfänger/innen müssen in der Regel als gemeinnützig anerkannt sein. Eine Förderung von Privatpersonen ist meist ausgeschlossen.
- Es macht keinen Sinn Serienbriefe als Anfragen an eine Vielzahl von Stiftungen zu schicken. Darauf reagieren viele Stiftungen sogar verärgert, weil die engen Förderrichtlinien so kaum berücksichtigt werden können. Nachfragen und Nachreichungen bedeuten für alle Beteiligten zusätzliche Arbeit.
- Stiftungen unterliegen oft verschiedener "Begrenzungen". Das kann eine regionale Festlegung z.B. auf einen bestimmten Kreis oder ein Bundesland sein, oft sind es auch finanzielle Obergrenzen für eine mögliche Förderung. Bei darüber hinausgehenden Anträgen muss die Quelle weiterer Drittmitteln (z.B. Antrag an weitere Stiftung) benannt werden.
Seit einiger Zeit können mögliche Förderstiftungen im Internet in einer Datenbank selbst recherchiert werden – nach Stichworten bzw. Förderzweck. Die entsprechenden Internetadressen sind www.maecenata.de des Maecenata Institutes und www.stiftungsindex.de des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen.
Weitere Hinweise zur Antragstellung und zu Förderstiftungen bietet die Broschüre "Wie Stiftungen fördern". Hg.: Stiftung Mitarbeit (Arbeitshilfen für Selbsthilfe- und Bürgerinitiativen Nr. 15) und die Paritätische Geldberatung e.G., 2001, 2. überarbeitete Auflage, 118 Seiten, ISBN 3-928053-49-3, ca. 7,50 Euro, Bestellung im Internet unter www.mitarbeit.de.
Weitere Infos:
Bundesverband Deutscher Stiftungen
Mauerstr. 93
10117 Berlin
Tel. 030 / 89 79 47-0
Fax 030 / 89 79 47-81
E-Mail:
bundesverband@stiftungen.org
Internet:
www.stiftungen.org
und
www.stiftungsindex.de
Maecenata Institut
Albrechtstr. 22
10117 Berlin
Tel. 030 / 28 38 79 09
E-Mail:
Gemeinnützigkeit (§ 5 Körperschaftssteuergesetz)
Jede Körperschaft (z.B. Verein, Stiftung, GmbH oder AG) kann gemeinnützig sein. Dazu müssen u.a. die Gemeinnützigkeit durch das zuständige Finanzamt auf Antrag festgestellt und die tatsächliche Geschäftsführung darauf ausgerichtet sein.
Für gemeinnützige Vereine wurden durch den Gesetzgeber zahlreiche Vergünstigungen geschaffen:
Als weitere Vergünstigungen kommen hinzu:
Die Anerkennung der Gemeinnützigkeit erfolgt faktisch mit der Körperschafts-steuerfreistellung durch das Finanzamt.
Voraussetzung dafür ist, dass der Verein ins Vereinsregister eingetragen ist und seine Satzung und tatsächliche Geschäftsführung den Grundsätzen von Selbstlosigkeit, Ausschließlichkeit, Unmittelbarkeit und Förderung der Allgemeinheit entspricht. Steuerbegünstigte Vereine müssen gemeinnützige, kirchliche oder mildtätige Zwecke verfolgen.